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Auf Spurensuche am „Tag für die Musik“Musik ist Lebenslust – Mitmachkonzert in Lauterbach

LAUTERBACH (ol). Anfang Mai beteiligten sich, laut Pressemitteilung, das Hohhaus und das Evangelische Dekanat Vogelsberg in Kooperation an dem erstmals von hr2-kultur initiierten Netzwerkprojekt „Musikland Hessen – Ein Tag für die Musik“, das unter dem Motto „Spurensuche“ stand.

Eingeladen worden sei am Nachmittag in den Rokokosaal des Hohhausmuseums Lauterbach zu einem Gesprächskonzert zum Mitsingen, das sich dem Thema „Geistlich und weltlich Lied im Vogelsberg“ widmete. Das Vokalensemble des Evangelischen Dekanats unter Leitung von Dr. Diana Rieger hatte die Veranstaltung mit Ferdinand Brieglebs „Vogelsberglied“ eröffnet. Die Präsidentin des Hohhaus-Museumsvereins, Gisela Wittmer, hatte im Anschluss daran alle Anwesenden herzlich willkommen geheißen.

Ihre Ermutigung an das Publikum, ohne Scheu in den vom Vokalensemble gestützten Gesang einzustimmen, trug sogleich beim Musizieren zweier Choräle aus dem „Riedeselischen Gesangbuch“ von 1787 Früchte. Professor Doktor Karl-August Helfenbein ging in seinem Vortrag auf das ausgewählte geistliche und weltliche Liedgut des Konzerts ein. Er hatte erläutert, dass die erklungenen Choräle aus dem „Riedeselischen Gesangbuch“ Erde, Kreatur und Schöpfergott preisen und die Gemeinde somit Stärkung im Glauben durch das Lied erführe. Dem Choral, dem Singen desselben im lutherischen Sinne, sei im 18. und 19. Jahrhundert im protestantisch geprägten Vogelsberg hoher Stellenwert beigemessen worden. Er sei fast gleichrangig mit der Predigt und ermöglichte der gesamten Gemeinde die Teilhabe an der Durchgestaltung des Gottesdienstes.

Die Lieder regten zum mitsingen an. Foto: privat

Fröhlich stimmte das Publikum in den Gesang mit ein

Musikalisch-sprachlich vorbereitet worden sei er durch die Einrichtung der Schule, die das Lesen, Schreiben und Singen besonders fördere, da das Evangelium ohne Sprache nicht zum lebendigen Glauben werden könne. Luther hatte im evangelischen Kirchenlied den volksliedhaften Ton aufgenommen, ebenso Franz Abt und Carl August Kern in ihren Vertonungen von Dichtungen Georg Christian Dieffenbachs. „Sie“, sagte Helfenbein, „griffen das Volkslied auf und gestalteten weltliche Lieder aus dem evangelischen Glauben heraus, um diese in die Nähe des Kunstliedes zu rücken.“ Dieffenbachs Texte thematisierten die Schöpfung und die Natur als ein Teil davon. Die Gestaltung seiner Lieder orientiere sich an der Aussage der deutschen Klassik und Romantik.

Als Gemeinsamkeit des Riedesel‘schen wie auch des Dieffenbach‘schen Liedguts führte Helfenbein die Weite des Evangeliums, der Schöpfung und der deutschen Landschaft an. Das Landschaftsbild ergänzte und konkretisierte Ferdinand Briegleb, in dem er das „Vogelsberglied“ schrieb im Sinne einer neuen Heimatkunstbewegung. Die emotionale gemüthafte Seite des Liedes sowie des Singens spiele dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle.

„Musik ist Lebenslust“ – Diese sei in den folgenden Vertonungen Dieffenbach‘scher Gedichte, Liedbeiträge des Vokalensembles zum Miteinstimmen, deutlich geworden. Aus „Kinderlieder Op. 583“ von Franz Abt, einem seinerzeit international renommierten Musiker und Komponisten, erklangen „Abendlied“, „Die Lerche“ und „Vöglein so klein möcht ich wohl sein“. Gute Laune verbreiteten: „Der Maikäfer“, das „Waldconcert“, in dem die heimischen Vogelarten als Musikanten vorgestellt werden, „Frau Schwalbe“, die als „Schwätzerin“ für Aufsehen sorgte, „Der Bauer“ und „Der Postillon“. Besonders der Refrain des „Waldconcerts“ motivierte das Publikum zum kräftigen Mitsingen: „Das jubilirt und musicirt, das schmettert und das schallt“, sei im Rokokosaal unmittelbar erlebbar geworden. Ausgelassen und gut eingesungen hatten alle in die „Maienlust“ eingestimmt: „Was kann schöner sein, was kann mehr erfreu‘n“. Den Abschluss bildete das „Vogelsberglied“, das nochmals, nun gemeinsam mit dem begeisterten Publikum, musiziert worden sei.