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Koreanisch geprägte Christengemeinde aus Herbstein eröffnet neues Kulturzentrum in Lauterbach – Migrationszuwachs und Randgruppen im BlickNeu: „Mosaik ist ein Haus der Begegnung“

LAUTERBACH/HERBSTEIN (awh). Auf dem Schaufenster steht oben die englische Inschrift: „Now and then it´s good to pause in our pursuit of happiness and just be happy“ – was soviel heißt wie: „Ab und zu ist es gut, in unserem Glücksstreben innezuhalten und einfach glücklich zu sein“. Darunter Angebote, was hier so alles passieren soll. Hinter dieser Scheibe hat jetzt  die Evangeliumsgemeinschaft Herbstein das Kulturzentrum Mosaik im Lauterbacher Landsknechtsweg eröffnet.

Zwei weitere Zettel kündigen ab dem 8. September von 9 bis 12 Uhr einen Deutschkurs für jedermann an, und außerdem gibt es in dem Treff gespendete Second-Hand-Bekleidung. Die Evangeliumsgemeinschaft, die sich im Vogelsberg in der Hauptsache aus südkoreanischen Pastoren zusammensetzt und eine freie evangelische Christengemeinde ist, hat ausgerechnet in dem sehr konservativen und mit 90-prozentigem Anteil katholisch geprägten Herbstein ihren Hauptsitz.

Die Schwester von Pastor Hyuk Rhee hat dort 2007 die ehemalige Ausbildungstätte des Maltester Hilfsdienstes gekauft, dort werden auch sonntags in der Lanzenhainer Straße 6a um 10.45 Uhr Gottesdienste in deutscher Sprache abgehalten. Teilnehmer sind Menschen aus verschiedenen Nationen, es wird gesungen, gebetet und gepredigt.

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Das Schaufenster weist auf die Angebote des Kulturzentrums hin und auch auf die Intention der Einrichtung, allerdings in englischer Sprache.

„Zuwachs an religiösen Randgruppen“

Wie Pastor Hyuk Rhee bei der Eröffnung der Einrichtung des nahe des Lauterbacher Marktsplatzes gelegenen Treffs Mitte Juli in seiner Ansprache betonte, sind es zwei gesellschaftliche Themen, denen sich die Evangeliumsgemeinschaft Herbstein in der Hauptsache widmen will: Der rapide Migrationszuwachs und der Zuwachs an gesellschaftlichen Randgruppen in der Gesellschaft. Neben dem Missionierungsgedanken steht das Zusammenführen vieler Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen und auch Religionszugehörigkeiten im Mittelpunkt der Aktivitäten. „Mosaik ist ein Haus der Begegnung“, so hatte Pastor Hyuk Rhee das Ziel der Arbeit dieser neuen Einrichtung formuliert. Seine Gemeinde sei eine internationale Gemeinde, „wo Menschen aus verschiedenen Ländern zusammenkommen“.

Ein Dutzend Südkoreaner siedelten sich an

Es sind in Herbstein rund ein Dutzend Südkoreaner, die sich als Familie angesiedelt haben und dort ihre missionarische, seelsorgerische und teilweise auch soziale Arbeit betreiben. Sie sind inzwischen in privaten Wohnungen untergekommen und einer der jungen Männer hat vor kurzem am Lauterbacher Alexander-von-Humboldt-Gymnasium sein deutsches Abitur abgelegt. Bei unserem Besuch in der Kultureinrichtung sprachen wir mit einem Kollegen von Pastor Hyuk Rhee, dem 50jährigen Pastor Mum Gwaum Eun und seiner Frau Kyeongsoon Lee (46). Das sympathische koreanische Ehepaar lebt mit Tochter (19 Jahre) und Sohn (21 Jahre) ebenfalls in der „Stadt auf dem Berge“.

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Second-Hand-Bekleidung und Spielzeug gibt es in dem neuen Zentrum der Evangeliumsgemein-schaft Herbstein im Lauterbacher Landsknechtsweg, das Angebot richtet sich in erster Linie an hilfsbedürftige Deutsche und gestrandete Flüchtlinge.

