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Sieben Vogelsberger Landtags-Direktkandidaten und ihre politischen ZieleEin ganzes Wahlprogramm in 140 Zeichen

VOGELSBERG (pw). Politiker, so heißt es oft nicht ganz zu Unrecht, schwafeln gerne. Dabei ist es in unserer hektischen Zeit doch grade wichtig, sich kurz zu fassen. Deshalb haben wir die sieben Direktkandidaten für die Landtagswahl gebeten ihre Ziele knackig zusammenzufassen – in der alten Twitterlänge von 140 Zeichen.

Alle Direktkandidaten wurden zeitgleich angeschrieben, die Auflistung erfolgte nach dem zeitlichen Eingang der Antworten. Die 140 Zeichen konnten ohne Vorgaben frei genutzt werden.

Wahlprogramm: 140 Zeichen

Nicole Eggers (Die Linke)

Ich kämpfe die Stärkung des ländlichen Raums, ein gutes & individuell förderndes Bildungssystem & soziale Gerechtigkeit! #mehrfürdiemehrheit

Eva Goldbach (Bündnis 90/Die Grünen)


Erderwärmung aufhalten, Lebensgrundlagen schützen, Digitalisierung zum Nutzen aller Menschen und für ein starkes und einiges Europa.

Michael Ruhl (CDU)

Ländlichen Raum weiter voran bringen
Infrastruktur ausbauen
Ehrenamt stärken
Finanzen sichern
Vogelsberg weiter selbstbewusst vertreten

Mario Döweling (FDP)

Hessen muss wieder gestaltet und verwaltet werden, der Bildungsnotstand an den Schulen muss enden, stärkere Förderung des ländlichen Raumes


Swen Bastian (SPD)

Neue Kraft fürs Land, durch bessere Verkehrsanbindung, schnelle Netze, gute Schulen und Arbeitsplätze; ohne Straßenbeitrag und Kita-Gebühr.

Michael Hans Krebühl (Freie Wähler)

Bessere Ausstattung des Kreises und der Kommunen
Ansiedlung von Unternehmen
Verb. der gesundheitl. Versorgung
Mobile Netzanbindung vorantreiben

Steffen Rühl (AfD)


Ich stehe für Sicherheit, Stabilität sowie Zusammenhalt und werde dem Vogelsberg im Landtag eine starke Stimme geben! Am 28.10. AfD wählen!

Rund um die Landtagswahl im Vogelsbergkreis

Der Wahlkreis Vogelsberg ist flächenmäßig der Größte unter den 55 hessischen Landtagswahlkreisen und umfasst die 19 Vogelsbergkommunen sowie die Stadt Laubach im Landkreis Gießen. Eine exakte Zahl der Wahlberechtigten im Wahlkreis liegt nicht vor, da die Gemeinden diese Zahl erst am Wahlabend an den Kreiswahlleiter übermitteln. Der Vogelsbergkreis schätzt die Anzahl der Wahlberechtigten in den 20 Gemeinden auf etwa 92.000 Personen.

Bei der Landtagswahl im Jahr 2013 hatte der Wahlkreis Vogelsberg mit 4,3 Prozent den höchsten Anteil an ungültigen Stimmen in Hessen. In den letzten 35 Jahren ging sechs Mal die SPD als Wahlkreissieger hervor, die CDU dreimal. Der CDU-Direktkandidat Kurt Wiegel hat in dieser Zeit den Wahlkreis dreimal (2003, 2009, 2013) und damit am häufigsten gewonnen, die SPD Direktkandidaten Jochen Zwecker (1987, 1991) und Bernhard Bender (1995, 1999) gewannen jeweils zweimal. Prozentual die meisten Stimmen erzielte in dieser Zeitspanne der CDU-Direktkandidat Kurt Wiegel im Jahr 2003 mit 55,1Prozent, anzahlmäßig die meisten Stimmen erzielte der SPD-Direktkandidat Karl Hisserich im Jahr 1983 mit 35.320 Stimmen. Die sieben Vogelsberger Direktkandidaten zur Landtagswahl im Jahr 1983 waren Lothar Wyrtki (CDU), Karl Hisserich (SPD), Gerhard Karl-Rollmann (GRÜNE), Jörg Steinhäuser (LD), Wolfgang Gerhardt (FDP), Reinhard Hamel (DKP) und Wolfgang Dinges (EAP).

Im Jahr 2009 zogen gleich drei Vogelsberger in den Landtag ein, dazu zählten der direkt gewählte Kurt Wiegel (CDU) sowie Manfred Görig (SPD) und Mario Döweling (FDP) über Parteilisten. Mit neun Direktkandidaten bestand im Jahr 2008 die größte Auswahl für die Wahlkreisstimme, die wenigsten Stimmen entfielen mit 170 (0,3%) auf Erhard Römer von der Generationenpartei „Die Grauen – Graue Panther“. Mit 74.401 Wählern wurde im Jahr 1983 die höchste Wahlbeteiligung von 86,3 Prozent erzielt, die niedrigste Wahlbeteiligung erfolgte im Jahr 1999 mit 62,6 Prozent und 57.086 Wählern.

