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Kurz vor der Stichwahl: letzte Fragen an die Bürgermeister-KandidatenHolger Marx und Daniel Schmidt erklären, wie sie Lauterbach gewinnen wollen

LAUTERBACH (-) Am Sonntag fällt die Entscheidung: Wer wird neuer Bürgermeister in Lauterbach? Holger Marx und Daniel Schmidt sind nach einem sehr spannenden ersten Wahlgang die Kandidaten der Stichwahl, und die Erfahrung lehrt: Da ist noch alles möglich. Einen Tag vor dem Wahlgang antworten beide noch einmal auf Fragen: Wie wollen Sie gewinnen, was machen Sie dann?

Favorit bei dieser Stichwahl ist ganz klar der CDU-Kandidat Holger Marx fehlten ihm am Ende des Erstes Wahlgangs doch ganze neun Stimmen bis zur 50-Prozent-Marke. Damit hätte er bereits gewonnen gehabt. Hinzu kommt, dass der 51-jährige, selbständige Schornsteinfegermeister und Gebäudeenergieberater als Erster Stadtrat und stellvertretender Bürgermeister mit dem Rathaus bereits gut vertraut ist. Kritiker sagen, dass mit so viel Nähe zum Amt von ihm aber auch keine Neuerung zu erwarten sei.

Ein Schwergewicht in der Lauterbacher und Vogelsberger Politik ist auch Daniel Schmidt. Der 54-Jährige tritt als unabhängiger Kandidat an, ist als Grüner aber auch Mitglied in der Lauterbacher Stadtverordnetenversammlung und im Kreistag. Die Partei Bündnis 90/Die Grünen ist in Lauterbach drittstärkste Kraft hinter der CDU und der SPD. Mit 34,03 Prozent im ersten Wahlgang liegt Daniel Schmidt deutlich hinter dem Mitbewerber, aber Erfahrungen zeigen, dass Stichwahlen oftmals eigene Gesetzmäßigkeiten haben.

Beide Kandidaten äußern sich hier in Antworten auf unsere Fragen noch einmal zu ihren Vorstellungen.

Holger Marx: Eine Stichwahl ist nie eine Formsache.“

Frage: Ihnen als CDU-Kandidat fehlten bei der ersten Wahlrunde nur wenige Stimmen für den Erfolg, während die CDU bei der Kommunalwahl kräftig zulegte. Ist für Sie die Stichwahl nur noch Formsache? Oder könnte Ihrem Erfolg noch etwas gefährlich werden?

Marx: Eine Stichwahl ist nie eine Formsache. Sie ist eine bewusste Entscheidung zwischen zwei Angeboten. Das Ergebnis der ersten Runde ist eine gute Ausgangsbasis, aber kein Selbstläufer. Ich werbe dafür, Verantwortung zu übernehmen und die Stadt verlässlich weiterzuentwickeln.

Frage: Sie stehen ein für Stabilität und Kontinuität im Rathaus. Gibt es dennoch Dinge, die Sie im Amt sofort anpacken und verändern würden? Könnten Sie drei Stichworte nennen und erklären?

Wirtschaft: Starke Betriebe sichern Arbeitsplätze, Ausbildung und kommunale Einnahmen. Stadtteile: Regelmäßiger Austausch mit den Ortsbeiräten und ein fester Ansprechpartner in der Verwaltung. Innenstadt: Städtebauliche Veränderungen für mehr Lebensqualität in der Innenstadt (Sitzgelegenheiten, Barrierearm, etc.) für alle Generationen.

Die CDU ist stärkste Kraft im Stadtparlament, aber nicht mit absoluter Mehrheit. Wie wollen Sie Ihre großen Vorhaben durchbringen, wenn Sie gewählt werden? Gibt es einen bevorzugten Partner?

Erfolgreiche Kommunalpolitik lebt vom Ausgleich. Ich werde frühzeitig den Dialog suchen und versuchen, tragfähige Kompromisse zu erreichen.

Ich sehe mich als Bürgermeister für alle – nicht als Vertreter einzelner Interessen. Genau so lassen sich auch ohne absolute Mehrheit stabile Entscheidungen treffen.

