
Mehr als 1.100 Amphibien bei Schutzaktion zwischen Romrod und Strebendorf gerettet„Huckepack“ in die Flitterwochen
ROMROD/STREBENDORF (ol). Die Amphibienschutzsaison entlang der Straße zwischen Romrod und Strebendorf ist Mitte April erfolgreich beendet worden. Ehrenamtliche Naturschützerinnen und Naturschützer von NABU und BUND retteten in diesem Jahr mehr als 1.100 Tiere vor dem Straßentod. Gleichzeitig sehen die Beteiligten die Fortsetzung der Aktion gefährdet, da es an Nachwuchs und Unterstützung durch Behörden mangele.
Zahlreiche ehrenamtliche Naturschützerinnen und Naturschützer aus den Reihen von NABU und BUND aus Alsfeld, Romrod, Schwalmtal und Lauterbach waren auch in diesem Jahr wieder entlang der Straße von Romrod nach Strebendorf zum Schutz heimischer Amphibien im Einsatz, heißt es in der Pressemitteilung des NABU Alsfeld/Romrod/Schwalmtal.
Bereits Mitte Februar wurde auf einer Länge von 500 Metern ein Schutzzaun für Erdkröten und Molche installiert und mit 28 Fangeimern ausgestattet. Das Eingraben des Zaunes und der Eimer an der schrägen, von Baumwurzeln durchsetzten Böschung habe den Helferinnen und Helfern erneut viel körperlichen Einsatz abverlangt. Im elften Jahr der Maßnahme könne jedoch bereits von einer gewissen Routine gesprochen werden.
Die Amphibien wandern ab Nachttemperaturen von etwa sechs Grad Celsius und bevorzugt bei feuchter Witterung in den Nachtstunden von ihren Winterquartieren im Wald zu den Laichgewässern entlang der Antrift. Dort legen die Erdkrötenweibchen, die häufig bereits auf dem Weg dorthin die Männchen „huckepack“ tragen, ihre Laichschnüre mit bis zu 4.000 Eiern ab. Nach zwei bis vier Wochen schlüpfen daraus – abhängig von der Wassertemperatur – die Kaulquappen. Etwa ab Mitte Juni verlassen diese als rund einen Zentimeter große Jungkröten das Wasser.
Der Schutzzaun mit den auf der Waldseite eingegrabenen Fangeimern soll einen Großteil der wandernden Amphibienpopulation vor dem Straßentod bewahren. Der Straßenverkehr sei neben natürlichen Feinden wie Waschbären einer der größten Gefahrenfaktoren für die Tiere. Selbst bei geringem Verkehrsaufkommen überlebten viele Kröten und Molche die Straßenquerung nicht. Ursache sei nicht nur das direkte Überfahren, sondern auch der Luftdruck vorbeifahrender Fahrzeuge bei Geschwindigkeiten von mehr als 30 Stundenkilometern, der innere Organe der Tiere zerstören könne.
Zum Schutz der Amphibien wurden die Eimer zweimal täglich – in den späten Abend- sowie frühen Morgenstunden – kontrolliert. Die Tiere wurden anschließend in Transporteimern gesammelt und in Gewässernähe wieder freigelassen.
Die diesjährige Saison sei erneut erfolgreich verlaufen. Mit rund 300 ehrenamtlich geleisteten Arbeitsstunden konnten exakt 1.118 Tiere vor dem Straßentod gerettet werden. Die Zahl der Erdkröten stieg mit 1.042 Tieren im Vergleich zu den Vorjahren leicht an. Dagegen setzte sich bei den Molchen der Negativtrend fort: Lediglich 67 Tiere der Arten Berg- und Teichmolch wurden gezählt. Erstmals wurden zudem neun Wasserfrösche in den Fangeimern registriert.

Foto: NABU Alsfeld/Romrod/Schwalmtal
Am Dienstag, den 22. April, wurden nach zwei weiteren Arbeitseinsätzen alle Materialien gereinigt, getrocknet und für den Einsatz im kommenden Jahr eingelagert. Zum Abschluss trafen sich die Beteiligten zu einer gemeinsamen Grillfeier an der Baumgartskopfhütte. Dort diskutierten sie auch über die Zukunft der Aktion.
Nach Einschätzung der Naturschutzaktiven ist der zeitintensive ehrenamtliche Einsatz ohne zusätzliche Helferinnen und Helfer kaum noch zu bewältigen. Die ungünstige Altersstruktur sowie zunehmende gesundheitliche Einschränkungen führten dazu, dass die Hauptlast auf wenigen zeitlich flexiblen Personen liege. Deshalb werde nach Wegen gesucht, insbesondere jüngere Menschen für den Naturschutz vor der eigenen Haustür zu gewinnen.
Kritik äußern die Beteiligten zudem an den zuständigen Behörden. Außer allgemeinen Appellen in der Presse und Hinweisschildern entlang der Wanderstrecken gebe es aus ihrer Sicht keine ausreichenden Anstrengungen zum Schutz heimischer Amphibienbestände. Weder die Untere Naturschutzbehörde noch die Straßenverkehrsbehörde oder Hessen Mobil hätten trotz zahlreicher Bitten und Anträge Unterstützung geleistet.
Zum Abschluss richten die Naturschutzaktiven einen dringenden Appell an interessierte Bürgerinnen und Bürger, sich an der Aktion zu beteiligen. Interessierte können sich an den Vorsitzenden der NABU-Gruppe Alsfeld/Romrod/Schwalmtal, Tilman Oeppert, wenden.

Foto: NABU Alsfeld/Romrod/Schwalmtal
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