Wo ist es schön in Alsfeld, wo geht man nicht so gerne hin: Die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 7 suchten gute und schlechte Orte auf. Fotos: privat

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Themenwoche an der ASS bietet praktische MöglichkeitenErfahrungen, Denkanstöße, neue Blickwinkel

ALSFELD (ol). Zweimal im Jahr bietet die Albert-Schweitzer-Schule ihren Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, eine Woche lang außerhalb der Schule Erfahrungen zu sammeln oder sich konzentriert mit einem bestimmten Themengebiet auseinanderzusetzen.

In den Themenwochen stehen für die verschiedenen Jahrgangsstufen die unterschiedlichsten Dinge auf dem Lehrplan: Die fünften und sechsten Klassen beispielsweise vertiefen mit neuen, praktischen und fächerübergreifenden Ansätzen ihre Kenntnisse in Deutsch und Biologie bzw. in Mathematik und Kunst. Was aussieht wie zwei unmögliche Fächerkombinationen, erweist sich als äußerst fruchtbares und kreatives Zusammenspiel, von dem die jüngeren Schüler in hohem Maß profitieren.

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Warten auf den Vulkanausbruch – zwar nur klein, aber dennoch eindrucksvoll.

Projektunterricht zum Thema „Alltagsleben in meiner 1. Fremdsprache“ sowie zum Thema „Prävention im Team“ (PiT) stand bei den Siebtklässlern an. Besonders interessant fanden die Jugendlichen hier die etwas andere Stadtbegehung: Gute und schlechte Orte suchten sie mit ihren Pit-Lehrern und –Betreuern auf, was sie fanden, waren u. a. der Bahnhof als unwirtlichen Ort mit viel Dreck und herumlungernden Menschen – sehr attraktiv fanden sie im Gegensatz dazu den Marktplatz.

Das Thema „Naturwissenschaftliche Experimente“ lockte in der Jahrgangsstufe 8 zum einen in den Botanischen Garten nach Marburg und in das Chemikum, ebenfalls in Marburg. Biologie und Erdkunden bzw. Chemie und Physik konnten dort vertieft werden. Die Neuntklässler absolvierten währenddessen ihr erstes Betriebspraktikum und konnten dort vielfältige Erfahrungen in den unterschiedlichsten Berufsbildern sammeln: Egal, ob Zeitungsredaktion, Mediendesign oder Architekturbüro – die Arbeitswelt bietet auch in Alsfeld und Umgebung viele abwechslungsreiche Jobs.

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Schaltpläne lesen, Leitungen löten: Viel zu tun hatten die Achtklässler in ihren Praxisübungen.

Abwechslungsreich gestaltete sich die Themenwoche auch in der E-Phase: Hier konnten die Schüler ihre Interessen in den Bereichen Darstellendes Spiel, Musik oder Religion vertiefen. Besonders der letzte Bereich stieß auf großes Interesse, da hier die drei abrahamitischen Religionen – das Christentum, das Judentum, der Islam – behandelt wurden. Was trennt, was verbindet und wozu braucht es eigentlich den Dialog der Religionen?

Diesen Fragen gingen die jungen Erwachsenen mit vielerlei Ansätzen nach: Sie fanden zum einen Bibelzitate, die weder friedfertig noch frauenfreundlich sind, und es wurde ihnen klar, dass man in der Regel sehen muss, welchen Hintergrund etwa die biblische Aufforderung an Frauen hat, Kopftücher zu tragen. Wie leben Fundamentalisten in allen drei Religionen ihren Glauben und ist es tatsächlich richtig, die Aussagen der Bibel und des Korans wortwörtlich auszulegen oder ist alles Interpretationssache?

Auch eine Moschee und eine Synagoge besuchten die jungen Leute. Sie reisten nach Stadtallendorf und Marburg, wo sie Vertretern von Islam und Judentum viele Fragen stellen konnten. Im Rückblick wurde deutlich, dass gerade der Islam für viele Schülerinnen und Schüler Fragen aufwirft: Wieso geschieht im Namen Allahs derzeit so viel Unheil auf der Welt? Und wie kommt es, dass doch alle drei Religionen mit ihren verschiedenen geführten Kriegen sich als Friedensreligion sehen?

Gerade über den Islam habe man viel gelernt, so das Fazit. Aber auch über die eigene Religion, über das Christentum, sind die jungen Erwachsenen mitunter ins Staunen geraten. Ein Ansatz zum Weiterarbeiten, findet unter anderem die Religionslehrerin Christiane Kasper, während die Schüler selbst die Meinung vertraten, dass dieses Thema wichtig genug sei, um nicht nur in der Themenwoche, sondern auch im Regelunterricht einen größeren Raum einzunehmen.

Auf die unmittelbare Zukunft ausgerichtet war die Themenwoche für die Schülerinnen und Schüler der Q-Phase: Während die einen sich im Bewerbungsschreiben und in guten Umgangsformen übten oder auf Hochschulinformationstagen in Marburg und Gießen weilten, bereiteten sich die Abiturienten vertiefend auf ihre Prüfungen vor.

Eine Woche voller neuer Erfahrungen, Denkanstöße und vielem mehr – eine Woche, die Wissen vermittelt, Interessen vertieft und Blickwinkel ändert. All das sollte Schule sein.