Daniel Schmidt: „Mit mir kein Weiter so“

Frage: Es hat den Anschein, als ob Herr Marx bei der Stichwahl klarer Favorit ist, fehlten ihm doch nur wenige Stimmen für den Erfolg. Zugleich legte die CDU bei der Kommunalwahl kräftig zu, während die Grünen-Partei, bei der Sie politisch aktiv sind, Einbußen hinnehmen musste. Was glauben Sie, spricht jetzt eher für Sie als Gewinner bei dem entscheidenden Wahlgang?

Daniel Schmidt: Die Bürgermeisterwahl ist einen Personenwahl, bei der parteipolitische Präferenzen eine untergeordnete Rolle spielen. Und wir alle wissen, Stichwahlen haben ihre eigenen Regeln und nicht selten einen überraschenden Ausgang. Die ganze Wahrheit des ersten Wahlgangs ist ja: knapp ein Drittel der wahlberechtigten Lauterbacher hat Holger Marx gewählt, etwa ein Drittel ist nicht zur Wahl gegangen und ein ganz entscheidendes Drittel hat eben den politischen Wandel im Lauterbacher Rathaus gewählt; haben also ihr Kreuz bei mir oder einem der anderen Kandidierenden gemacht. Ich kann allen Bürgerinnen und Bürgern versprechen, dass es mit mir als Bürgermeister kein “Weiter so” gibt, sondern dass sich in Lauterbach etwas bewegen wird, damit unsere Stadt lebenswert bleibt und zukunftsfähig wird. Uns dafür werde ich meine ganze Erfahrung und meine Energie einsetzen.

Angenommen, Sie gewinnen die Wahl und werden Bürgermeister. Sie durchbrechen damit eine langjährige CDU-Tradition im Rathaus. Sagen und erklären Sie drei konkrete Neuerungen, die Sie im Amt als dringend angehen wollen?

Erstens eine neue Führungskultur in der Stadtverwaltung: Als Bürgermeister möchte ich ein gutes, kollegiales Arbeitsklima unterstützen und den Mitarbeitenden mehr Eigenverantwortung übertragen. Ich möchte das Team motivieren, lösungsorientiert zu denken und – wenn es sein muss – auch mal unkonventionell zu handeln. Nur so kann eine Verwaltung kreativer, moderner und leistungsstärker werden. Ich werde prüfen, wo Prozesse schlanker und digitaler sein könnten und wo die Verwaltung transparenter und serviceorientierter werden kann. 

Zweitens mehr Bürgernähe: Ich möchte die Arbeit des Bürgermeisters, des Verwaltungsteams und der Stadtpolitik besser erklären und unsere Entscheidungsprozesse transparenter machen – auch in der Hoffnung, dass durch mehr Aufklärung die Akzeptanz steigt. Echte Bürgerbeteiligung möchte ich etablieren und das Ratsinformationssystem so öffnen, dass die Infos zur politischen Arbeit für Bürgerinnen und Bürger nur einen Klick entfernt sind.

Drittens regionale Energieversorgung: Die beschleunigte Fertigstellung des Glasfasernetzes hat zwar Priorität, wir müssten zeitgleich aber über neue Formen der Energieversorgung nachdenken und diese auch auf den Weg bringen. Die Bürgerinnen und Bürger benötigen jetzt Planungssicherheit. Und dabei müssen unsere Stadtwerke als regionaler Energieversorger eine bedeutende Rolle einnehmen, z.B. bei der Beratung in Beug auf Wärmepumpenlösungen sowie als Anbieter von Nahwärme immer dort, wo es Sinn macht.

Egal, was Sie anpacken, Sie brauchen Mehrheiten im Stadtparlament. Wie wollen Sie Mehrheiten erreichen? 

Zur anstehenden Umsetzung des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) aber auch des Dorferneuerungsprogramms gibt es bereits eine breite politischen Mehrheit, auf der ich aufbauen kann. Ansonsten gilt es, mit guten Ideen und plausiblen Lösungsvorschlägen für unsere Stadt zu überzeugen und diese mit allen politischen Entscheidungsträgern zu verhandeln. Ich bin aber überzeugt, dass alle Beteiligten an einer positiven Weiterentwicklung unserer Stadt interessiert sind und hier niemand blockieren möchte – egal wer den Chefposten im Rathaus innehat.

 

von Axel Pries

 

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