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Jusos Vogelsberg diskutieren bei „Pizza & Politik“ über Prävention und strukturelle GesundheitsfaktorenGesundheitspolitik ist nicht zwingend Politik, die gesund macht

VOGELSBERG (ol). Die Jusos Vogelsberg haben sich im Rahmen ihres Formats „Pizza & Politik“ mit den Grundlagen einer solidarischen und nachhaltigen Gesundheitspolitik beschäftigt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Gesundheit über medizinische Versorgung hinaus politisch gedacht werden kann. Diskutiert wurden Präventionsansätze, soziale Ungleichheit und die Verantwortung verschiedener Politikfelder. Ziel der Veranstaltung war es, Gesundheit ganzheitlich und langfristig in den Blick zu nehmen.

Was braucht es, damit eine solidarische und nachhaltige Gesundheitspolitik auch im ländlichen Raum gelingen kann? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Jusos Vogelsberg laut eigener Pressemitteilung unter anderem bei ihrer neusten Ausgabe des Formats „Pizza&Politik“. Durch den Abend führte die stellvertretende Vorsitzende der Jusos Vogelsberg und Public-Health-Studentin Viviane Spieler-Bridel.

„Gesundheitspolitik konzentriert sich häufig auf kurzfristige Symptombekämpfung, zum Beispiel auf den Ausbau der medizinischen Versorgung. Die Strukturen, die uns tatsächlich krank oder gesünder machen, geraten dabei oft zu wenig in den Blick der politisch Verantwortlichen“, betonte Spieler-Bridel gleich am Anfang ihres Workshops.

Im ersten Schritt zeigte sie auf, wie viele Bereiche unseres Lebens die Gesundheit prägen. Neben bekannten Faktoren wie Genetik, individuellen Entscheidungen oder dem direkten sozialen Umfeld spielen vor allem strukturelle Bedingungen eine zentrale Rolle. Dazu gehören Umwelt, Arbeitsbedingungen oder die Versorgung mit Lebensmitteln. In diesem Zusammenhang stellte Spieler-Bridel drei grundlegende Ansätze der Prävention vor: medizinische Prävention, Verhaltensprävention und Verhältnisprävention. Letztere richtet den Blick besonders auf die genannten strukturellen Bedingungen. Hervor hob sie auch den Ansatz „Health in All Policies“. Dieser verfolgt die Idee, Gesundheit in jedem Politikfeld mitzudenken, um für alle Menschen nachhaltig gesündere Lebensumstände zu schaffen.

Auch die Rolle der sozialen Herkunft wird während dem Workshop immer wieder hervorgehoben. Viele Angebote zur Verbesserung der Gesundheit richten sich in der Praxis an Menschen, die ohnehin bereits gute Voraussetzungen mitbringen, etwa höheres Einkommen, gute Bildung oder einen sicheren Zugang zu Informationen. Wer wenig Geld hat, mit Sprachbarrieren lebt oder in prekären Arbeits- und Lebensverhältnissen steht, erreicht diese Angebote häufig nicht. Wenn Gesundheitspolitik wirklich ganzheitlich gedacht werden soll, müssen präventive Maßnahmen gezielt diese Gruppen in den Mittelpunkt stellen.

Im weiteren Verlauf waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst gefragt: Anhand von Auszügen aus verschiedenen Parteiprogrammen zur Bundestagswahl 2025 ordneten sie zunächst die Parteien zu und bewerteten anschließend, welchem der drei Präventionsansätze die jeweiligen gesundheitspolitischen Ziele zugeordnet werden können. „Es war spannend, mit dem neuen Wissen die Programme zu vergleichen. Man erkennt sehr schnell, dass viele Parteien sich nur an wenigen Punkten trauen, strukturelle Ursachen anzupacken. Ganz im Sinne von ‚Health in All Policies‘ braucht es hier noch ein deutliches Umdenken“, erklärte die Co-Vorsitzende der Jusos Vogelsberg, Julia Rausch. Ihr Co-Vorsitzender Paul Wieczorek ergänzte: „Gesundheitspolitik bedeutet mehr, als lediglich ein Krankenhaus in erreichbarer Nähe zu haben. Wir nehmen aus dem Abend mit, dass es nicht bei der Bekämpfung von Symptomen bleiben darf. Ziel muss sein, Menschen und unsere Gesellschaft insgesamt langfristig gesünder zu machen.“

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