
Kirchengemeinde Alsfeld bringt Briefkasten am Kircheneingang anÄngste, Nöte, Hoffnungen und Gebete miteinander teilen
ALSFELD (ol). In der schwierigen Zeit der Corona-Pandemie können leider keine Gottesdienste gefeiert werden. Die Evangelische Kirchengemeinde Alsfeld will ermöglichen, dass Menschen auch in dieser Zeit mit Gott und gedanklich untereinander in Verbindung bleiben – und dafür hat sie sich etwas ganz Besonderes ausgedacht.
Dazu hat sie einen Briefkasten am Eingang der Dreifaltigkeitskirche angebracht. In diesen können alle, die mögen, Briefe, Karten oder kleine Zettel mit Gedanken einwerfen und so ihre „Ängste und Nöte, Hoffnungen und Gebete, schwere und schöne Erfahrungen“ teilen, heißt es auf der Briefkastenklappe. Jeden Sonntag werden die Texte dann vor Gott gebracht, indem ein Pfarrer sie auf den Altar der Kirche legt. Dort behalten sie ihren Platz, bis wieder Gottesdienst gefeiert werden kann.
Außerdem hat der Briefkasten unten ein Zeitungsrohr, in dem ein „Wort zur Woche“ liegt, das als Verteilschrift mitgenommen werden kann. „So bleiben wir auch in der Zeit des auferlegten Fernbleibens aus Kirche und Gemeinschaft doch Gott nahe und miteinander verbunden“, sagen die drei Pfarrer der Gemeinde.
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Wenn die Kirche doch nicht oft noch so altbacken und verschwiemelt daher käme. Schon dieses Sprache. „Ihr seid ein Brief Christi“, dritter Korinther trallala. Und jetzt bitte schunkeln:
Das Wort der Woche im Zeitungsrohr / Ersetzt Gottesdienst und Kirchenchor, widdewiddewitt juchheirassa, widdewiddewitt bumm, bumm…
Dass der Pfarrer persönlich die kleinen Nachrichten mit den Sorgen, Nöten und Fürbitten der Gemeindeglieder „vor Gott bringt“, indem er sie auf den Altar der Kirche legt, hat eine anrührende Symbolik, ist aber eigentlich völlig unlutherisch. Der Lutheraner ist mit seinem Gott direkt im Gespräch und braucht solche theologischen Vermittlerdienste nicht.
500 Jahre sind eben noch nicht ausreichend lang, um zu lernen oder auch nur zu lesen, was in der eigenen Vereinssatzung steht.
2000 allerdings anscheinend auch nicht.
Überall sonst wurde die Sprache dem aktuellen Sprachgebrauch angepasst. „Dem Volk aufs Maul schauen“ war ein wesentlicher Bestandteil der lutherischen Theologie. Aber offensichtlich ist die Kirche – ungeachtet zahlloser Ansätze zur Modernisierung in noch zahlloseren Theologen-Zirkeln – in sich so unsicher geworden, dass sie sich in den darauf folgenden Jahrhunderten immer mehr auf einen altertümelnden Brahmanen-Sprech und täglich das Murmeltier grüßende Rituale zurück gezogen hat.
Nun ist unter dem Einfluss von Corona auf alle Formen kirchlicher Gemeinschaft zunehmend die Rede von einer „Verschiebung von der Liturgie zur Diakonie“. Hierin liegt eine große Chance, trotz äußerlicher Virenschutz-Distanz zu einer „Kümmerer-Kirche“ und damit für die Gesellschaft im Ganzen glaubwürdiger zu werden. Aber wie das obige Beispiel zeigt, müssen die richtigen Formen hierfür noch gefunden werden.