Kurt Habicht soll Ehrenbürger der Stadt lauterbach werden, das beschloss das Stadtparlament in der vergangenen Woche. Foto: lrn

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Themen der Stadtverordnetenversammlung Lauterbach: Ehrenbürger, Breitbandausbau, Blitzerurteil, Radfahrwege und die Lauterbacher MusikschuleKurt Habicht soll Ehrenbürger der Stadt Lauterbach werden

LAUTERBACH (lrn). So schnell wie am vergangenen Mittwochabend in Lauterbach dürfte bisher wohl kaum eine Stadtverordnetenversammlung über die Bühne gegangen. Nicht einmal 25 Minuten dauerte es, da war die sieben Punkte umfassende Tagesordnung schon komplett abgearbeitet. Weltbewegende Entscheidungen musste das Lauterbacher Parlament an diesem Abend nicht treffen.

Wesentlichster Punkt dürfte der Beschluss gewesen sein, den 94-jährigen Kurt Habicht, ehemaliger städtischer Oberamtsrat im Ruhestand, zum Ehrenbürger der Stadt Lauterbach zu ernennen. Drei Grüne-Abgeordneten enthielten sich dabei der Stimme. Habicht sei nach dem verstorbenen Unternehmer Gustav Stabernack und dem Wissenschaftler Professor Dr. Peter Grünberg erst der dritte, dem diese Auszeichnung zuteil werde. In der Vorlage des von Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller heißt es dazu: „Herr Habicht hat sich in vielen Jahrzehnten für die Menschen, die Kultur, die Tradition, den Tourismus, die Vereine und Verbände unserer Heimatstadt nachhaltig eingesetzt und weit über das normale Maß hinaus engagiert. Sein Lebenswerk hat er seiner Heimatstadt gewidmet und wichtige Impulse zu ihrer Entwicklung gesetzt“. Habicht war kurz vor der Auflösung des Verkehrsvereins und den Übergang in den „Stadtmarketing Lauterbach e. V.“ von seinem Ämtern zurückgetreten.

Die geplante Verleihung des Ehrenbürgerrechts wurde wie folgt begründet: Das Ehrenbürgerrecht wird an Herrn Kurt Habicht für seine besonderen beruflichen und ehrenamtlichen Verdienste um die Stadt Lauterbach verliehen. Insbesondere sollen damit die Verdienste auf dem Gebiet des Tourismus, des Stadtmarketings und sein soziales und gesellschaftliches Engagement in verschiedenen Vereinen gewürdigt werden. Habicht war von 1938 bis 1988 für die Stadt Lauterbach tätig – davon viele Jahre in leitender Position. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe er bei der Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen und Vertriebenen mitgewirkt. Er war verantwortlich für die Durchführung der „700 Jahr Feier“ im Jahre 1966, dem Landesfeuerwehrtag 1980 und dem Hessentag 1983 und hat damit wesentlich zum Erfolg dieser für Lauterbach sehr werbeträchtigen Veranstaltungen beigetragen.

Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller bei der Stadtverordnetenversammlung. Fotos: lrn

Großes Engagement für die Stadt Lauterbach

Für sechs Jahrzehnte lang war Herr Habicht für den Lauterbacher Verkehrsverein e. V. im Vorstand aktiv. Zuerst als Vertreter der Stadtverwaltung und fast 30 Jahre ehrenamtlich in seinem Ruhestand. Im Jahre 1992  wurde Herr Habicht zum ehrenamtlichen Verkehrsdirektor ernannt. Zuerst war er kommissarischer Rechner und seit dem Jahre  1973 hat er sich als stellvertretender Vorsitzender und Geschäftsführer des Vereins mit vielfältigen Ideen die touristische Entwicklung der Stadt vorangetrieben. Viele touristische Angebote wurden von ihm entwickelt, und unzählige Veranstaltungen hat er in Lauterbach ins Leben gerufen. Beispielhaft seien genannt: Der Lauterbacher Ehrenstrolch, das Strolch-Denkmal, die historischen Stadt- und Nachtwächterführungen, die Lauterbacher Bierkönigin und der Lauterbacher Geschenkgutschein, von dem mittlerweile über 100.000 Exemplare verkauft wurden.

