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Das Herzbergfestival startet mit hochsommerlichen TemperaturenHeiß, Hippies, Herzberg

HERZBERG/BREITENBACH (akr). Da wollte der Wettergott das Schlamm-Desaster vom letzten Jahr wohl mehr als nur wieder gut machen: 36 Grad, prächtiger Sonnenschein. Doch das hält die Hippies nicht auf, vier Tage lang Liebe und Frieden zu feiern. 1968, noch ein Jahr vor Woodstock, stieg das Festival das erste Mal. Die Hippies vom Herzberg werden also stolze 50 – auch wenn das Fest mehrere Jahre passieren musste.

Schon auf dem Weg Richtung Campingplatz sieht man sie am Straßenrand sitzen, die Menschen, die gemeinsam mit über 10.000 weiteren 50 Jahre Liebe und Frieden feiern wollen. Nur wenige Meter trennen sie vom Festivalgelände, doch ein wenig müssen sie sich noch gedulden. Der Andrang ist mal wieder sehr groß. Zig Autos mit den unterschiedlichsten Kennzeichen. Von überall kommen sie her unterhalb des Herzbergs.

Wer aufs Festival will, muss Geduld mitbringen. Alle Fotos: kd

Und bevor man die Wartezeit bei 35 Grad Außentemperatur im Auto verbringt, setzt man sich kurzerhand an den Straßenrand, schnappt sich etwas zu trinken und plaudert mit anderen Wartenden. Genervte Gesichter? Sucht man vergebens. Die Hippies sind Warten gewohnt. „Letztes Jahr war es noch schlimmer, da haben wir unser Auto einfach hier stehen lassen und hier kampiert“, erzählt ein junger Mann, der es sich in seinem Campingstuhl mit einer Flasche Bier bequem gemacht hat.

Der Hitze den Kampf angesagt

Mit bunten Wasserspritzpistolen sorgen Männer am Eingang zum Festivalplatz für eine kurze Erfrischung. Letztes Jahr hat man das allerdings nicht gebraucht: Während die Besucher 2017 im wahrsten Sinne des Wortes fast „abgesoffen“ sind, herrscht dieses Jahr das genaue Gegenteil. Dort, man noch vor einem Jahr buchstäblich im Matsch versank, staubt es dieses Jahr auf der Festivalwiese.

Das Sahara-Feeling tut jedoch der Stimmung keinen Abbruch. Der Hippie von Welt weiß sich zu helfen. T-Shirts aus, nass gemacht – fertig ist der perfekte Festival-Turban, der kühlt und vor der Sonne schützt.

So vorbereitet, lässt es sich entspannt zur Musik von Bands wie Asaf Avidan, 47 Soul, Dj Selekta Ahoi oder The Waterboys tanzen.

Gandalf dreht seine Runden und verkauft seine selbstgemachten Energyballs.

Es geht nicht ums Geld, sondern um Spaß

Was das Burg Herzberg Festival besonders macht, sind neben der Musik die vielen kleinen Stände, die überall auf dem Gelände zu finden sind. Einige davon bewegen sich sogar. So wie der Bauchladen von Gandalf, dem Energyballverkäufer. Oder die Buden, in denen es handgemachtem Schmuck, Schuhe, Haarsträhnen oder meistens ziemlich bunte Kleidung zu kaufen gibt.

Manchmal erschließt sich der Sinn hinter einem Stand nicht wirklich auf den ersten Blick. So wie beim Reggae-Game. Man steckt seinen Finger durch ein kleines Loch mit Zeitungspapier – und schon hat man gewonnen. Verlierer gibt es keine. Das Spiel ist kostenlos. Es ginge nicht um Geld, sondern um den Spaß, heißt es.

Es ist einfach eine andere Welt, dort, am Fuße der Burg Herzberg, einmal im Jahr Ende Juli. Frei von Sorgen, Stress und Problemen. Es ist das Beisammensein, das Miteinander, Frieden, Liebe, Familie, Freundschaft. Es ist eine Art „Nachhausekommen“, ein Wiedertreffen mit Freunden. Herzliche und lange Umarmungen sieht man an jeder Ecke. Freudige Gesichter, aufeinander zu rennende Menschen, weil man sich nach langer Zeit wiedersieht. Rekordhitze hin, Wolkenbrüche her.

Weitere Eindrücke von den Hippies gibt es hier:

Ein Gedanke zu “Heiß, Hippies, Herzberg

  1. „Die Hippies vom Herzberg werden also stolze 50 – auch wenn das Fest mehrere Jahre passieren musste.“ Ja, ja, grübel, grübel. Bei so ’nem Festival muss schon was passieren. Sollte vielleicht „pausieren“ heißen (?). Also für alle, die den tieferen Sinn des Artikels jetzt erst verstehen:
    Inzwischen wurde über das Herzberg-Festival in den Medien umfangreich berichtet. Ein enormer Gewinn für ein „jugendliches“, aber gleichzeitig Generationen verbindendes Image der ganzen Region und damit das genaue Gegenteil zu dem aufgesetzt wirkenden und bemüht-coolen Standortmarketing-Gefasel, das ständig aus dem Goldhelg hervor sprudelt (siehe http://www.lauterbacher-anzeiger.de/lokales/vogelsbergkreis/landkreis/slogans-teil-der-vogelsberger-webseite_18967710.htm). Wenn man sich selbst schon ständig als „frisch und modern“ darstellen muss, obwohl man wohl eher zur Kategorie „bodenständig“ gehört, kann das nur zu peinlichen Ergebnissen führen. Schade, dass sich die Imageförderung des VB am Horizont der politischen „Führungselite“ ausrichtet.

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