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Liga der Freien Wohlfahrtspflege veranstaltete den 5. Sozialpolitischen Abend„Die Niedriglohner von heute sind die Altersarmen von morgen“

LAUTERBACH (ol). Der diesjährige Sozialpolitische Abend der Liga der Freien Wohlfahrtspflege im Vogelsbergkreis stand unter dem Thema „Altersarmut im Vogelsberg“. Denn dass die Rente im Alter nicht für ein gutes Leben reicht, ist eine Entwicklung, die auch vor unserer Region nicht Halt – obwohl, so der eingeladene Experte, es dem Vogelsberg vergleichsweise noch ziemlich gut gehe.

Mit Prof. Dr. Frank Unger von der Hochschule Fulda sei es gelungen einen außerordentlich kompetenten Referenten für die Veranstaltung in Lauterbach zu gewinnen, heißt es in der Pressemitteilung des Caritaszentrum im Vogelsberg. Unger versuchte mit allerlei Zahlen das schwer greifbare Thema zu verdeutlichen. „Ein Gehalt auf Mindestlohn-Niveau reicht auch nach 45 Beitragsjahren nicht für eine Rente oberhalb der Grundsicherung. Vielmehr müsste der Stundenlohn dafür bei 12,63 Euro liegen“, sagte er zum Beispiel. Die Zahl der Menschen, die über 65 Jahre alt sind und Grundsicherung beziehen, habe sich seit 2003 von etwa 258.000 auf 536.000 mehr als verdoppelt.

Dabei kam Unger auch auf einen Punkt zu sprechen, den man oft von der Politik hört: Wer schon im Berufsleben wenig verdient oder sich von einem Minijob zum nächsten hangelt, der hat es später im Rentenalter umso schwerer. Dazu wieder einige Zahlen: „Im Vogelsbergkreis liegt die ausschließlich geringfügige Beschäftigung bei 16,4 Prozent, die Quote der Teilzeitarbeit bei Frauen in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen bei 56 Prozent und der Niedriglohnbereich liegt bei 10,50 Euro.“

Die Situation im Vogelsberg

Die Daten des Arbeitsmarktes würden zwar darauf hindeuten, dass die Lage im Vogelsberg sich weiter zuspitzen könnte, im Vergleich zu anderen Regionen sieht der Experte die Region aber noch gut aufgestellt. Viele Menschen hier haben eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus, die Lebenshaltungskosten sind vergleichsweise niedrig.

Altersarmut sei generell gesprochen dennoch ein gesellschaftlich sehr relevantes Thema. Viele Bürger seien verunsichert und machen sich Sorgen um ihr Leben im Alter. Trotzdem würden sie eher den Staat in der Verpflichtung sehen eine angemessene Altersversorgung zu sichern als sich selbst, fasste Unger zusammen. Dabei gehe es bei dem Thema nicht nur darum, im Alter genügend Geld zu haben. Altersarmut gehe oft auch einher mit Einsamkeit – und die mache krank.


„Die Niedriglohner und Teilzeitarbeitenden von heute sind die Altersarmen von morgen. Vor allem auch durch den Wandel der Familienstrukturen, der tendenziell zu einer höheren Zahl alleinstehender Menschen führt, nimmt die Gefahr der Ausgrenzung zu“, sagte Unger.

In einer anschließenden Diskussion tauschten sich die Anwesenden über Erfahrungen und weitere Lösungsansätze zu dem Thema aus, heißt es in der Mitteilung.


Ein Gedanke zu “„Die Niedriglohner von heute sind die Altersarmen von morgen“

  1. „Die Daten des Arbeitsmarktes würden zwar darauf hindeuten, dass die Lage im Vogelsberg sich weiter zuspitzen könnte, im Vergleich zu anderen Regionen sieht der Experte die Region aber noch gut aufgestellt. Viele Menschen hier haben eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus, die Lebenshaltungskosten sind vergleichsweise niedrig.“
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    Und da vorausschauendes Denken so viel anstrengender ist als die Verdrängung der Themen Teilzeit, prekäre Arbeitsverhältnisse, Sparerenteignung, Rentenklau, Altersarmut, Krankheit, schwindende Alltagskompetenz, Betreuungsrecht, Pflegekrises usw., usw., können sich die Politiker aller Parteien im Landkreis schön an der Tatsache vorbei mogeln, dass die staatliche Daseinsvorsorge nur für die reicht, die als Sonntagskinder geboren sind und nach einem erfüllten Leben, pumperlg’sund bis zum letzten Tag, an ihrem 100. Geburtstag frohgemut ins Bett gehen und am nächsten Morgen dann sanft entschlafen sind.
    Da ist es durchaus verdienstvoll, wenn die Liga der Freien Wohlfahrtspflege mit einem „Sozialpolitischen Abend“ die Dinge mal realistisch darstellt. Doch wer wird sich dafür interessieren? Die ohnehin schon Problembewussten, die man wahrscheinlich kaum noch „aufklären“ muss.
    Gerade weil in Zukunft der eigenen Aktivität eine wachsende Bedeutung zukommt, wenn die Lebensqualität gesichert bleiben soll, müssten Politik und Verwaltung mit allen Kräften daran arbeiten, die Generation der „jungen Alten“ und zukünftige Rentnergenerationen zu mobilisieren. Doch die bewegen sich auf leisen Sohlen. Nur keine schlafenden Hunde wecken. Denn dann träten jahre- wenn nicht jahrzehntelange Versäumnisse zu Tage.

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