
60 Jugendliche aus Oberhessen verbringen eine Woche beim ökumenischen Jugendtreffen in Taizé„Das Coolste ist die Gemeinschaft!“
TAIZÉ/VOGELSBERGKREIS (ol). 60 Jugendliche und junge Erwachsene aus Oberhessen haben die Osterwoche im französischen Taizé verbracht. Die ökumenische Fahrt wurde erneut von katholischen und evangelischen Akteuren aus der Region organisiert. Neben Gemeinschaft und internationalen Begegnungen standen Gebete, Bibelgespräche und gemeinschaftliche Dienste im Mittelpunkt.
Ein helles Brötchen mit einer Stange dunkler Schokolade und einem Stückchen Butter zum Frühstück – auf den ersten Blick wirkt das schlicht. Für mehr als 60 Jugendliche und junge Erwachsene aus Oberhessen gehört genau das jedoch zu den besonderen Erinnerungen an ihre Woche in Taizé, heißt es in der Pressemitteilung des Taizénetzwerks.
Von Ostermontag bis Sonntag verbrachte die Gruppe eine Woche in dem kleinen französischen Dorf Taizé in Burgund, das für seine internationalen Jugendtreffen bekannt ist. Katholische und evangelische Akteure aus Oberhessen hatten die ökumenische Fahrt erneut gemeinsam organisiert.
Die Jugendtreffen in Taizé sind geprägt von Gemeinschaft, Einfachheit und intensiven Glaubenserfahrungen. Seit der Gründung durch Frère Roger sind dort Woche für Woche Tausende junge Menschen aus aller Welt zu Gast. Inzwischen gilt Taizé als größtes christliches Jugendtreffen Europas.
Bereits auf der Hinfahrt im Doppeldeckerbus sei die Vorfreude spürbar gewesen. Taizé-Lieder wurden gesungen und erfahrene Teilnehmende berichteten den „Neuen“, was sie in Frankreich erwartet.
Alexander aus Hungen war zum ersten Mal dabei. Gemeinsam mit einem Freund aus dem Firmkurs hatte er sich zur Fahrt angemeldet. „Am meisten begeistert mich die Offenheit der Menschen hier“, erzählt er. „Man kann zu jedem hingehen und einfach reden, egal in welcher Sprache.“ Bereits in den ersten Tagen habe er Jugendliche aus Schweden, der Türkei und Polen kennengelernt.
Auch Marie aus dem Vogelsberg nahm erstmals teil und zeigte sich begeistert von der Atmosphäre: „Das Tolle an Taizé ist, dass man ganz viele neue Leute kennenlernt und neue Freundschaften knüpfen kann.“ Im Reisebus lernte sie Lea-Maria aus Linden kennen. „Die Menschen sind hier so offen und es macht einfach Spaß“, berichtet diese.
Ob in der Essenschlange, im Partyzelt oder beim Spielen auf der Wiese – Taizé verbinde Menschen unterschiedlicher Herkunft ebenso wie Menschen mit und ohne Behinderung. Diese Erfahrung machte auch Toni aus Gießen. Sie sitzt im Rollstuhl und kommuniziert über einen Sprachcomputer. „Das Coolste an Taizé ist die Gemeinschaft mit anderen Jugendlichen“, sagt sie.
Neben Begegnungen und Gemeinschaft blieb in Taizé auch viel Zeit, über das eigene Leben und den Glauben nachzudenken. Dabei half der feste Tagesablauf. Jeden Morgen führte ein Bruder der Taizégemeinschaft in einen Bibeltext ein. Anschließend tauschten sich die Jugendlichen in Kleingruppen darüber aus, welche Bedeutung die Worte Jesu für ihr eigenes Leben haben.
Dreimal täglich fanden Gebete mit Taizé-Gesängen und Zeiten der Stille statt. „Zu Hause fehlt mir vor lauter Terminen oft die Zeit zum Nachdenken. Hier in Taizé habe ich endlich mal Zeit dafür“, erzählt Morena.
Jasmin aus Pohlheim gefielen die Gebetszeiten besonders: „Die Gottesdienste sind hier anders als zu Hause. Besonders die Stille gefällt mir gut. Ich merke hier in Taizé eine sehr starke Verbindung zu meinem Glauben.“
Auch Toni schätzt die besondere Atmosphäre: „Ich empfehle jedem hierher zu kommen, der Stille sucht und näher zu Gott und Jesus finden will.“ Außerdem ergänzt sie: „In Taizé ist es ganz normal, gläubig zu sein. Das ist schön.“
Für die Betreuerinnen und Betreuer der Fahrt ist genau das einer der Gründe, warum sie die Reise jedes Jahr anbieten. „Taizé gelingt es, in den jungen Menschen etwas wachzukitzeln – etwas, das bis dahin vielleicht verborgen war: die Sehnsucht nach einem erfüllten Leben und nach einer Beziehung zu Gott“, erklären sie. Viele Jugendliche hätten während der Woche neue Hoffnung, Kraft und Vertrauen für ihren Alltag gewonnen.
Damit die Woche mit Tausenden jungen Menschen funktioniert, übernehmen die Teilnehmenden vor Ort Gemeinschaftsdienste. Ob Kochen, Essen ausgeben, Spülen, Nightguard oder Toiletten putzen – die Jugendlichen arbeiteten gemeinsam und seien am Ende auch stolz auf das gewesen, was sie zusammen geschafft hätten.
Prägend sei zudem die einfache Unterbringung und Verpflegung gewesen. Geschlafen wurde in Holzbarracken oder Zelten, die Sanitäranlagen wurden gemeinsam genutzt. Zum Mittag- und Abendessen gab es einfache Eintöpfe mit Wasser aus dem Brunnen.
Für Cordula aus Alsfeld, die bereits mehrfach in Taizé war, hat diese Einfachheit einen positiven Effekt: „Immer wenn ich in Taizé bin, merke ich, wie wenig man eigentlich braucht, um glücklich zu sein.“
Ähnlich beschreibt es Markus aus Schlitz: „Wenn man von Taizé nach Hause kommt, lernt man den Luxus, den man hier hat, wieder neu schätzen.“
Warum man mehr als 700 Kilometer für einfaches Essen und Unterbringung in Holzbarracken nach Frankreich fährt, bringt Jasmin aus Pohlheim auf den Punkt: „Weil man hier viele neue Erfahrungen sammelt, neue Leute kennenlernt und auch Gott näher kommt.“
Die oberhessische Taizéfahrt wird vom Katholischen Jugendbüro Oberhessen/Alsfeld und dem Evangelischen Dekanat Vogelsberg gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des katholischen Pastoralraums Gießen-Süd, der Jungen Kirche Gießen sowie des Evangelischen Dekanats Gießen organisiert.
Zum diesjährigen Betreuerteam gehörten Pastoralreferentin Kerstin Rehberg-Schroth, Tim van Slobbe, Emily Widomski, Gemeindepädagogin Miriam Weigang, Pfarrerin Johanna Fröhlich, Gemeindepädagogin Lena Franke, Bianca Haarich, Markus Wagner sowie Jugendreferentin Kathrin Landwehr-Martin.
Die Fahrt wird jedes Jahr rund um Ostern angeboten. Teilnehmen können Jugendliche und junge Erwachsene ab 15 Jahren. Bis zur nächsten Fahrt findet zudem monatlich an wechselnden Orten im Vogelsbergkreis ein ökumenisches Taizégebet statt.
Weitere Informationen gibt es beim Evangelischen Dekanat Vogelsberg sowie beim Katholischen Jugendbüro Alsfeld.
Fotos: KJB Alsfeld/Team
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