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Aufgrund der aktuellen Entwicklung beim Windkraftausbau auf Alsfelder Stadtgebiet herrscht beim Verein Schöner Ausblick VerbitterungSchöner Ausblick kritisiert BUND und Stadt

ALSFLED (ol). „Verbitterung statt Gleichgültigkeit“, so beschreibt der windkraftkritische Verein Schöner Ausblick e.V. in einer Pressemeldung die Stimmung in weiten Teilen der von Windkraftbauvorhaben betroffenen Alsfelder Stadtteile.

„Dass kürzlich so wenige Menschen der Einladung zur städtischen Bürgerversammlung in die Stadthalle gefolgt sind, mag bezüglich der Bewohner der Kernstadt überwiegend noch an Gleichgültigkeit liegen. In den betroffenen Stadtteilen ist allerdings längst aus mehreren Gründen Verbitterung entstanden, aus der heraus die Menschen fernbleiben“, so die Vorsitzende Dr. Sachiko Scheuing. Seit Anfang 2015 stehen Bürgermeister Paule und die städtischen Gremien bei den Bürgern im Wort, die drohende Trinkwassergefährdung des Hattendorfer Wasserschutzgebietes gerichtlich abzuwehren, weil die sechs nordhessischen Anlagen der „Gleiche“ genau dort entstehen. „Zuletzt bekräftigte Herr Paule dies öffentlich bei einem Termin anlässlich der Seniorenbusfahrt im August, während jetzt der Klagewille begraben wurde“,  zeigt sich Vorstandsmitglied Gerd Ochs enttäuscht. „Wir fragen uns auch, wie es kommt, dass dem städtischen Anwalt die angebliche Chancenlosigkeit just dann bewusst wird, wenn ein Gericht die Eilklage abweist, und nicht bereits vorher“, fragen sich die Schöner Ausblick-Verantwortlichen. „Über die Klage hätte unbedingt in einer Verhandlung vor Gericht verhandelt werden müssen, alles andere hätte man sich schenken können.“

Damit noch nicht genug der Bitternis. „Unsere Sorge um das Trinkwasser von Hattendorf, Elbenrod und Heidelbach geht auf eine detaillierte Situationsanalyse und Bewertung des Biologen Olaf Kiffel zurück. Um die Gefahr realistisch abschätzen zu können, habe er die Erstellung eines nicht vorliegenden Wassermodells zur Darstellung der wasserführenden Schichten gefordert. Das befürworteten auch die Stadtwerke Alsfeld – doch auch dies sei konsequent ignoriert worden. Wenn dann eine Organisation wie der BUND, die dem Schutz und Erhalt der Natur in besonderer Weise verpflichtet ist, diese Sorgen wie jüngst geschehen verunglimpfen, dann läuft etwas richtig schräg“, klagt Dr. Scheuing und verweist auf die gesonderte Stellungnahme des Biologen zur BUND-Erklärung.

Grund zur Verbitterung haben unterdessen nach Einschätzung von Schöner Ausblick nun auch alle Alsfelder Bürger: „Eine von der Landespolitik großartig in Aussicht gestellte Beteiligung der Kommunen an Windkraft-Pachteinnahmen von Hessenforst zur Steigerung der Akzeptanz erweise sich als reine Augenwischerei. Die acht im Bau befindlichen Anlagen in der Elbenröder Dick stehen zwar im Hessenforst. Die Stadt werde aber keinerlei Pachtbeteiligung bekommen, weil sie im Zusammenhang mit Windkraft bereits Entgelte für verlegte Kabel erhalte. Obwohl dies Peanuts-Beträge seien, entfalle nach den Regelungen der Landesregierung dadurch der Pachtanteil komplett. Weil dies nahezu in allen Kommunen so sein werde, entstehe der dringende Verdacht, dass die vorherigen Ankündigungen nur der Versuch einer populistischen Stimmungsmache pro Windkraft waren.

„Die Politiker brauchen sich weder in der Kommune noch im Land oder im Bund zu wundern, wenn sich die Menschen nach alledem verbittert abwenden“, schließt das Resümee von Schöner Ausblick.