Einen ganz besonderen Stellenwert nehmen die Sendungen im Hessischen Fernsehen ein. Dank seiner guten und dauerhaften Kontaktpflege zu den verschiedenen Redaktionen des Hessische Rundfunks wurde Lauterbach immer mehr im Fernsehen von seinen besten Seiten präsentiert. Kontinuierlich habe er neue Ideen entwickelt, die den Tourismus und das städtische Kultur- und Veranstaltungsleben weitergebracht haben. „Sein Werk hat den Namen unserer Stadt in die Welt getragen und Gäste nach Lauterbach gelockt. Vieles ist und bleibt mit seinem Namen verbunden“, heißt es weiter. Fast sechs Jahrzehnte sei er der Motor des Verkehrsvereins.

Ausbau Radfahrwege von Stadt unterstützt

Aber auch weitere Tagespunkte standen auf dem Plan des Parlaments. Einem Antrag von Bündnis 90/Die Grünen wurde in zwei von drei Punkten stattgegeben. Einer der Punkte wurde hingegen vertagt. Die Partei hatte beantragt, dass  der betreffende Ausschuss über die vom ADFC vorgenommenen Überlegungen zur Optimierung des Radwegenetzes in Lauterbach informiert wird. Zurückgestellt wurde vom Parlament die Forderung „dass auf Grundlage der Überlegungen des ADFC Vogelsberg e.V. durch ein Planungsbüro zeitnah Maßnahmen zur Verbesserung des Radwegenetzes in Lauterbach in einem Konzept zusammengeführt werden sollten, welches sowohl kurzfristig umsetzbare als auch  langfristige Maßnahmen beinhaltet“. Grund für die Vertagung waren die bisher noch fehlenden Vorlagen des ADFC.

Dennoch: Besseren Randbedingungen für Fahrräder und Pedelecs zur Steigerung der Attraktivität und Verkehrssicherheit, sowie die Ausnutzung der für ein Konzept eingeplanten Haushaltsmittel wurden stattgegeben. Bürgermeister Vollmöller sicherte zu, dass die im Haushalt 2017 eingestellten 33.000 Euro dafür Verwendung fänden.

Weitere Themen: Blitzerurteil, Breitbandversorgung und die Lauterbacher Musikschule

Zurückgestellt wurde ein Antrag der SPD-Fraktion, dass die Stadt den Vertrag mit der Musikkulturschule zum nächstmöglichen Zeitpunkt kündigen solle und die Teilbereiche wie beispielsweise die Anmietung von Räumlichkeiten ein neuer Vertrag abgeschlossen werden solle. Hintergrund sei, dass die Stadt vertraglich die Ensemble-Arbeit der Musikkulturschule mit rund 15.000 Euro unterstütze, die Lauterbacher Musikschule e. V. ihre Ensemble-Arbeit selber finanzieren müsse. Die SPD wollte mit ihrem Antrag eine Gleichbehandlung beider Institutionen erzielen.

Auch die weiteren Punkte der Tagesordnung wurden besprochen.

Eine weitere Anfrage der SPD bezog sich auf das „Blitzerurteil“ und seine Auswirkungen. Die Sozialdemokraten wollten wissen,  warum nicht wie in Wartenberg und Lautertal bereits vor dem OLR-Urteil rechtskonforme Lösungen eingeleitet wurden. Die SPD fragte nach Möglichkeiten im Vorfeld, das Urteil vorwegzunehmen und eine reibungslose kontinuierliche Weiterführung des Blitzbetriebes aufrecht zu erhalten und welche Ausnahmeausfälle es ab 2017 gegeben habe.

Eine weitere Anfrage der SPD bezog sich auf die Breitbandversorgung in Lauterbach. Die SPD stellte das langfristige Ziel der Stadtwerke in Frage, die Breitbandversorgung zukünftig durch einen Glasfaseranschluss an alle Haushaltsanschlüsse selbst zu bieten. Die Anfrage der Partei gipfelte in der Fragestellung, ob dieses Geschäftsfeld der Stadtwerke noch zukunftsfähig sei und dass es durch den Breitbandausbau von  Unitymedia und Telekom in der Stadt noch „weiße Flecken“ gebe.

In der Antwort der Stadtwerke hieß es dazu, dass im nahezu flächendeckend verfügbaren Kabelnetz in Lauterbach 6900 Haushalte in Allmenrod, Blitzenrod, Frischborn, Heblos, der Kernstadt, Maar, Rimlos, Sickendorf, Wallenrod und Wernges erreicht würden. Weiterhin schrieb Geschäftsführerin Heike Habermehl in ihrer Antwort auf die SPD-Anfrage: „Der angesprochene Verdrängungswettbewerb war zu erwarten. Die Entwicklung der Versorgung können wir nicht einschätzen“.

 

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