Die überhaupt wenigsten Landesstimmen erhielt im Jahr 1999 die Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo), gerade einmal drei Vogelsberger Wähler setzten das Kreuz bei der Partei. Sie konnte ihre Wählerschaft bei der darauffolgenden Landtagswahl im Jahr 2003 jedoch auf 26 Vogelsberger Wähler erhöhen. Den größten Gewinn bei den Landesstimmen im Wahlkreis Vogelsberg erzielte die CDU im Jahr 2003 mit einem Plus von 9,7 Prozent, sie erzielte aber zugleich im Jahr 2008 den größten Verlust mit einem Minus von 15,7 Prozent.



4 Gedanken zu “Ein ganzes Wahlprogramm in 140 Zeichen

  1. Wer will denn von denen irgendwas bewegen. Da wird nur an sich gedacht, gewählt werden und eine gute Absicherung haben. Nach der Wahl sieht und hört man nichts mehr von denen. Wenn die in Berlin schon nichts mehr hinbekommen, so glaubt doch wohl keiner, dass diese Leute auch nur irgendwas hinbekommen.

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  2. Alternativ möchte ich eine Landtagsspitzenkandidaten-Blindverkostung anregen. Jeder Kandidat zieht sich einen blickdichten neutralen Sack (nicht schummeln!) über den Kopf und sucht dann das blaue Vögelchen. Wer es zuerst gefunden hat, darf 140 Sekunden lang dummes Zeug im Stil seines Parteiprogramms labern. Und wird dann von ausgewählten Lesern mit Deutschland-Hut und dunkler Verfassungsschützer-Brille per Däumchen hoch und Däumchen runter bewertet. Faire Chance: Es gibt so viele Durchläufe und Vögelchen wie Kandidaten. Schikane: Wie bei der Reise nach Jerusalem wird nach jeder Spielrunde ein blaues Vögelchen entfernt. Der Name des Siegers wird am Montag nach der Wahl bekannt gegeben. Oder auch nicht.

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  3. >> Politiker, so heißt es oft nicht ganz zu Unrecht, schwafeln gerne. Dabei ist es in unserer hektischen Zeit doch grade wichtig, sich kurz zu fassen. <<
    Schwafeln Politiker weniger, wenn sie ihr "ganzes Wahlprogramm" (das ja immer das Programm ist, das ihre Partei verabschiedet hat) in 140 Zeichen "twittern" sollen? Nein, sie schwafeln nur kürzer, noch schlagwortartiger und werden hierdurch noch weniger unterscheidbar. Letztlich sind dann eben alle für
    – die Förderung des ländlichen Raums
    – bessere Bildung
    – bessere gesundheitliche Versorgung und
    – schnelles Internet.
    Und jetzt? Da man nicht weiß, was der jeweilige Phrasendrescher darunter im Einzelnen versteht, ist man auf die Frage zurück geworfen: Was genau können und werden die hier abgebildeten 140-Zeichen-Schwafler denn von diesen Forderungen wie und wo umsetzen? Darauf käme es bei der Wahlentscheidung schließlich an, ließe sich aber mit 140 Zeichen nicht analysieren und darstellen. Unterm Strich bleibt das Foto-Finish: Wer schaut am treuherzigsten
    aus der Wäsche? 14 Mio Pixel versus 140 Zeichen.
    OL-Leser, die über mehr als 140 Gehirnzellen verfügen, können natürlich weitere Schlüsse aus dem Wettstreit twitternder Politiker*innen ziehen. Zum Beispiel, dass es möglich ist, auch mit 140 Zeichen noch wolkige grüne Weltrettungsparolen (siehe Eva Goldbach) abzusondern oder den nach hinten los gehenden Super-Slogan der Linken – #mehrfürdiemehrheit – unters Volk zu bringen. Nur mal so zum Nachdenken: Warum sollte eigentlich die Forderung nach mehr für die Mehrheit, also die, die die LINKE nachweislich mehrheitlich nicht wählen, die Minderheit veranlassen, weiterhin oder überhaupt einmal die LINKE zu wählen?). Ganz besonders herzig der AfD-Mann. Der denkt einfach nur an sich – ich, ich, ich – und will das stabilisieren und absichern, was noch da ist (und trifft damit exakt den Geschmack von #mehrfürdiemehrheit, denen es vielleicht noch einigermaßen gut geht, die aber fürchten, dass es nicht so bleibt!).
    Mein Anti-140-Zeichen-Fazit:
    Schon die reichlich kurz greifende Prämisse von OL, "in unserer hektischen Zeit" sei es "doch grade wichtig, sich kurz zu fassen", fordert meinen Widerspruch heraus. Wäre es nicht "gerade wichtig", sich auch in einer "hektischen Zeit", in der die Sachfragen und Probleme immer komplizierter werden, die notwendige Zeit für rationale und verantwortungsbewusste Entscheidungen zu nehmen?

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