
Zweiwöchiges Programm rund um die Wanderausstellung „Was heißt schon alt?“Alt werden, alt sein
LAUTERBACH (ol). Am Älterwerden und dem Alter kommt keiner vorbei. Aktuell findet die Wanderausstellung „Was heißt schon alt?“ in der „Alten Spinnerei“ in Lauterbach statt – und das mit einem sehr abwechslungsreichen Programm. Noch bis 17. Juli kann die Ausstellung täglich von 10 bis 17 Uhr besucht werden.
Musik schallt durch die „Alte Spinnerei“ in Lauterbach. Das Bläser-Ensemble der Musikkulturschule Lauterbach spielt, auf großformatigen Aufstellern wird die Wanderausstellung „Was heißt schon alt?“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, gezeigt.
Gemälde von Schülern der Alexander-von-Humboldt-Schule in Lauterbach und der Albert-Schweitzer-Schule in Alsfeld rund um die Themen Alter, Älterwerden und Zukunft werden präsentiert, und ein zweiwöchiges Begleitprogramm startet, heißt es in der Pressemitteilung des Vogelsbergkreises.
Rund um die Wanderausstellung haben Marcelina Vorwerk von der Fachstelle Prävention im Alter des Vogelsbergkreises und Christine Müller-Wolff, Beratungszentrum Vogelsberg, gemeinsam mit verschiedenen Kooperationspartnern ein ausgiebiges Rahmenprogramm auf die Beine gestellt.
Die beiden sind es auch, die gemeinsam mit Kurt Wiegel, Beauftragter für Senioren und Inklusion des Vogelsbergkreises, die Ausstellung eröffnen und den Startschuss für das zweiwöchige Rahmenprogramm geben.
Am Älterwerden und dem Alter kommt keiner vorbei. Denn man selbst wird älter, und im Alltag, dem Beruf, in der Familie, überall macht man Erfahrungen mit dem Alter, führt Müller-Wolff aus. Daher ist rund um die Wanderausstellung ein Programm zusammengestellt worden, um generationenübergreifend zu arbeiten, Dialogmöglichkeiten zu bieten und mehr derartige Projekte im Vogelsbergkreis auf den Weg zu bringen, ergänzt sie gemeinsam mit Marcelina Vorwerk. Auch pflegende Angehörige, die wenig Zeit für Entlastung haben, sollen vom Programm profitieren können.
Grußwort des Seniorenbeauftragten
Die Angebote, die für jüngere und ältere Menschen gleichermaßen interessant sind, hebt auch der Seniorenbeauftragte Kurt Wiegel in seinem Grußwort hervor. Die Sicht auf das Alter hat sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert, führt er aus. Durch Fortschritte in der medizinischen Versorgung werden die Menschen älter, als noch vor einigen Jahrzehnten. Dadurch verändern sich Bedürfnisse, Ansprüche und die Gesellschaft allgemein.
Auch die Mobilität im Alter ist daher für viele immer mehr in den Fokus gerückt, spielt sie doch im Alltag eine ausgesprochen wichtige Rolle. Und die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind für viele Menschen – gerade im Alter zu spüren. Diese hat gerade ältere Menschen oft einsamer gemacht. Zusammenzukommen, zu reden und sich dabei in die Augen zu schauen war nur eingeschränkt möglich. Daher einen großen „Dank an die tolle Programmgestaltung, die das nun möglich macht“, sagt Wiegel.

Kurt Wiegel, Beauftragter für Senioren und Inklusion des Vogelsbergkreises, begrüßt die Gäste in der „Alten Spinnerei“ in Lauterbach. Ein zweiwöchiges Programm rund um die Wanderausstellung „Was heißt schon alt“, lädt zum Mitmachen ein. Foto: Vogelsbergkreis/C.Lips
Im Anschluss stellt Brigitte Zick, pensionierte Sportlehrerin aus Alsfeld, die ehrenamtlich Sportkurse speziell für ältere Menschen anbietet, kurz ihre Initiative vor, und lädt die Gäste zum Stuhltanz ein. Heidrun Merk, Kulturanthropologin im Ruhestand und ehrenamtliche Leiterin des Schwälmer Dorfmuseums Holzburg, spricht im Anschluss zu ihrem Engagement, das sie nach dem Wechsel in den Ruhestand angenommen hat, bevor die Gäste der Eröffnung einen näheren Blick auf die Ausstellung und die Werke der Schülerinnen und Schüler werfen können.
