
Kolumne von Ralf Scheuer, Aurum Vermögensmanagement GmbHNahostkrieg schürt Angst vor neuer Energiekrise
ALSFELD (ol). Der Krieg im Nahen Osten hat zu starken Preissteigerungen bei Öl und Gas geführt. Auslöser ist unter anderem die zeitweise Blockade der Straße von Hormus, einer wichtigen Route für den weltweiten Energiehandel. Gleichzeitig zeigen wichtige Konjunkturdaten aus den USA und Europa weiterhin eine stabile wirtschaftliche Entwicklung. Für die Finanzmärkte hängt die weitere Entwicklung vor allem von der Dauer des Konflikts und möglichen Störungen der Energieversorgung ab.
Die Operation „epische Wut“ gegen den Iran war nicht nur ein sehr markantes geopolitisches und mediales Ereignis, sondern ist von Beginn an Teil der ökonomischen Wirklichkeit der globalen Ökonomie geworden.
Die Blockade der Straße von Hormus, einer zentralen Lebensader der weltweiten Energieversorgung, ließ die Rohölpreise schnell in die Höhe schnellen. Zwischenzeitlich lag die Ölsorte Brent bei rund 120 US Dollar pro Barrel, was einen Anstieg von etwa 77 Prozent seit Kriegsbeginn bedeutet. Seit Jahresbeginn hat sich der Ölpreis mehr als verdoppelt.
Ebenso kräftig zeigte sich der LNG-Gas-Markt, nachdem Produktionsstätten in Katar vorsorglich stillgelegt wurden. Insgesamt deuten diese Reaktionen derzeit darauf hin, dass sich die Energiemärkte zwar auf eine länger andauernde, jedoch nicht dauerhaft gestörte Versorgung einstellen.
Bei deutschen Tankstellen verteuerte sich der Kraftstoffpreis sofort um rund 20 Prozent über die Zweieuromarke. In einigen europäischen Nachbarländern fielen die Preissteigerungen interessanterweise deutlich moderater aus. Marktbeobachter leiteten daraufhin einen inflatorischen Impuls für die Eurozone von etwa 0,5 Prozentpunkten ab und rieten der Europäischen Zentralbank zu Zinserhöhungen.
Die Energiepreisentwicklung richtet sich nach der Dauer des Konflikts
Wie lange der Konflikt andauern wird – oder aus Sicht der Finanzmärkte, wie lange die Störungen der Energieversorgung anhalten – bleibt unklar. Hinzu kommt, dass die strategischen Ziele der USA und Israels weder offen noch deckungsgleich erscheinen.
Teheran wirkt massiv geschwächt: Ein Großteil der obersten Führung ist gefallen und dasselbe droht womöglich auch den Nachfolgern. Die iranische Marine ist praktisch nicht mehr existent, den Angreifern ist die Lufthoheit nahezu sicher, und die Abschussquote iranischer Raketen ist seit den ersten Kriegstagen deutlich gesunken. Die militärische Unterlegenheit des Irans ist Realität, jedoch hinsichtlich der großen Anzahl verfügbarer Raketen und Drohnen nicht zu unterschätzen. Das Regime beweist Überlebenswillen und geht aggressiv gegen Nachbarn und Infrastruktur in der Region vor. Mehr als gezielte Guerilla-Aktionen gegen Nachbarländer und Energieinfrastruktur richten die Mullahs aktuell offenbar nicht an. Allerdings wächst die internationale Terrorgefahr angesichts der Kampfaufrufe geistlicher Führer.
Unterdessen hat Donald Trump groß angekündigt, Risikoversicherungen für den Seehandel zu „vernünftigen Preisen“ bereitzustellen und sichere Durchfahrten durch die Straße von Hormus mit militärischen Geleitzügen zu gewährleisten. Erste Reedereien planen offenbar wieder Transitwege. All das spricht dafür, dass der Konflikt vermutlich nicht zu dauerhaften Engpässen in der Energieversorgung führt und die weltwirtschaftlichen Folgen entsprechend überschaubar bleiben könnten.
Wirtschaftsdaten bleiben stabil
Es ist nicht verwunderlich, dass in Anbetracht der geopolitischen Bedrohungslage der Blick auf die Wirt-schaftsdaten, die sich naturgemäß auf die Zeit vor Ausbruch des Krieges beziehen, etwas in den Hinter-grund gerät. Zu Unrecht, denn die globalen Konjunkturdaten zeigen, dass die Weltwirtschaft mit Rücken-wind in diese turbulente Phase hineingeht.
