
Gegen das Vergessen und für EmpathieTheater Vielfalt Alsfeld bringt „Oskar Schindlers Liste“ auf die Bühne
ALSFELD (ol). Der Verein Theater Vielfalt Alsfeld bringt am 5. September erstmals „Oskar Schindlers Liste“ auf die Bühne. Die Theatergruppe setzt sich in dem Stück mit Menschlichkeit, Mut und der Rettung jüdischer Menschen während der NS-Zeit auseinander. Die Premiere findet in Alsfeld statt, weitere Aufführungen sind unter anderem in Marburg, Lauterbach, Schlitz und Schotten geplant. Der Verein wurde erst vor wenigen Monaten gegründet und wird bei dem Projekt von verschiedenen Institutionen und Förderern unterstützt.
Vor wenigen Monaten erst hat sich der Verein „Theater Vielfalt Alsfeld“ gegründet, nun steht er kurz vor der Premiere seines ersten Stücks: „Oskar Schindlers Liste“, eine Bearbeitung des berühmten Stoffs für Theater von Florian Battermann, haben die Akteurinnen und Akteure sich mit ihrem Regisseur Dieter Wagner vorgenommen – ein Herzensprojekt, wie man dem Theatermacher aus Liederbach anmerkt, so heißt es in der Pressemitteilung des Vereins.
„Der Impuls dazu kam aus unserer Gruppe“, berichtet er, und zwar jener Gruppe, mit der er Anfang letzten Jahres das Stück „72 Stunden“ aufgeführt hat, das sich mit dem Thema Femizid beschäftigte. „Wir sehen, dass die Gesellschaft immer weiter auseinanderdriftet, dass die Diskussionen sehr hitzig geführt werden und die Ausgrenzung bestimmter Gruppen salonfähig zu werden scheint. Die Geschichte von Oskar und Emilie Schindler, die in der Nazi-Zeit zwölfhundert Menschen das Leben gerettet haben, zeigt, was Menschlichkeit ist, und wie man mit Mut und Geduld gemeinsam viel erreichen kann.“
Gemeinsam viel erreichen könnte auch das Motto der Theatergruppe sein: Für das Stück nämlich musste Wagner nicht nur eine ganze Reihe zusätzlicher Akteurinnen und Akteure gewinnen, sondern auch Fördermittel einwerben, Proben- und Spielorte klarmachen, ein Bühnenbild entwickeln, das für die kleine Wanderbühne umsetzbar und finanzierbar ist, Kostüme heraussuchen, ausleihen oder kaufen und vieles mehr.
Nun aber ist die achtzehnköpfige Schauspieltruppe seit vielen Wochen intensiv am Proben, um den Menschen rund um Oskar Schindler, die geholfen haben, über tausend Juden auf seiner Liste zu retten, eine Reminiszenz zu erweisen und ihre Leistung in den Vordergrund zu stellen. „Der Autor der Theaterversion Florian Battermann hat seinen Fokus darauf gelegt, dass es viele waren, die hier zusammengearbeitet haben“, erläutert Wagner, „insbesondere ohne die Mitwirkung von Emilie Schindler wäre dies nicht möglich gewesen.“ Und so proben die Akteure, was das Zeug hält, und setzen sich immer wieder auch der Brutalität aus, die darzustellen genauso wichtig ist wie das gute Ende – zumindest für die Geretteten.
„Eine Wahnsinnsleistung, schon jetzt“, freut sich Wagner, der besonders stolz auf die Bandbreite an Menschen in seinem Team ist: Von sechzehn bis zweiundsiebzig Jahre reicht der Altersdurchschnitt, die Schauspieler kommen aus Alsfeld, Marburg und der weiteren Region. Gespielt werden soll in Alsfeld, Lauterbach, Schotten und Marburg; vielleicht kommen weitere Spielorte hinzu. Die Premiere findet am 5. September in Alsfeld im Brauereikeller statt. Nach dem Freiwilligenzentrum und der Stadtschule ist dies nun auch der dritte Probenort. „Wir profitieren ganz erheblich von der Unterstützung der Stadt Alsfeld“, betont der Regisseur und Hauptdarsteller. „Sowohl der Bauhof als auch das Stadtmarketing stehen uns tatkräftig zur Seite.“ Darüber hinaus wurde das Projekt u.a. von der Bundesinitiative Demokratie Leben, der Ursula-Wandres-Stiftung, der OVAG sowie Harald und Annabel Schlitt gefördert.
Inklusive Pause dauert das Stück circa zweieinhalb Stunden. Die Aufführungen finden im Rahmen der Alsfelder Kellerwunder am Samstag, den 5. September, um 20 Uhr (Premiere mit kleiner Feier im Anschluss) und Sonntag, den 6. September, um 19 Uhr im Brauereikeller in Alsfeld statt. Am Mittwoch, den 9. September, Donnerstag, den 10. September, und Freitag, den 11. September, wird das Stück jeweils um 20 Uhr in der Waggonhalle in Marburg aufgeführt. Am Samstag, den 26. September, spielt die Truppe um 20 Uhr im Lauterbacher Lichtspielhaus, am Samstag, den 24. Oktober, um 20 Uhr im Schlitzer Hahnekiez und am Samstag, den 7. November, um 16 Uhr in der Festhalle Schotten.
Als kleine Information für die Gäste im Brauereikeller teilen die Akteure mit, dass es dort recht frisch werden kann. „Bei einer Spieldauer über zwei Stunden sollten die Besucher sich vielleicht eine Jacke mehr mitbringen“, rät Dieter Wagner.
Karten gibt es ab sofort im Alsfelder Tourist Center, im Buchladen Lesenswert oder über die Website von Theater Vielfalt Alsfeld (www.theater-vielfalt-alsfeld.de).
Fotos: Dieter Wagner
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