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Hombergs Bürgermeister Béla Dören warnt kurz vor der Wahl:„Die Wahrhaftigkeit ist abhanden gekommen“

HOMBERG/OHM (aep). So kurz vor der Wahl spitzt sich in Homberg/Ohm der Wahlkampf zu, dass längst Polemik Argumente zu verdrängen scheint, und tiefe Gräben sich quer durchs Parlament ziehen. Nun meldet sich Bürgermeister Béla Dören zu Wort – einer der wenigen in dem Konflikt, der eigentlich nichts zu verlieren hat. Seine Amtszeit läuft im Sommer aus, und er hört auf. Dören warnt: „Die Wahrhaftigkeit ist in diesem Wahlkampf abhanden gekommen.“

 

Dören hat durchaus persönlichen Anlass, jetzt vor Polemik und Unredlichkeit zu warnen, wurde er in letzter Zeit doch selbst verstärkt zur Zielscheibe, und er erklärt: Kritik könne er vertragen – was derzeit verbreitet werde, sei aber unredlich und mit Blick auf kommende Amtszeiten gefährlich: „Es täte gut, wenn die Leute nach der Wahl das tun, was sie vorher sagen!“

Dabei bezieht er sich in Pressegesprächen besonders auf den Stadtverordnetenvorsteher Armin Klein, der sich in jüngerer Zeit mehrfach stark in Szene gesetzt habe – und dabei auch seine Befugnisse überschritten habe. Denn der Stadtverordnetenvorsteher repräsentatiere das Stadtparlament. Für die Umsetzung von Beschlüssen und die Vertretung der Stadt sei aber der Bürgermeister zuständig. Wenn Klein also Verhandlungen mit irgendwelchen nicht genannten Investoren aufnimmt, dann könne er  nicht für die Stadt sprechen. Das habe er aber, und Béla Dören kritisiert, Klein habe „seine Funktion als Stadtverordnetenvorsteher missbraucht.“

Bekannt ist: Der Parlamentsvorsitzende und der Bürgermeister sind spätestens verfeindet, seit Klein auf eine Abstimmung für einen Antrag zum geplanten Einkaufszentrum in der Friedrichstraße beharrte, den Béla Dören bereits zurück gezogen hatte. Die Kommunalaufsicht gab dem Bürgermeister später Recht.

Es gebe noch mehr Unredlichkeiten im Wahlkampf, beklagt Dören: falsche Aussagen seines Vorgängers über seine Rolle im Streit um das Tierkrematorium zum Beispiel. Oder auch, das Armin Klein und der CDU-Bürgermeister-Kandidat Eckhard Hisserich nun einen Flächennutzungsplan zur Windkraft bekämpften, bei dessen Aufstellungsbeschluss die CDU im einstimmigen Votum noch mit dafür gestimmt habe. „Das ist opportunistisch!“ Auch die Aussagen von Kai (nicht Klaus, wie irrtümlich zunächst geschrieben) Widauer zum Haushalt über „Luftnummern und die Marktstraße seien unredlich. Er kenne den Stadtverordneten Widauer. Der sei Kaufmann, und „das ist nicht er“, der solche Reden schwinge.

Ohnehin ließen sich in den vergangenen Wochen verschiedentlich Homberger Einwohner und Mandatsträger für unredliche Kampagnen instrumentalisieren, beklagt Dören, von denen er das nicht erwartet hätte. Das sei ein trauriger Umgang miteinander in der kleinen Stadt: „Man kennt sich, man trifft sich.“ Und es gebe doch auch noch eine Zeit nach der Wahl.

4 Gedanken zu “„Die Wahrhaftigkeit ist abhanden gekommen“

  1. Ich bin nun wirklich kein Freund mehr von Herrn Dören. Er hat immer polarisiert und ist bei vielen mit seiner Art angeeckt. Das sagt aber nichts über die Qualität seiner Arbeit als Rathauschef aus. Hier wird aber schon lange alles in einen Topf geworfen. Ergebnis davon – Schlammschlachten, über die die Homberger Bürgerschaft nur den Kopf schütteln konnte.
    Wahlkampf und Wahrhaftigkeit ein Widerspruch in sich. Noch selten wurde das umgesetzt was vorher verbreitet wurde. Die Wählerschaft wäre gut beraten das alles auzublenden und auch mal ihr Gedächtnis zu bemühen um dann ganz rational ihr Kreuz an den richtigen Stellen zu setzen.

  2. Da meldet sich der scheidende Bürgermeister schon wieder zu Wort und jammert über den sich zuspitzenden Ton im Wahlkampf.

    Ist er es nicht der permanent mit seinen Presseberichten die Stimmung anheizen will obwohl er längst eine „lame duck“ ist? Wäre es nicht besser für ihn sich nach den Worten von Herrn Krauss: „hättest du geschwiegen, hätte ich dich für weise gehalten“ zu verfahren?!

    Er glaubt daran erinnern zu dürfen, dass Wahlversprechen eingehalten werden?

    Ich frage mich schon lange ob Herr Dören eigentlich für die SPD diesen öffentlichen Disput führt oder ob er sich in seiner Größe nur mit sich selbst beschäftigt. Hat er nicht Alle, die nicht seinen Willen mitgetragen haben, weggebissen?
    Wenn die SPD diesem Menschen, der sich im Moment aus gekränkter Eitelkeit öffentlich aufführt nicht Einhalt gebietet, eliminiert sie sich selber und macht sich unwählbar.

    Bisher hat noch keiner eine wirkliche Schlammschlacht im Wahlkampf eröffnet und das soll auch so bleiben.
    Das schließt eine juristische Aufarbeitung nach der Wahl ja nicht aus.

  3. Wie gut der Herr Bürgermeister mich kennt, beweist er einmal mehr in diesem Artikel! Er kennt noch nicht mal meinen richtigen Vornamen! Und das nach 5 Jahren in Stadtverordnetenversammlung, Ausschüssen und Ortsvorstehertätigkeit! Ihnen, Herr Bürgermeister ist die Wahrhaftigkeit abhanden gekommen!

    1. Sehr geehrter Herr Widauer! Sorry! Der Vorname war falsch in Erinnerung in wird sofort korrigiert. Das ist aber tatsächlich nicht der Fehler des Bürgermeisters.

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