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Das Symbol der Kultureinrichtung in der Kreisstadt, das Mosaik, ist dabei so bunt und vielfältig wie das Klientel der Glaubensgemeinschaft, das in Herbstein aus Koreanern, ortsansässigen deutschen Bürgern und vor allem aus vielen Flüchtlingen besteht. Direkten Kontakt hat die Evangeliumsgemeinschaft Herbstein zu Flüchtlingen in Herbstein, Lauterbach und Alsfeld, es wird ein enge Zusammenarbeit mit den Schulen, Caritas und Diakonischem Werk gesucht. Die Leitung der Evangeliumsgemeinschaft besteht aus zwei Pastoren und zwei Missionarinnen.

Finanziert durch Spenden, Bastelartikel und Secondhand-Kleider

Finanziert werden die Aktivitäten von Mosaik durch Spenden, dem Verkauf von Bastelartikeln bei Basaren und den Second-Hand-Kleidern und der gemeinützigen Privat-Firma Interlink- Sprach- und Kulturcenter (Gründer: Pastor Hyuk Rhee und Frau Joo Young Lee, eingetragen in Giessener Amtsgericht), eine gemeinützige Unternehmergesellschaft mit Sitz in Herbstein, die den internationalen Austausch der Jugend zwischen Deutschland und Korea organisiert und Bildungssprogramme für Weltbürger plant.

Pastor Hyuk Rhee und sein Kollege haben beide in Korea Theologie studiert, Rhee studierte noch in Großbritannien und an der Universtät Kassel. Zur Zeit promoviert er an der Fuller Universtiät in den USA.

Ingesamt gibt es in Deutschland rund 45.000 Koreaner, in 150 Kirchengemeinden sind gläubige evangelische Christen zusammengeschlossen. Die Glaubensgemeinschaft Gospel Fellowship (offiziell: Evangeliumsgemeinschaft e. V.) ist von Pastor Rhee und anderen gleichgesinnten Leute in Jahr 2007 gegründet worden. Nach zweijähriger Vorbereitungsarbeit an ihrer Vision und am Gebäude (Bauarbeiten) selbst hat Gospel Fellowship Gemeinde ihren Gründungsgottesdienst am 5. September 2009 gefeiert. Seit April dieses Jahres gehört die Evangeliumsgemeinschaft dem Bund Freier evangelischer Gemeinden (FeG) an.

„Viele Deutsche stehen vor einem Integrationsproblem“

Pastor Hyuk Rhee sieht die Hauptgründe seiner Tätigkeit wie folgt begründet: „Auch viele Deutsche stehen vor einem Integrationsproblem. Deutschland hat ein relativ gutes Abfang-System von Randgruppen bzw. Integrationssystem. Es ist jedoch Realität, dass viele Flüchtlinge oftmals mehrere Monate auf einen Deutschkurs warten müssen oder vorher kein Alphabet gelernt haben.

Dies führt zu einem fehlenden Anschluss an die Gesellschaft im Alltag. Das Miteinander im alltag fehlt noch. Unsere Aufgabe ist es, diesen Leuten Gottes Liebe durch unsere Taten zu zeigen und sie durch das Miteinander in den Alltag zu integrieren. Unser Ziel ist es, einen Ort bzw. ein Organ zu schaffen, wo alle Leute ohne Vorbehalt zusammenkommen können. Viele Migranten haben muslimischen Hintergrund und vermeiden möglichst den Kontakt zu deutschen Einrichtungen. In dem Haus der Begegnung ist jeder willkommen, ob Muslim oder Christ, ob alt oder jung, ob Deutscher oder Ausländer. Interlink wird im Haus Mosaik Kultur- und Bildungsprogramme anbieten, damit Menschen aus verschiedene Nationen die Möglichkeiten haben zusammen zu sitzen und Miteinander lernen. Mosaik ist ein Ort der Integration“.

von Axel W. Hofmann

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