Gesellschaft0

Grabungen am Homberger SchlossAuf den möglichen Spuren der Tempelritter in Homberg

HOMBERG (OHM) (ol). Über das Homberger Schloss ist vieles bekannt, doch vor Kurzem machten sich Wissenschaftler daran, dem alten Gebäude weitere Geheimnisse zu entlocken. Mit Grabungen und Spezialwerkzeug zur Vermessung gehen sie der Frage nach, ob tatsächlich einst die Tempelritter in Homberg zuhause waren.

Ausgangspunkt des universitären Interesses waren die Forschungen zur möglichen Tempelherren-Vergangenheit in Homberg von Dr. Thorsten Rühl. Dieser hatte im vergangenen Sommer im Kaminsaal des Schlosses einen Vortrag dargeboten, in dem Indizien dafür präsentierte, dass Homberg einst Sitz der Templer gewesen sein könnte. Rühl ist kein Historiker, seine eher intuitive Herangehensweise ist manchen Experten zu unwissenschaftlich. Und dennoch gelang es durch seine Forschung, ein Team der Uni Marburg zu überzeugen, sich das Homberger Schloss einmal genauer anzuschauen.

Der Ritterorden wurde 1118 im Königreich Jerusalem, das im ersten Kreuzzug erobert war, gegründet und hatte knapp 200 Jahre Bestand. Er war der erste Orden, der die Ideale des adligen Rittertums mit denen des Mönchtums vereinte, zweier Stände, die bis dahin streng getrennt waren. In diesem Sinne war er der erste Ritterorden und während der Kreuzzüge eine militärische Eliteeinheit. Er unterstand direkt dem Papst. Aufgrund ihrer Verschlossenheit und des beschränkten Zugangs ranken sich viele Mythen und manche Verschwörungstheorien um die Gruppe.

„Es gibt keinen Beweis, aber viele Indizien, dass die Templer in Homberg waren“

All sein Forschen befeuerten den Hobby-Forscher Dr. Rühl im April 2019 eine Radarmessung durch eine Dresdener Firma zu veranlassen, die bis zum gewachsenen Fels den Untergrund der Kapelle des Schlosses und des angrenzenden Geländes außerhalb der Nord- und Ostwand auf seine Strukturen erfassen konnte. Das Ergebnis: In etwa 2 Meter Tiefe fand man 2 auf 2 Meter große auffällige Strukturen unter dem Kapellenboden und im angrenzenden Garten hinter der Nordwand eine Anomalie von etwa 2,5 Meter Länge und knapp einem Meter Breite. Aufgrund der von Dr. Rühl vorgelegten Dokumente war zu vermuten, dass es sich um ein Gebeinelager der mittelalterlichen Templer handeln könnte,

„Für die Schlosspatrioten und insbesondere deren Geschichts-Arbeitskreis mussten die ursprünglich geplanten Drainage-Arbeiten zur Trockenlegung der Ostwand der St. Georgs-Kapelle aufgrund der elektrisierenden Ergebnisse nun erstmal zurücktreten“, heißt es im Pressetext des Vereins. Man kontaktierte schließlich die Experten aus Marburg, die vor Kurzem für eine erste Grabung nach Homberg kamen.

Das Ergebnis der mühevollen Kleinarbeit mit Spaten, Schubkarre, Schäufelchen und Zahnbürste: Tausende von kleinteiligen Scherben, Zähne, ein Stück Schädeldecke mit Zahn, eine Kreuzer-Münze aus dem Jahre 1733 und am Ende der Grabungen am Freitag stieß man dann auf das eigentlich Faszinierende: In etwa 1,3 m Tiefe trat ein Sockel hervor, der Teil eines alten Fundaments zu sein scheint, mit einer darüber liegenden Hohlraumröhre von etwa 18 cm Durchmesser, die mit Steinen zugeschüttet war und vermutlich ehemals als Drainage diente.

Auf gleicher Höhe tritt aus der etwas entfernt liegenden Ostwand der Burgmauer ein Abwasserrohr heraus, das offenbar die Fortführung dieser ehemaligen Leitung zu sein scheint. Und ein weiterer Grabungsfund vor diesem Sockel versetzte die Grabungsfachleute in Erstaunen: ein Steinquader von 70 x 70 Zentimeter Fläche und circa ein Meter Höhe, dessen Einbettung in einen Funktionszusammenhang noch völlig unklar ist. Man geht davon aus, dass man sehr wahrscheinlich auf die Überreste eines älteren Vorgängerbaus der Kapelle gestoßen ist.

Ein Fund der Grabungen.

Die jetzt ausgehobene Grube von ca. 2.10 Meter Tiefe und 2 x 2,5 Meter Fläche scheint also offenbar nur der Anfang weiterführender Entdeckungen gewesen zu sein, zumal die vom Bodenradar entdeckten Strukturen noch ca. 1-2 Meter von der jetzigen Aushubgrube entfernt liegen. Man hofft nun auf eine weitere Grabungsgenehmigung der Landesarchäologie und damit auf eine Übernahme der Kosten für das kommende Jahr.

So bleibt das Schloss also sagenumwittert und birgt zugleich ein wissenschaftlich zu ergründendes Forschungspotential für die Uni Marburg, das die Neugier sowohl der Fachleute wie auch der Homberger und vor allem der Schloss-Patrioten wach halten wird. Man darf gespannt sein, welche Rätsel sich im Laufe der Zeit noch auftun und ob sie je gelöst werden können.

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge Dich ein, um als registrierter Leser zu kommentieren.

Einloggen Anonym kommentieren