Panorama8

Jugendoffizier diskutiert bei Junger Union Lauterbach über den Ukraine-Konflikt und die Sicherheitspolitik der Bundesrepublik – Wehrpflicht wieder aktuell?Ukraine-Konflikt, Baltikum Einsatz und Zustand der Bundeswehr

LAUTERBACH (ol). Kriege auch ohne Kugeln und Raketen mit Hackerangegriffen gegen westliche Regierungen und die NATO, aber auch „klassische“ bewaffnete Konflikte in der Ukraine, Mali oder Syrien. Welche Rolle spielt dabei Deutschland und konkret die Bundeswehr? Die Junge Union Lauterbach veranstaltete dazu eine Diskussionsrunde mit dem Jugendoffizier der Bundeswehr, Jens Mattheis, um einen politischen Konflikt, der „vor der Haustür Europas“ herrscht, zu diskutieren.



In der Pressemitteilung der Jungen Union heißt es, dabei referierte der Hauptmann nicht nur über den Konfliktverlauf und die „hybride Kriegsführung“ in der Ostukraine, sondern beleuchtete auch, wie die beiden großen Konfliktparteien, die westliche Welt sowie Russland, ihr jeweiliges Handeln versuchen zu legitimieren. Im Anschluss diskutierte der Jugendoffizier mit den Gästen über die Sicherheitspolitik der Bundesrepublik, den Zustand der Bundeswehr sowie die aktuell ausgesetzte Wehrpflicht.

Bildvergleich als Eröffnung des Vortrags

JU-Stadtverbandsvorsitzender Joshua Östreich begrüßte als Referenten einen von 24 in Deutschland arbeitenden Jugendoffiziere, den seit 2015 in Wetzlar stationierten Hauptmann Jens Mattheis. Dieser erörterte zunächst, dass Jugendoffiziere sich als Referenten für Sicherheitspolitik verstehen und politische Bildung leisten, und dabei auch eine kritische Meinung vertreten dürften. Seinen Vortrag eröffnete Mattheis mit einem Bildvergleich. Noch im Jahr 2012 habe man im Fußballstadion in Donezk in der Ostukraine die Fußball-EM gefeiert, nur zwei Jahre später jedoch sei das Stadion wegen des anhaltenden Konflikts zerstört worden. Dazu kam es, weil der damalige Präsident Wiktor Janukowytsch ein Assoziierungsabkommen mit der EU nicht ratifizieren wollte, infolgedessen die proeuropäische Maidan-Bewegung dessen Flucht bewirkte, sodass in Neuwahlen der amtierende proeuropäische Präsident Petro Poroschenko gewählt wurde.

Die Präsentation des Jugendoffiziers des Bundeswehr. Alle Fotos: Michael Apel

Die Regionen in der Ostukraine und vor allem auf der Halbinsel Krim seien tendenziell prorussisch gestimmt, während der restliche Teil der Ukraine sich europäisch definiert. Während des Konflikts sei die Krim von „russischen Soldaten, die auf der Krim Urlaub machten, und Uniformen ohne Hoheitsabzeichen trugen“ annektiert worden, formuliert Mattheis die westliche Sicht auf den Konflikt. Die russische Sicht auf den Konflikt beginne jedoch mit der NATO-Osterweiterung. Diese werde, trotz der freien Souveränität der neuen östlichen NATO-Länder, als Einengung gesehen. Zudem sieht sich Russland dazu gezwungen, die Russlandstämmigen in der Ukraine zu schützen.

Insgesamt habe Russland jedoch sein Ziel erreicht, durch den Konflikt eine langfristige Bindung der Ukraine an NATO und EU zu unterbinden. Die beiden Minsker Abkommen, die unter anderem eine entmilitarisierte Zone fordern, seien in ihrer Umsetzung gescheitert. Den Konflikt könne man erst lösen, wenn gegenseitiges Vertrauen wieder aufgebaut werde und das Friedensabkommen aus Minsk auch umgesetzt werde.

Allein 2016 rund 500 professionelle Hacker-Angriffe auf NATO-Systeme

Als Folge des Konflikts habe die NATO ihre Präsenz in den baltischen Staaten, welche als NATO-Mitglieder um Hilfe gebeten haben, ausgeweitet. Deshalb seien dort rund 500 deutsche Soldaten stationiert. Vor allem in Estland sei die Lage mehr als angespannt, denn zum einen sei der Osten des Landes stark russisch geprägt, zum anderen werde täglich durch russische Kampfjets der estnische Luftraum verletzt.

In der Ostukraine würden seit Konfliktbeginn „hybride Kriegsformen“ ausgeübt, so der Jugendoffizier. Dabei wird die konventionelle Kriegsführung mit irregulären Guerilla-Taktiken sowie Verschleierung kombiniert. Dies zeige sich an Uniformen ohne Hoheitsabzeichen, Cyber-Angriffen sowie Propagandakriegsführung. Das Ziel sei eine langfristige Destabilisierung des Landes. So gab es 2016 rund 500 professionell und mit großem Materialeinsatz durchgeführte Hacker-Angriffe auf NATO-Systeme.

Mehr Beschäftigung mit der Bundeswehr und ihren Einsätzen

In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass Deutschland vor allem durch Hacker-Angriffe bedroht werde. Zudem sei eine Lösung des Ukraine-Konflikts durch die UNO unmöglich, da Russland als Veto-Macht im Sicherheitsrat jedes UNO-Eingreifen unterbinde. Als besonders bedeutend aus russischer Sicht sei, so der Jugendoffizier, dass Russland seine Schwarzmeerflotte auf der Krim sichere. Das Publikum bemängelte, dass die Bundeswehr mit ihren finanziellen sowie materiellen und personellen Mitteln kaum dazu in der Lage sei, Konflikte zu befrieden und die Bundesrepublik zu schützen.

