
Podiumsdiskussion in Lauterbach-Maar beleuchtet Herausforderungen und Chancen von MigrationIntegration im Fokus: Erfahrungen und Perspektiven aus dem Vogelsberg
MAAR (ol). Bei einer Podiumsdiskussion in Lauterbach-Maar stand das Thema Integration im Mittelpunkt. Vertreter aus Politik, Bildung, Kirche und Zivilgesellschaft sowie Betroffene berichteten aus der Praxis. Deutlich wurde, dass Integration Zeit, Engagement und verlässliche Strukturen benötigt. Rund 35 Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit zum Austausch.
Das Evangelische Dekanat Vogelsberg brachte Menschen und Erfahrungen zusammen: Rund 35 Interessierte trotzten dem Wintereinbruch Ende Februar, um bei der Podiumsdiskussion „An(ge)kommen im Vogelsberg – Ein Blick aus der Praxis auf Migration und Integration vor Ort“ zuzuhören und mitzudiskutieren, heißt es in der Pressemitteilung des Evangelischen Dekanat Vogelsberg.
„Migration wird oft medial verzerrt dargestellt. Wir wollten zeigen, wie Integration im Alltag gelingt, mit echten Geschichten und persönlichen Erfahrungen“, sagte Carolin Braatz, die gemeinsam mit Kirsten Wegwerth den Abend moderierte.
Perspektiven aus Politik, Zivilgesellschaft und von Betroffenen
Patrick Krug, Erster Kreisbeigeordneter, und Simke Ried, Bürgermeisterin von Homberg (Ohm), berichteten von ihrer täglichen Arbeit: Sie planten Unterkünfte, organisierten Betreuung und unterstützten Kommunen beim Ankommen der Geflüchteten. „Einen Kontrollverlust hat es nie gegeben“, betonte Krug. Ried ergänzte: „Wir nutzten vorhandene Strukturen, arbeiteten eng mit Ehrenamtlichen zusammen und verteilten die Menschen sinnvoll auf die Unterkünfte.“
Ralf Müller, Referent für Flüchtlingsarbeit der EKHN Nord, schilderte, wie Volkshochschule, Kirchen und der Landkreis gemeinsam mit Ehrenamtlichen seit 2011 Netzwerke aufbauen: Sprachkurse, Begleitung durch Freiwillige, Sprachmittler-Pools.
Zahra Famarini, 2017 aus dem Iran nach Deutschland gekommen, erzählte von den Hürden des Alltags: unverschlossene Schlafräume, bürokratische Stolpersteine, Nicht-Anerkennung ihres IT-Studiums aus dem Iran. Doch sie fand Arbeit, bezog eine eigene Wohnung und engagiert sich ehrenamtlich. „Sprache, Arbeit und ein klarer Aufenthaltsstatus: das sind die Bausteine, um anzukommen“, sagte sie eindringlich.
Friedhelm Walther, Schulleiter der Max-Eyth-Schule, erklärte, wie junge Geflüchtete über Integrations- und InteA-Klassen in das deutsche Schulsystem eingebunden werden und durch Praktika früh Kontakte zur Arbeitswelt knüpfen. Andrea Hornisch und Kristina Zuev-Schwarz von der Caritas machten deutlich: Integration bedeutet nicht nur Bürokratie, sondern auch emotionale Unterstützung und Schutz vor Diskriminierung.
Integration ist ein Langstreckenlauf
Die Diskussion zeigte: Integration braucht Zeit. Viele Geflüchtete wollen sofort selbstständig sein, oft auf Kosten von Sprache oder Ausbildung. „Es ist ein Langstreckenlauf, kein Sprint“, erklärte Patrick Krug. Sprache, Arbeit, Wohnen und ein gesicherter Aufenthaltsstatus bilden das Fundament für ein Ankommen in der Gesellschaft.
Am Ende wurde klar: Für Integration braucht es Sprache und Arbeit. Aber auch eine gesicherter Aufenthaltsstatus ist wichtig, damit Menschen sich wirklich zugehörig fühlen können.
Im Anschluss konnten die Besucher:innen die Ausstellung „Weit gereist“ entdecken: Menschen aus aller Welt präsentieren ihre Geschichte und einen persönlichen Gegenstand, der sie auf ihrer Reise begleitet hat. Die Ausstellung ist auch online auf der Website der Caritas einsehbar und ausleihbar.
Ein ausführlicher Bericht ist unter www.vogelsberg-evangelisch.de zu finden.
Auch interessant:



Schreibe einen Kommentar
Bitte logge Dich ein, um als registrierter Leser zu kommentieren.
Einloggen Anonym kommentieren