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Offizieller Baubeginn für stationäres AWO-Hospiz in AlsfeldSpatenstich für „Haus Lichtermeer“ – Vogelsbergkreis erhält eigenes Hospiz

ALSFELD/LAUTERBACH (ol). Mit dem Spatenstich am Mittwoch, den 26. März, beginnt der Bau des „Haus Lichtermeer – Unser AWO-Hospiz im Vogelsberg“. Das Projekt entsteht in Zusammenarbeit mehrerer Partner und schließt eine wichtige Versorgungslücke in der Region. Künftig sollen bis zu acht schwerkranke Menschen dort betreut werden. Die Inbetriebnahme ist für das vierte Quartal 2027 geplant.

Mit der Vertragsunterzeichnung im November vergangenen Jahres wurde es offiziell: Der Vogelsbergkreis bekommt ein eigenes stationäres Hospiz – ein gemeinsames Projekt der Carus Holding als Investor, der AWO Hessen-Süd als Betreiber, der Stiftung Lichtermeer und dem Hospiz- und Palliativnetzwerk Vogelsberg. Mit dem Grundstück Am Lieden (ehemals Spedition Eisenträger) in Alsfeld war nach intensiver Suche ein geeignetes Areal mit teilweise nutzbarer Bebauung gefunden worden, sodass nach Abschluss der Planungen und Genehmigungsverfahren nun ein erster großer sichtbarer Schritt vollzogen werden konnte: Am 26. März 2026 wurde dort im Beisein zahlreicher Wegbegleiter, verbundener Organisationen sowie Nachbarinnen und Nachbarn der Spatenstich vollzogen, heißt es in der Pressemitteilung der Lichtermeer Stiftung.

Im offiziellen Teil der Veranstaltung sprach zunächst Landrat Dr. Jens Mischak. Er ging auf die Historie dieses Vorhabens ein, das von den vielen Mitwirkenden einen langen Atem erfordert hatte. Der heutige Tag bringe das Vogelsberger Hospiz von der Theorie in die Praxis, so Mischak, der betonte, dass das „Haus Lichtermeer“ für alle Menschen im Kreis eine Versorgungslücke schließt: Niemand müsse, um am Ende des Lebens professionell begleitet zu werden, die Region verlassen – eine gute Nachricht für die Menschen im Vogelsberg.

Dass die Auswahl des Standortes nach Alsfeld führte, darüber zeigte sich Bürgermeister Stephan Paule in seinem Grußwort erfreut. Alsfeld gehe gemeinsam mit dem Vogelsberg einen großen Schritt in Richtung Lebensqualität und Selbstbestimmung für alle Menschen im Kreis. Ein Hospiz sei ein Thema der Gegenwart und der Zukunft. Paule dankte den Initiatoren, Investoren und dem Träger für ihre Ausdauer und ihr Engagement.
Von Seiten des Investors sprach Ralf Bohn. Mit dem Bau des Hospizes wolle man einen Ort schaffen, an dem Menschen am Lebensende gut aufgehoben seien. Damit trage die Carus Holding ihrer Idee Rechnung, Gebäudebestand in der Region weiterzuentwickeln und gleichzeitig Menschen vor Ort einen Mehrwert zu schaffen. Bohn verlieh seiner Freude über die Zusammenarbeit mit allen beteiligten Gremien, insbesondere dem Träger, der AWO Hessen-Süd, Ausdruck.

Diese wurde vertreten von Geschäftsführer Ulrich Bauch, Hans-Jürgen Herbst, Vorstandsmitglied bei der AWO Hessen-Süd, und der Vorstandsvorsitzenden Stephanie Becker-Bösch. Auch für die AWO sei dieses Projekt eine Herzensangelegenheit, so Becker-Bösch. Menschen mit Hilfsbedarf stünden stets im Fokus der Betrachtungen der AWO. Mit dem Hospiz komme man einem elementaren Bedürfnis schwerkranker und sterbender Menschen nach. Ihnen wolle man menschliche und fachliche Begleitung bieten: eine gute Zeit bis zum Ende des Lebens.

Ein „Glücksfall“ sei das Grundstück in der Stadtmitte, freute sich Tanja Bohn, Stiftungsratsvorsitzende der Lichtermeer-Stiftung. Kurze Wege, ob zum Bahnhof, zum Marktplatz oder die Lokale rund herum, ermöglichten den Menschen im Hospiz Freiräume und schöne Auszeiten. Sie betonte, wie wichtig es für Menschen ist, gerade am Lebensende eine gute, sichere und wertschätzende Anlaufstelle zu haben, einen Ort, an dem man um- und versorgt, aber dennoch selbstbestimmt sei. Ihre Stiftung hat die Entstehung des Hospizes mitinitiiert und den Weg bis zum Spatenstich begleitet. Auch zukünftig wird sie Ansprechpartnerin, insbesondere für den Bereich Spenden und Fundraising sein.

Spannend wurde es, als Karsten Schmidt vom Architekturbüro Schmidt und Strack die Planungen vorstellte: Auf dem Gelände soll ein Haus entstehen, das für bis zu acht Menschen Wohnraum und Lebensqualität am Ende ihres Weges zur Verfügung stellt. Das „Haus Lichtermeer“ soll baulich die Anmutung eines Hotels haben. Es soll den Patienten Privatsphäre bieten, gleichzeitig aber alle fachlichen Angebote vorhalten. Viele Fachplaner werden daher mit eingebunden sein. Von der alten Substanz bleiben ein Wohnhaus und eine Halle erhalten.

Dorthin lud die Carus Holding die Gäste zu einem kleinen Umtrunk ein. Ralf Bohn dankte allen Anwesenden für ihren Besuch und ihr Interesse. Letzterem trugen die Veranstalter auch mit kleinen Führungen über das Areal Rechnung.

Die Planungen sehen ein Gebäude mit acht Patientenzimmern mit kleiner Terrasse und eigenem Bad, einem Besucherzimmer, einem Gemeinschaftsraum mit Wohnküche, ein   Pflegebad, einen Raum der Stille, sowie Personal- und Verwaltungsräume vor. Ziel ist es, eine wohnliche Atmosphäre zu schaffen, die Privatsphäre und professionelle Betreuung miteinander verbindet. Teile der bestehenden Bebauung sollen erhalten bleiben.

Weitere Informationen

Stationäre Hospize sind wohnliche Einrichtungen mit maximal 8 bis 16 Betten für Menschen mit unheilbaren Erkrankungen in der letzten Lebensphase. Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versorgen schwer kranke und sterbende Menschen mit palliativpflegerischen und palliativmedizinischen, psychosozialen und spirituellen Angeboten. Die Aufnahme ist möglich nach Antragstellung des Haus- oder Klinikarztes und der Kostenzusage durch die Krankenkasse. Die Finanzierung erfolgt zu 95 Prozent über die Krankenkassen, die restlichen 5 Prozent müssen über Spenden gedeckt werden (§ 39a Satz 1 SGB V).

Fotos: Christian Tech

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