Noch bis zur Abschlussveranstaltung am 17. Juli finden als Rahmen der Wanderausstellung (täglich von 10 bis 17 Uhr) vielfältige Veranstaltungen mit Sport, Informationsvorträgen, Andachten, der Lesung „Das Leben ist ein vorübergehender Zustand“ von Autorin Gabriele von Arnim, Bastelveranstaltungen, etwa Makrameeflechten in der „Alten Spinnerei“, Führungen, und der Filmvorführung „Ü100“ im Lauterbacher Lichtspielhaus statt. Auch ein Alterssimulationsanzug mit Gewichten, versteiften Gelenken, eingeschränktem Hören und Sehen kann in der „Alten Spinnerei“ ausprobiert werden, um ein Gefühl für das Alter zu bekommen.
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Horrrrrido Ihr Alten, Jungen und Mittelalten, Älterwerdenden, generationsübergreifenden Ausstellungsbesucher*innen, Ausstellungs-Macher, Wanderaussteller und Begleitprogramm-Gestalter*innen, Kulturbeflissenen, Musikschul- und Kunstkurs-Besucher*innen, Bastler*innen, Kulturanthropologinnen im Ruhestand, pensionierten Lehrerinnen und ehrenamtlichen Stuhltänzerinnen, Fachstellen-Repräsentant*innen für Prävention im Alter, Sprecherinnen des Beratungszentrums, Kooperationspartner*innen, Gestalter ausgiebiger Rahmenprogramme, Seniorenbeauftragten usw., usw. … „Was heißt schon alt?“ Doch offensichtlich für jeden etwas anderes. Der eine liegt, mit Psychopharmaka ruhig gestellt, mit vollen Windeln den ganzen Tag ohne Ansprache im Pflegebett, während die mobileren Altersgenossen sich auf derartigen Ausstellungen delektieren und beim Nachdenken über die weniger Glücklichen wohlig erschaudern. Gut, dass es im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend noch Leute gibt, die sich aus den Niederungen von Pflegekrise und Corona zur Kultur aufschwingen und mit aufmunterndem Motto und Wanderausstellung über Land ziehen. Derweil steigt der Bedarf nach Pflegeheimplätzen rapide an, während die Qualität der Pflege unter den Bedingungen von Personalnot und unzureichender Heimaufsicht immer stärker sinkt (https://aktuelle-sozialpolitik.de/2021/12/04/bis-2040-fehlen-in-deutschland-angeblich-hunderttausende-pflegeheimplaetze/).
Ja doch, am Alter kommt niemand vorbei, und das Leben ist ein vorübergehender Zustand. Zu den Pflichten der Politik und der öffentlichen Verwaltung gehört es vor allem, durch staatliche Daseinsvorsorge Bedingungen zu schaffen, unter denen Altern für alle unter menschenwürdigen Bedingungen stattfinden kann. Man könnte hier von ausgleichender Gerechtigkeit sprechen, denn ihr unterschiedliches Lebensschicksal stellt doch viele Menschen vor höchst unterschiedliche Herausforderungen. Es spricht nichts dagegen, dieses gesellschafts- und sozialpolitische Thema nicht auch einmal in einem kulturellen Rahmen zu behandeln. Aber es ist ein Unterschied, ob man die kritischen Themen und Fragen rund um das Altern mit diversen kreativen Ausdruckmitteln zuspitzt und dadurch noch stärker bewusst macht, oder ob man die vielen seit langem ungelösten Dauerprobleme lediglich durch „ein ausgiebiges Rahmenprogramm“ garniert und damit lediglich „harmonisiert“, wo man eigentlich längst zu einem energischen Aufbruch, wenn nicht inzwischen sogar zum Aufruhr, anstacheln müsste. Doch dürfte es massive Interessen in unserer Gesellschaft geben, dem längst fälligen Protest durch „Kultur“ die Spitze abzubrechen: Bastelveranstaltungen, Sport, Vorträge, Andachten, Lesungen, Filmvorführungen oder das Angebot, im Alterssimulationsanzug herum zu stolpern verstellen oft mehr den Blick auf die Wirklichkeit als dass sie Druck aufbauen, um die notwendigen Veränderungen zu erzwingen.