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Alexander-von-Humboldt-Schule ermöglicht Einblicke in Handwerk und BerufsweltBlick in die Praxis: Neuntklässler sammeln Erfahrungen im BBZ

LAUTERBACH (ol). Neuntklässler der Alexander-von-Humboldt-Schule in Lauterbach haben im Berufsbildungszentrum Fulda praxisnahe Einblicke in verschiedene Berufsfelder erhalten. Ziel der Praxistage ist es, den Schülerinnen und Schülern neue Perspektiven für ihre Berufswahl zu eröffnen. Ergänzt wird das Programm durch eine Potenzialanalyse und digitale Begleitung. Die Jugendlichen gewinnen dabei wichtige Erkenntnisse über ihre Fähigkeiten und Interessen.

Handwerksberufe sind nicht immer die erste Wahl, wenn es um die Berufswahl von Abiturientinnen und Abiturienten geht. Dennoch bieten sie eine gute Möglichkeit, auch ohne Studium mit fundierter Schulbildung und Ausbildung in das Berufsleben zu starten, heißt es in der Pressemitteilung der Alexander-von-Humboldt-Schule.

Um den Schülerinnen und Schülern ein möglichst breites Spektrum an Berufsmöglichkeiten vorzustellen, gehört ein vertiefter Einblick in Berufe im Handwerk, in der Verwaltung und in vielen weiteren Bereichen zum festen Bestandteil der Berufsorientierung. Studiendirektor Oliver Stoy zeichnet hierfür an der Alexander-von-Humboldt-Schule verantwortlich.

In der Jahrgangsstufe 9 findet vor den Praxistagen im Berufsbildungszentrum (BBZ) in Fulda eine Potenzialanalyse statt. Dabei werden überfachliche Kompetenzen, beispielsweise im sozialen oder kommunikativen Bereich, ermittelt. „Diese Analyse ist für die jungen Menschen sehr hilfreich“, so Stoy. Er bedauert, dass die Förderung durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend hierfür ausläuft. Die Alexander-von-Humboldt-Schule wird daher Lehrkräfte in der „Kompetenzfeststellung für Gymnasien (KomPoG)“ schulen lassen. Die Ergebnisse geben den Schülerinnen und Schülern einen guten Einblick in die eigenen Fähigkeiten und eignen sich dazu, sich mit ersten beruflichen Tendenzen sowie ihren Motivationen auseinanderzusetzen. Bestandteil dieses Verfahrens ist außerdem, dass sich die Jugendlichen gegenseitig beraten und einschätzen, welche Wege für ihr Gegenüber passend sein könnten. „Die sogenannte Peer-Beratung wird ein wichtiger Baustein“, betont Stoy.

An der Alexander-von-Humboldt-Schule wird das Berufsorientierungsprogramm seit der Erweiterung für Gymnasien im Jahr 2023 angewendet. „In Kombination mit den Praxistagen am BBZ geht es darum, auch Berufe in den Blick zu nehmen, die man als Abiturient nicht unbedingt auf dem Schirm hat“, erläutert der stellvertretende Schulleiter Karsten Krämer. „Empathie für Handwerksberufe zu entwickeln, sich selbst auszuprobieren und die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln, ist eine Facette dieses Projekts.“

Zwei Wochen lang, jeweils fünf Tage, fahren die Jugendlichen mit öffentlichen Verkehrsmitteln „zur Arbeit“. In den Lehrwerkstätten des BBZ erhalten sie unter Anleitung von Fachlehrkräften und Ausbildern Einblicke in verschiedenste Berufsfelder, darunter Soziales, Pflege und Gesundheit, Wirtschaft und Verwaltung, Tourismus und Gastgewerbe, Gewerbe und Technik, Industrie, Naturwissenschaften sowie Handwerk.

„Für die Schülerinnen und Schüler ist dies eine komplett neue Erfahrung“, wissen die Pädagogen. „Sie erleben nahezu einen kompletten Arbeitstag mit teilweise langer Anfahrt und einem siebenstündigen Arbeitstag.“ Entsprechend anstrengend sei dies für viele gewesen. Dennoch haben alle gut durchgehalten: Es gab nur wenige Fehlzeiten, und viele Rückmeldungen zeigen, dass die Jugendlichen trotz des Aufwands zahlreiche Erkenntnisse mitgenommen haben. So berichteten sie, dass sie Interesse an Berufen entwickelt hätten, die sie zuvor ganz anders eingeschätzt hatten. Die meisten bewerteten die Werkstatttage als sinnvolle Ergänzung zum Schulunterricht und als hilfreich, um die eigenen Stärken besser kennenzulernen.

Besonders interessant war für die Schülerinnen und Schüler sowie für die Lehrkräfte, dass die Jugendlichen einige selbst gefertigte Werkstücke mit nach Hause nehmen konnten. Zu sehen, dass man mit eigenen Händen ein Vogelhäuschen bauen, einen Schaltkreis erstellen oder eine Metallarbeit umsetzen kann, war für viele eine neue und positive Erfahrung. „Diese Erfahrungen direkt vor Ort in der Werkstatt zu machen, gemeinsam mit anderen Menschen und nicht im virtuellen Raum, fördert die Selbstwirksamkeit und kann Kraft für neue Herausforderungen geben“, so Karsten Krämer.

Vor- und nachbereitet werden die Praxistage an der Alexander-von-Humboldt-Schule mithilfe einer Berufswahl-App, die die Schule bereits vor vier Jahren eingeführt hat. Dort dokumentieren die Schülerinnen und Schüler ihre Ergebnisse, speichern Zertifikate und behalten einen digitalen Überblick über ihre Maßnahmen im Rahmen der Berufsorientierung von der Mittelstufe bis zum Abitur. „Mit dieser App sehen wir ein gutes Beispiel für den Einsatz digitaler Mittel“, so Krämer. „Damit folgen wir auch unserem Motto ‚Digital vernetzt, analog verankert‘.“

Für die Organisatoren ist dies ein Beleg dafür, dass Einblicke in das Handwerk und andere Ausbildungsberufe auch für Gymnasiastinnen und Gymnasiasten sinnvoll sind. Diese Berufe bieten vielfältige Perspektiven – vom Handwerksmeister über ein duales Studium bis hin zur Selbstständigkeit. Oliver Stoy und Karsten Krämer sind sich einig: „Die Praxistage sind für die Schülerinnen und Schüler ein Blick über den Tellerrand, der sich lohnt.“

 

Fotos: Oliver Stoy

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