Die Info-Plakate von Pro Asyl in der Ausstellung der Schüler zeigen viele Fakten auf – aber auch Einzelschicksale. Fotos: aep

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Flüchtlingselend als Schulthema: Ausstellung an der MES – MdB Veit: Kritik an der EUEine Ausstellung gegen die Abstumpfung

ALSFELD (aep). Es sind grauenhafte Nachrichten, die fast täglich von Mittelmeer kommen: von Flüchtlingen in übervollen Booten und von Ertrunkenen. Woher kommt das Leid? Woher kommen die Menschen – und warum nehmen sie die gefahrvolle Reise auf sich? Solchen Fragen gingen Schülerinnen und Schüler des 13. Jahrgangs am Beruflichen Gymnasium der Alsfelder Max-Eyth-Schule intensiver nach. Und heraus kam eine informative Ausstellung, die noch bis Ende Mai im Foyer zu sehen ist. Zur Eröffnung am Mittwoch kam auch der Bundestagsabgeordnete Rüdiger Veit.

Er freue sich, dass das Thema „Flüchtlinge“ an der Max Eyth-Schule keine Eintagsfliege sei, erklärte der stellvertretende Leiter Helmut Reitschky in seiner Einleitung. Denn die Europaschule habe selbst Flüchtlinge aufgenommen mit dem Ziel, ihnen eine Integration zu ermöglichen. Der Geist im Kollegium sei dabei ganz deutlich: „Diese Menschen sind an unserer Schule willkommen!“ Allerdings sei fraglich, ob die Aufnahme von jugendlichen Flüchtlingen auch künftig noch möglich sei, da die Rahmenbedingungen sich geändert hätten. Dabei habe man an der Max Eyth-Schule erlebt, wie intensiv die jungen Flüchtlinge den Schulunterricht verfolgten und sogar in den Ferien weiter zum Unterricht gehen wollten. Die Ausstellung zeige Hintergründe der Flüchtlingsnot auf, und müsse das Bewusstsein wach halten: „Wir dürfen nicht abstumpfen!“

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Schulleiter Helmut Reitschky leitete ein mit dem Bekenntnis, dass Flüchtlinge an der Max Eyth-Schule willkommen seien (oben), und der Bundestagsabgeordnete Rüdiger Veit kritisierte die EU-Praxis.

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Kritik an der aktuellen Praxis im Umgang mit den Bootsflüchtlingen äußerte anschließend der SPD-Bundestagsabgeordnete Rüdiger Veit, als er schilderte, dass er oftmals auf taube Ohren stoße, wenn er Kollegen für das Thema sensibilisieren will. Außer zur Zeit: Das neue Flüchtlingselend mit den vielen Toten habe aufgeschreckt, erklärte Veit, der als Mitglied im Innenausschuss auch schon vor Jahren an Reisen in Ländern teilnahm, die davon direkt betroffen sind: Libyen und Griechenland zum Beispiel, wo Flüchtlinge in Gefängnissen gehalten würden. Er kritisierte eine „Umkehr der Logik“, dass mit wachsender Aufnahmebereitschaft mehr Menschen über das Mittelmeer kommen: „Wir lassen so viele wie möglich ertrinken, damit so wenig wie möglich kommen!“ Veit: „Das ist empörend! Ich bin froh, dass da ein Umdenken stattfindet.“


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Mit Hilfe der Schautafeln klärten die Schülerinnen und Schüler über Not und Antrieb der Flüchtlinge auf.

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Unterstützt von Informationsplakaten, die die Flüchtlingshilfe „Pro Asyl“ zur Verfügung gestellt hatte, stellten 25 Schülerinnen und Schüler des 13. Jahrgangs vor, was sie in den vergangenen Wochen unter Leitung der beiden Lehrerinnen Antje Schwarzmeier und Kerstin Dietrich in Wissen zusammen getragen hatten. Globalisierung war das Grundthema des Jahres, erklärt Antje Schwarzmeier den Hintergrund. Und angesichts der aktuellen Entwicklung in Südeuropa hätten sie dann vorgeschlagen, sich intensiver mit den Hintergründen des Phänomens Flucht zu beschäftigen – zumal an der Max Eyth-Schule sehr viele Flüchtlinge seien.

Einige von ihnen saßen bei der Ausstellungseröffnung mit im Publikum, als die jungen Leute mit Hilfe der Info-Tafeln erklärten, dass sich hinter den millionenfachen Fluchten aus ganz unterschiedlichen Gründen die Angst vor Folter und Tod im Heimatland, vor Diskriminierung und Krieg verbirgt, dass manche Flüchtlinge Jahre unterwegs sind, bis sie Europa erreichen – um dann nach aktueller Praxis häufig wieder in Lagern und Gefängnissen zu landen. „Selbst schwangere Frauen“, so stellte eine Schülerin fest, „bleiben in vielen EU-Ländern von Haft nicht verschont.“

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