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25 Jahre Notfallseelsorge im Vogelsberg: Blaulichtgottesdienst würdigt Leistung von Notfallseelsorgern und EinsatzkräftenKraft, Zeit, Aufmerksamkeit, Mitgefühl, Haltung und Empathie

HOMBERG OHM (ol). In der katholischen Kirche St. Matthias in Homberg (Ohm) fand ein ökumenischer Blaulichtgottesdienst anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Notfallseelsorge im Vogelsberg statt. Zahlreiche Einsatzkräfte sowie neue Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger nahmen daran teil. Neben der Würdigung des Engagements standen auch Ehrungen langjähriger Helfender im Mittelpunkt. Der Gottesdienst bot Raum für Dank, Austausch und Ermutigung.

Zu einem Gottesdienst der Dankbarkeit, der Ermutigung und des Segens begrüßte vor Kurzem Pfarrer Thomas Schill Einsatzkräfte der Feuerwehr, der Polizei, der Rettungsdienste, des THW, der DLRG und der Notfallseelsorge zum diesjährigen ökumenischen Blaulichtgottesdienst in der katholischen Kirche St. Matthias in Homberg (Ohm), heißt es in der Pressemitteilung des Evangelischen Dekanats Vogelsberg.

So wie Jesus seine Jüngerinnen und Jünger ausgesandt habe mit dem Auftrag zu heilen, Frieden zu bringen und Hoffnung zu säen, so seien auch die Menschen ausgesandt, die zu Bränden und Unfällen eilen – durch die Nacht und den Sturm, zu Menschen in Angst und Gefahr, sagte der Koordinator der Notfallseelsorge der Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) für die Dekanate Vogelsberg, Gießen und Gießener Land. Sein katholisches Gegenüber aus dem Bistum Mainz ist Gemeindereferentin Michaela Ziegler. Gemeinsam mit dem Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Homberg (Ohm) unter der Leitung von Jochen Pietzsch und Organist Karl-Friedrich Dörr gestalteten sie den Gottesdienst. Neben zahlreichen Haupt- und Ehrenamtlichen wurden auch neue Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger in den Dienst eingeführt oder als Hospitanten begrüßt. Zudem fanden mehrere Ehrungen statt, da die Notfallseelsorge im Vogelsberg ihr 25-jähriges Bestehen feierte.

In ihrer Ansprache ging Michaela Ziegler einfühlsam auf die Einsatzkräfte ein. „Ihr passt auf euch auf, korrigiert und unterstützt euch“, sagte sie. Mit Bezug auf den Bibeltext ermutigte sie die Anwesenden, im Vertrauen auf Gott ihre „Abergeister“ zu überwinden. „Ihr hört Menschen zu und lasst sie ausreden, ihr könnt helfen und heilen, und doch gelingt nicht alles.“ Dann müssten die Helfenden Scherben aufkehren – auch das sei ein wichtiger Dienst. Dazu gehöre es, belastende Erfahrungen aus Einsätzen in Gesprächen und auf andere Weise zu verarbeiten. „Ihr seid ausgesendet von Gott mit Kraft und Vollmacht“, rief sie den Helfenden zu.

Dies galt auch für die fünf neuen Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger, die nach ihrer Ausbildung und Hospitanz in den Dienst aufgenommen wurden: David Bender, Karin Climm, Pascal Riechner, Jutta Schaper und Marina Wagner sind künftig im Vogelsberg beziehungsweise im Lahn-Dill-Kreis tätig. Als neue Hospitanten begrüßten Schill und Ziegler Lena Geis, Marie-Christin Gipp, Barbara Luck, Britta Müller und Patrik Nowak.

Auf das Jubiläum der Notfallseelsorge im Vogelsberg ging anschließend Raimar Kremer, Leiter des Zentrums Seelsorge und Beratung der EKHN, ein. „Notfallseelsorge ist ein Dienst im Schatten der Katastrophen“, sagte er, „kein einfacher Dienst, sondern ein Weg, der prägt und Spuren hinterlässt.“ Die Notfallseelsorger schafften Raum für Trauer, Verzweiflung und Hoffnung und zeigten, dass Professionalität und Mitgefühl keine Gegensätze seien.

Für besonders lange Dienste zeichnete er mit der Goldenen Ehrennadel der Notfallseelsorge Eleonore Merkel (31 Jahre), Christine Müller (28 Jahre), Johannes Hoffmann (25 Jahre), Sven Kießling (25 Jahre) und Rolf Ehlert (23 Jahre) aus. Mit der Silbernen Ehrennadel wurden Thomas Schill und Katja Schaper geehrt.

Kremer stellte zudem Johannes Hoffmann und Christian Reifert als Feuerwehrseelsorger der EKHN vor.

Eindrücke aus dem Dienst der Notfallseelsorge vermittelte im Anschluss Jochen Tobisch. Er berichtete einfühlsam und aus großer Einsatzerfahrung von Begegnungen mit Betroffenen: „Manche Menschen, die wir aufsuchen, sind starr vor Schreck, können das Ereignis nicht fassen, suchen Schuldige oder werden aggressiv“, schilderte er typische Reaktionen. Trotz der Herausforderungen sei der Dienst für ihn und seine Kolleginnen und Kollegen die richtige Aufgabe.

Den Dank des Evangelischen Dekanats als Träger der Notfallseelsorge im Vogelsberg überbrachte die stellvertretende Dekanin Luise Berroth. „Sie bringen Kraft, Zeit, Aufmerksamkeit, Mitgefühl, Haltung und Empathie mit“, würdigte sie den Einsatz der Haupt- und Ehrenamtlichen. „Danke, dass es Sie gibt.“

Sowohl der Gottesdienst als auch das anschließende Beisammensein hatten eine große Bedeutung für die Einsatzkräfte. Die Zusammenkünfte werden zum Austausch, zur gegenseitigen Ermutigung und zur Wertschätzung ihrer Arbeit genutzt.

Fotos: T. Schlitt

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