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Großübung für den KatastrophenfallVogelsberger Katastrophenschutz übt mit 320 Einsatzkräften und 80 Fahrzeugen im bayrischen Wildflecken

VOGELSBERGKREIS (ol). Rund 320 ehrenamtliche Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW, DRK und DLRG haben auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken eine groß angelegte Katastrophenschutzübung absolviert. Vor Ort standen unter anderem Vegetationsbrandbekämpfung, Hochwasserschutz und technische Menschenrettung auf dem Programm. Der reguläre Grundbrandschutz im Vogelsbergkreis blieb während der Übung sichergestellt.

Ein ungewohntes Bild bot sich am frühen Samstagmorgen auf den Straßen in Richtung bayerischer Landesgrenze. Rund 80 Einsatzfahrzeuge aus dem gesamten Vogelsbergkreis rollten in vier großen Kolonnen gen Süden. Ziel war der Truppenübungsplatz Wildflecken, wo rund 320 ehrenamtliche Kräfte von Feuerwehr, THW, DRK und DLRG eine groß angelegte Übung des Katastrophenschutzes absolvierten, heißt es in einer Pressemitteilung der Kreisverwaltung.

Bereits die Anreise war Teil des Szenarios. Bei einer Kfz-Marschübung trainierten die nach Himmelsrichtungen aufgeteilten Verbände das Fahren in geschlossener Kolonne. Für die Maschinisten bedeutete dies hohe Konzentration, da ein solcher Verband verkehrsrechtlich als ein einziges Fahrzeug gilt und besondere Regeln bei Abständen, Geschwindigkeiten sowie der Funkdisziplin erfordert. Die Verbandsführer hatten im Vorfeld detaillierte Routen und geeignete Haltepunkte für die Fahrzeugkolonnen ausgearbeitet.

Kreisbrandinspektor Marcell Büttner beobachtete die geordnete Verlegung der Kräfte teilweise von der Autobahn aus und zeigte sich angetan von der Präzision der Abläufe sowie der Bereitschaft der Ehrenamtlichen, einen gesamten Samstag in ihre Ausbildung zu investieren.

Auf dem Militärgelände in Unterfranken angekommen, wartete eine intensive Stationsausbildung auf die Teilnehmer. Ziel war es, taktische Gesamtabläufe mit praktischem Training zu verbinden und die organisationsübergreifende Zusammenarbeit unter einer gemeinsamen Einsatzleitung zu festigen.

Neben der Fahrerausbildung mit Großfahrzeugen im schweren Gelände standen die Vegetationsbrandbekämpfung sowie der Aufbau von Hochwasserschutzsystemen mithilfe der Sandsackfüllmaschine des Landkreises auf dem Programm. Besondere Herausforderungen boten die Stationen zur technischen Menschenrettung aus verschütteten Gebäuden sowie aus schwerem Gerät. Als besonderes Übungsobjekt stand dafür ein Panzer zur Verfügung.

Ein solch komplexer Übungstag lasse sich nur durch ein funktionierendes Netzwerk und breite Unterstützung realisieren. Ein großer Dank der Übungsleitung galt daher den Verantwortlichen der Bundeswehr für die Bereitstellung des Geländes und die Begleitung vor Ort. Eine wesentliche Stütze bildete das Technische Hilfswerk, das die Übung mit zusätzlichem Personal, technischer Expertise und schwerem Gerät unterstützte.

Auch die Vorarbeit der Mitarbeiter des Amtes für Gefahrenabwehr des Vogelsbergkreises spielte eine wichtige Rolle. Gemeinsam mit dem DRK-Ortsverband Lauterbach sorgten sie am Samstag zudem für die Versorgung aller 320 Einsatzkräfte mit einem Mittagessen vom Grill.

Möglich sind derartige länderübergreifende Großübungen nur durch eine monatelange Vorplanung. Die Übungsleitung, bestehend aus den Kreisbrandmeistern Thomas Stein, Tony Michelis und Andreas Leinweber, hatte insbesondere in den Tagen unmittelbar vor der Übung ein hohes Arbeitspensum zu bewältigen. Unterstützt wurden sie dabei von Stabsfeldwebel Christian Feibel, der als Verbindungsmann der Bundeswehr in der Übungsleitung fungierte.

Ein weiterer wichtiger Baustein lag in der Vorbereitung auf kommunaler Ebene. In der Woche vor dem Übungstag setzten die Leiter der Feuerwehren den gesamten administrativen Ablauf von der Vorwarnung über den Voralarm bis hin zum eigentlichen Alarmauftrag realitätsnah um. Dabei war unter anderem zu klären, welches Personal ausrückt, welche Einsatzmittel entsendet werden und wer die Führung des jeweiligen Zuges übernimmt.

Im realen Einsatzfall kommen weitere Aufgaben hinzu, darunter Abstimmungen mit Arbeitgebern über die Freistellung von Einsatzkräften sowie die organisatorische Sicherstellung der Erstversorgung für die ersten 24 bis 48 Stunden. Auch diese Hintergrundprozesse müssten regelmäßig geübt werden.

Die Übung verdeutlichte zugleich die Struktur des Katastrophenschutz-Konzepts im Vogelsbergkreis. Das System stützt sich auf 19 Brandschutzzüge der kommunalen Feuerwehren, ergänzt durch spezialisierte Gefahrstoff- und Dekontaminationszüge. Zwei Betreuungszüge sowie zwei Sanitätszüge, getragen von den DRK-Kreisverbänden Alsfeld und Lauterbach, dem MHD Herbstein und lokalen Ortsvereinen, stellen die medizinische und logistische Versorgung sicher. Gelenkt wird das Netzwerk durch eine Technische Einsatzleitung sowie Einheiten für Information und Kommunikation.

Trotz der Bündelung zahlreicher Kräfte in Wildflecken blieb der reguläre Grundbrandschutz in allen Städten und Gemeinden des Vogelsbergkreises den gesamten Tag über sichergestellt.

Am Abend zogen die Verantwortlichen eine positive Bilanz. Kreisbrandinspektor Marcell Büttner bedankte sich bei der Übungsleitung, den Stationsleitern sowie allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Kreisbrandmeister Tony Michelis verwies darauf, wie wichtig es sei, dass nach einer langen Planungsphase die Abläufe ineinandergreifen und die einzelnen Handgriffe funktionieren.

Thomas Stein hob die räumlichen Voraussetzungen des Militärgeländes hervor, das für Einheiten dieser Größenordnung gute Übungsmöglichkeiten biete. Andreas Leinweber betonte den menschlichen Faktor. Aus einem anfänglichen Zusammengehörigkeitsgefühl habe sich im Tagesverlauf ein festes Miteinander entwickelt. Dieses Teambuilding sei für den Katastrophenschutz wichtig, da Einsatzkräfte im Ernstfall auf bekannte Gesichter träfen und Aufgaben mit gegenseitigem Vertrauen angehen könnten.

Als Zeichen der Anerkennung erhielten alle Teilnehmer zum Abschluss ein eigens gestaltetes Übungs-Patch. Bereits bei der vergangenen Großübung in Grebenhain war ein solches Abzeichen als Erinnerung ausgegeben worden.

Gegen 18 Uhr waren alle vier Verbände samt Material wieder sicher an ihren Heimatstandorten im Vogelsbergkreis eingetroffen.

Fotos: Vogelsbergkreis

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