So deuten die US-Einkaufsmanagerindices (ISM) für Februar auf ein robustes, leicht wachsendes Konjunkturbild hin. Die US-Einzelhandelsumsätze stabilisierten sich nach dem shutdown- und wetterbedingten spürbaren Dämpfer Ende 2025/Anfang 2026. Im Arbeitsmarkt gab es im Februar jedoch eine Enttäuschung: Im privaten Sektor wurden 86.000 Stellen abgebaut, statt der erwarteten Zunahme von 60.000. Auch die beiden Vormonatswerte wurden nach unten korrigiert, und die Arbeitslosenquote stieg auf 4,4 Prozent. Allerdings spielen Sondereffekte wie der Wintersturm „Fern“ und Streiks im Gesundheitswesen eine Rolle. Im März könnte eine Gegenbewegung einsetzen. Insgesamt zeigt sich der US-Arbeitsmarkt im Mittel der ersten beiden Monate stabil, wenngleich nicht glänzend.
Wichtige Konjunkturindikatoren deuten auf ein annualisiertes US-Wachstum von rund 3,0 Prozent im ersten Quartal hin und einige Marktteilnehmer erwarten aufgrund bevorstehender Gegenbewegungen bei der Nachfrageseite der Staatenausgaben sogar leicht höhere Werte. Insgesamt spricht dies für eine robuste Wachstumsdynamik in den kommenden Quartalen.
Auch aus Europa gab es überwiegend positive Signale: Das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone wies im vierten Quartal eine Jahresrate von 1,2 Prozent aus (gegenüber Q4/2024) und entsprach damit annähernd der Potenzialentwicklung. Für das laufende Jahr wird ein deutliches Überschreiten der Potenzialrate erwartet, was dem ohnehin kräftigen Arbeitsmarkt zusätzlichen Rückenwind geben dürfte. Die Arbeitslosenquote in der Eurozone fiel im Januar unerwartet von 6,2 auf 6,1 Prozent – ein neues Allzeittief. Für das erste Halbjahr 2026 könnte sich diese Entwicklung weiter fortsetzen.
Energiepreise sorgen für höhere Inflation
Die Schattenseite der Arbeitsmarkterholung ist aufkommender Inflationsdruck, insbesondere in dienstleistungsintensiven Bereichen. Im Februar setzte sich die Kerninflation mit 2,4 Prozent deutlich über der EZB-Zielvorgabe von unter 2,0 Prozent fest. Eine nachhaltige Rückkehr der Kerninflation unter 2,0 Prozent erscheint eher unwahrscheinlich, weil seit März durch die Energieverwerfungen erneut ein deutlicher Sprung über 2,0 Prozent droht.
Wir gehen nicht davon aus, dass die EZB oder die Fed auf einen anhaltenden Energiepreisschock mit Leit-zinserhöhungen reagieren werden, insbesondere wenn reale Versorgungsengpässe die Konjunktur zusätz-lich belasten würden.
Einstiegschancen, sofern Nahostkonflikt kein Dauerzustand wird
Die Finanzmärkte haben auf die Eskalation mit den erwarteten Ausschlägen reagiert. So konnten die in unserer Kolumne im Dezember 2025 wegen der hohen Substanz und relativ günstigen Bewertung favori-sierten Investments im Gesundheits-, Rohstoff- oder Energiesektor gegen den allgemeinen Markttrend profi-tieren.
Auch Gold konnte im intakten Aufwärtstrend die 5.000 USD-Marke verteidigen. Kryptoassets bewegten sich trotz der aufkommenden Inflationsangst unter starken Schwankungen seitwärts.
In den kommenden Wochen richtet sich die Aufmerksamkeit der Anleger vor allem auf die Entwicklungen in der Golfregion, insbesondere auf das Ausmaß iranischer Gegenmaßnahmen und deren Auswirkungen auf Energieproduktion und -logistik.
Sofern die Lage in Nahost nicht eskaliert und die Explosion des Ölpreises nur von vorübergehender Natur ist, könnten sich die „Angstkurse“ am Aktienmarkt als günstige Einstiegsgelegenheit für mutige Investoren erweisen. Wir rechnen derzeit nicht mit einer massiven Eskalation des Geschehens, denn eine Forcierung des Krieges sowie der hohe Ölpreis würde der politischen Agenda von Trump entgegenwirken. Risikoscheue Anleger sollten jedoch zunächst abwarten oder über gestaffelte Anlagen nachdenken.
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