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AlsfeldKind und Kegel0

1. Vorlesetag der Brüder-Grimm-Schule sorgt für ein volles Haus und viel ResonanzDie vielen Facetten des Lesens entdecken

ALSFELD (ol). Für die Schüler der Brüder-Grimm-Schule – einer Schule mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung – stehen Lesen, Schreiben und Rechnen nicht an erster Stelle. Dennoch haben viele der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Lesekompetenz. Das unter Beweis zu stellen und einem großen Publikum zu präsentieren war das Ziel des ersten Vorlesetages der Brüder-Grimm-Schule, der in der ersten Novemberwoche stattfand.

Vier Klassen hatten sich laut Pressemitteilung der Schule jeweils ein Lesestück ausgesucht, das sie nicht nur lesetechnisch einstudiert hatten. Viel mehr hatten sie sich im Rahmen einer Projektwoche intensiv mit den Inhalten auseinandergesetzt, ihre Klassen geschmückt, Kostüme gebastelt und alternative Kommunikationstechniken integriert, die den Zuschauern die ganze Bandbreite der Inhaltsvermittlung vor Augen führte. Darüber hinaus hatten alle vier Klassen ganz unterschiedliche Vortragsweisen gewählt: Theater, Schwarzlicht, Book Slam, Hörspiel – es war ein abwechslungsreicher Nachmittag, den man beispielweise auf der Müll-Deponie der Olchis verbringen konnte.

Unterschiedliche Inszenzierungen

Die Klasse BO1 hatte sich dieses Themas angenommen und nicht nur ihren Raum entsprechend heimelig mit ganz viel Abfall und merkwürdigen Fundstücken geschmückt, sondern auch olchimäßiges Essen und Trinken angeboten – so konnte man Literatur auch kulinarisch entdecken. Während einige Schüler selbst lasen, nahmen andere ihren Talker zu Hilfe. Mit diesem Instrument der Unterstützten Kommunikation können Menschen mit einer Sprachbehinderung vorformulierte Inhalte per Knopfdruck abspielen lassen und auf diese Weise Wünsche äußern oder Antworten geben – oder eben ihren Part aus dem Olchi-Buch vorlesen.

Eine Klasse weiter hatten die Schüler ihr Stück als Schwarzlichttheater inszeniert. „Mit diesem Trick kann man auch Kinder integrieren, die viel zu aufgeregt wären, um vor ein Publikum zu treten“, erläutert Klassenleiterin Anna Schüßler. Die Brüder-Grimm-Schule ist bestrebt, der individuellen Vielfalt ihrer Schülerinnen und Schüler Rechnung zu tragen – dies wurde ganz besonders darin deutlich, dass der Kreativität, möglichst alle, die teilhaben wollten, auf eine ganz bestimmte Art und Weise mitzunehmen, keine Grenzen gesetzt waren. So steuerte hier eines der Kinder seinen Talker mit Hilfe der Augen.

Den Klassenraum in eine Burg verwandelt

Für die Aufführung des „Kleinen Burggespenstes“ hatte sich ein Klassenraum in eine geheimnisvolle Burg verwandelt, deren Geräuschkulisse eine atemberaubende Spannung erzeugte. „Ich bin zum ersten Mal an dieser Schule und bin ganz hingerissen von diesen schönen kleinen Lesebühnen, in denen sich soviel Leidenschaft und Kreativität widerspiegeln“, zeigte sich Schauspielerin Johanna Mildner sehr angetan. Sie vertrat die Buchhandlung Buch 2000, die Leseaktionen an Schulen in der Regel mit einem Buchtisch unterstützt. Auch Bürgermeister Stephan Paule ließ es sich nicht nehmen, am Vorlesetag vorbeizuschauen und sich den Einfallsreichtum der Kinder, ihrer Lehrkräfte und Erzieherinnen zu Gemüte zu führen.

Besonders schön war auch die Aufführung der Klasse BO2, die das Vorgelesene – ähnlich einem Book Slam – szenisch nachempfand und durch eine schlaue Inszenierung auch Schüler zu Wort kommen ließ, die nicht direkt gesehen werden wollten. Ihre Halloween-Geschichte war spannend und sehr schön dargeboten. Bereichert wurde die Veranstaltung in der Schule zum einen durch ein feines Kuchenbüffet vom Schulelternbeirat, zum anderen aber auch durch die vielen liebevollen Dekorationen, für die sich zwei ganze Klassen verantwortlich zeigten.

So war ein beeindruckendes Gesamtergebnis entstanden, an dem fast die ganze Schulgemeinde beteiligt war. Am Ende des Tages sah man nur glückliche Gesichter an der Brüder-Grimm-Schule: Die Schüler waren stolz, dass ihre Lesedarbietungen so gut gelungen waren, die Eltern und Gäste waren überrascht von dem Können und der kommunikativen Vielfalt an der Schule, und die Lehrkräfte waren sich unisono einig, dass diese Aktion nach Wiederholung schreit. „Wir sind selbst ganz positiv überrascht von dieser tollen Dynamik, die hier in Gang gekommen ist“, freut sich Schulleiterin Claudia Janich, die betont: „Wir möchten, dass alle Schülerinnen und Schüler mit genau dem, was sie einbringen können, teilhaben können. Und das ist auch beim Lesetag gelungen.“

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