Gerade die Aussetzung der Wehrpflicht 2011 sei aus heutiger Sicht fraglich, so Lauterbachs JU-Chef Östreich. Mattheis ergänzte hierzu, dass ohne Wehrpflicht die Gefahr bestehe, dass die Bundeswehr immer weiter aus dem Alltag der Bürger rücke und für den „Staatsbürger in Uniform“ und seine Tätigkeit kein Verständnis mehr aufbringe. „Wir müssen uns mehr mit der Bundeswehr und ihren Einsätzen beschäftigen, das sind wir als Bürger den Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr schuldig“, forderte abschließend Stadtverbandsvorsitzender Joshua Östreich.

Ein weiterer Schwerpunkt der Präsentation.

8 Gedanken zu “Ukraine-Konflikt, Baltikum Einsatz und Zustand der Bundeswehr

  1. Ukraine; Syrien; Lybien; Jemen; Nord-Korea; ……..es reicht langsam! Umdenken ist angebracht; ….heutzutage reicht schon eine unbewiesene Vermutung oder Verdacht „höchstwahrscheinlich liegt die Verantwortung bei“…..und es werden Tatsachen geschaffen oder neue Sanktionen verhängt. Rechtsstaatlich gilt die Unschuldsvermutung bis das Gegenteil bewiesen ist!
    Bei innerstaatlichen Konflikten wundert man sich immer wieder woher die ganzen Waffen kommen, oder?

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  2. Die Ukraine hat eine bestimmte Aufgabe, da ist es doch egal wer da gewählt wird. 1 Mio. Ukrainer sind nach Russland geflüchtet und die Ostrepubliken beteiligen sich nicht an der Wahl im Westen.
    Das ist die Aufgabe:
    „Die deutsche Öffentlichkeit wird und soll wohl auch an Kriegsgeschehen gewöhnt werden. Außerdem wissen wir aus der Vergangenheit, dass Konflikte sich hochschaukeln und eine gefährliche Eigendynamik entwickeln können.“
    Lesen Sie unbedingt den Brief eines deutschen Kriegsveteranen
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=42848

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  3. noch mal allgemein zum besseren Verständnis hinterfragt…….

    Also……..ein legitim gewählter Präsident eines souveränen Landes entscheidet sich dazu den Entwurf eines Assozierungsabkommens über wirtschaftliche, finanzielle und militärische Zusammenarbeit nicht anzunehmen. Punkt!

    in Folge dessen wird er von Protestanten aus dem Amt – ja wie soll man es formulieren – ….vertrieben, gejagt oder gar geputscht.

    Der teils gewaltsame Protest wird legitimiert, die politische Entscheidung nicht.

    Mal ehrlich:
    Wer würde das gut finden hätte es bei uns in Deutschland so stattgefunden?

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  4. Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing.

    Unter dieser Premisse kann man hier den Sterneträger der Bundeswehr verstehen. Schade, dass die Junge Union sich hier die allgemeine Sicht der Bundesregierung anhört und auch noch in einer Pressemitteilung ohne Kritik weiter gibt. Gerade jüngere Menschen sollten doch in der Lage sein, sich im Internet ein objektiveres Bild als das vom Staatsfunk verbreitete zu machen.
    Diese Russophobie geht mir auf die Nerven.

    Die USA geben ca. 600 Mrd.USD, die Nato ca. 300 Mrd.$ und Russland ca. 60 Mrd.$ für Rüstung aus. Wer ist da wohl der Agressor und wer bedroht wen?
    Die JU bemängelt die schlechte finanzielle Ausstattung der BW?!
    Was denn – noch mehr Geld zum Aufrüsten? Woher? Sozialhaushalt kürzen? MWST rauf? Vielleicht Rente kürzen für den Frieden? (Orwell: Krieg ist Frieden = Neusprech)
    Um im Krieg zu sterben wird es so oder so Patrioten brauchen, haben die, die da am runden Tisch sitzen denn gedient? Oder sollen das wieder nur die Arbeitersöhne im Irak, Afghanistan und Mali aushalten? Deutsche Soldaten stehen heute 70 Jahre nach dem Weltkrieg schon wieder an der Grenze zu Russland. Was ist aus dem Versprechen, dass wir unserem russischen Freund und Gönner Gorbatschow gegeben haben: keine Natosoldaten weiter gen Osten, geworden?
    Fragen Sie mal bei der Verteidigungsministerin (CDU) wie es ihre Söhne mit dem Dienst fürs Vaterland halten!

    Zu der Sichtweise des „Jugendoffiziers“ (welch harmloses Wort für blutiges Handwerk) empfehle ich dringend eine etwas tiefer gehende Analyse und dann kann sich jeder seine eigenen Gedanken ausserhalb des Staatsfunks dazu machen:

    http://analitik.de/2018/03/04/putins-botschaft-an-die-welt/

    Hoffentlich ist der Pressebericht der JU nicht auch schon als Beitrag zum kommenden Wahlkampf in Hessen zu verstehen?!
    Ich bitte meine Aufregung zu entschuldigen, aber mir gehen gerade die „Gäule“ durch, wenn ich lese das die restlich verbliebenen Besatzer ihr Atomwaffenarsenal in Deutschland erneuern und welche Auswirkungen das im Zusammenhang mit der Rede von President Putin hat :-(

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