Stellungnahme des Biologen Olaf Kiffel, Mainz, 12. Oktober 2016

Der Vorstand des BUND Vogelsberg stellt suggestiv die Auswirkungen von WKA als gering dar im Verhältnis den Emissionen von Kohlekraftwerken. Vorsorge vor schädlichen Umweltauswirkungen werde getroffen durch die Genehmigungsbehörden.

Der BUND verkennt sachlich, dass selbst die Bundesnetzagentur jährlich den zusätzlichen Bedarf an konventionellen Kraftwerken für den Leistungsausgleich regenerativer, aber eben fluktuierender Quellen wie WKA feststellt. Selbst die optimistischsten Szenarien sehen nur eine Verlagerung zu schnellstartfähigen Gaskraftwerken, doch auch in Zukunft wird aufgrund der Windenergie fossil Grundlast erzeugt werden müssen. Windkraftanlagen vermeiden daher nicht den CO2-Ausstoß aus fossilen Brennstoffen, sondern stabilisieren und erhöhen den Bedarf: Windkraft erzwingt Gaskraft.

Der BUND stellt falsch dar, dass es eben nicht die Genehmigungsbehörden waren, die auf eine mögliche Grundwassergefährdung achteten, sondern private Einwender. Falsch ist auch, es sei faktisch Vorsorge getroffen worden sei: Das wurde der betroffenen Kommune überlassen, ohne Erfolg, wie die Presse berichtete.

Die enge Verbindung des BUND zur Windenergie ist vielfach belegt und nicht zu tadeln, sie muss nur transparent sein. Die Windenergie kann und muss an geeigneten Standorten ihren Platz im Energiemix bekommen. Dabei dürfen die anderen öffentlichen Belange wie Natur- und Anwohnerschutz jedoch nicht beiseite gewischt werden, wie es hier in besorgniserregender Weise der Fall war. Dies ist auch von den Umweltverbänden sachgerecht zu bewerten und zu tadeln.

Vor diesem Hintergrund jedoch ist die sachlich unzutreffende, einseitige Pressemeldung des BUND Vogelsberg eine ideologische und politische Stellungnahme, die zur Lösung von Sachproblemen nichts beiträgt.

Im Gegenteil sollte die nachweisliche Halbierung des größten hessischen Schwarzstorchbestandes im Vogelsberg seit Ausbau der Windkraft deren Sorge sein. Davon aber hört man nicht.“

Ein Gedanke zu “Schöner Ausblick kritisiert BUND und Stadt

  1. Zitat: „Die Windenergie kann und muss an geeigneten Standorten ihren Platz im Energiemix bekommen.“

    Warum muss ich mich wegen solcher Aussagen immer ärgern?
    Von welchen Energiemix ist hier die Rede, von dem Anteil in dem Jahresbedarf? Von welchen geeigneten Standorten? Wer sich so lange mit der Windkraft beschäftigt wie „schöner Ausblick Elbenrod“ sollte es doch besser wissen. Windkraft ist nicht in der Lage bedarfsgerecht Strom bereit zustellen und das, an keinem Standort in unserem Land. Windkraftanlagen können ausschließlich die Windenergie in Strom umwandeln. So passiert es immer und immer wieder, dass alle 26.500 Windkraftanlagen, sich bei deutschlandweiten Flauten, als Totalausfall präsentieren.
    In 2015 z.B. an folgenden Tagen und ich habe jeweils nur einen Tag pro Monat herausgesucht.
    20.01.2015 um 13:00 Uhr = 0,34 GW
    12.02.2015 um 14:00 Uhr = 0,30 GW
    09.03.2015 um 12:00 Uhr = 0,29 GW
    09.04.2015 um 16:00 Uhr = 0,20 GW
    24.05.2015 um 08:00 Uhr = 0,41 GW
    30.06.2015 um 08:00 Uhr = 0,34 GW
    05.07.2015 um 10:00 Uhr = 0,36 GW
    20.08.2015 um 09:00 Uhr = 0,17 GW
    26.09.2015 um 09:00 Uhr = 0,95 GW
    29.10.2015 um 16:00 Uhr = 0,34 GW
    03.11.2015 um 14:00 Uhr = 0,12 GW
    07.12.2015 um 14:00 Uhr = 1,33 GW

    Zur Erinnerung die installierte Windkraftleistung lag Ende 2015 bei 41,651 GW

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