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Digitales Spielprojekt bringt Schülerinnen und Schüler mit Seniorinnen und Senioren in Alsfeld zusammenCare Table verbindet Generationen im Haus Stephanus

ALSFELD (ol). Im Haus Stephanus in Alsfeld fördert ein generationenübergreifendes Projekt den Austausch zwischen Jugendlichen und Seniorinnen und Senioren. Im Mittelpunkt steht ein digitaler Care Table, der gemeinsames Spielen und Kommunikation erleichtert. Die regelmäßigen Treffen stärken soziale Kompetenzen und bauen Berührungsängste ab. Das Projekt zeigt, wie digitale Technik sinnvoll in die soziale Betreuung integriert werden kann.

Wenn Schülerinnen und Schüler mit Seniorinnen und Senioren spielen, entsteht mehr als ein Zeitvertreib. Im Haus Stephanus in Alsfeld bringt ein neues Projekt Generationen zusammen. Digitale Technik, klassische Spiele und persönliche Geschichten verbinden Jung und Alt, heißt es in der Pressemitteilung der Alsfelder Einrichtung.

Am Marktplatz des Hauses Stephanus, der Event-Location des Alsfelder Alten- und Pflegeheims, wird derzeit Zukunft erprobt, leise, spielerisch und zwischen zwei Generationen. Schülerinnen und Schüler der Erich-Kästner-Schule treffen sich dort regelmäßig mit Bewohnerinnen und Bewohnern des Alten und Pflegeheims. Ziel ist ein generationenübergreifendes Projekt, das Begegnung, Lernen und soziale Teilhabe fördert.
Was zunächst wie ein gewöhnlicher Spielenachmittag wirkt, folgt einem klaren Konzept. Spielfiguren, Karten und Farben liegen auf dem Tisch. In der Mitte steht ein digitaler Care Table. Die Technik verbindet klassische Gesellschaftsspiele mit moderner Unterstützung. So entsteht ein Raum, in dem Jung und Alt miteinander ins Gespräch kommen. Alle zwei Wochen, jeweils donnerstags am Nachmittag, treffen sich die Gruppen am sogenannten „Marktplatz der Einrichtung“. Pädagogisch begleitet wird das Projekt von Jonas Mülot von der Erich-Kästner-Schule. Die organisatorische Koordination liegt bei Minh Luis, gemeinsam mit dem Team der sozialen Betreuung des Hauses Stephanus.

Ein zentraler Baustein des Projekts ist der digitale Care Table, dessen Anschaffung durch die GlücksSpirale ermöglicht wurde. Dank dieser Förderung konnte das Haus Stephanus gezielt in ein modernes Aktivierungssystem investieren, das die soziale Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner nachhaltig stärkt. Der Care Table ist ein digitaler Aktivitätstisch, der speziell für den Einsatz in der Betreuung entwickelt wurde und neue Formen der Teilhabe eröffnet.

Durch die Unterstützung der GlücksSpirale können auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen aktiv am Spielgeschehen teilnehmen. Funktionen wie automatisches Würfeln, Zählen oder das Platzieren von Spielfiguren erleichtern den Zugang und schaffen mehr Selbstständigkeit im Spiel. Gleichzeitig bleiben zentrale Elemente wie Erinnern, Erzählen und gemeinsames Entscheiden bewusst in menschlicher Hand.

Das Projekt trägt den Titel „Begegnung und Interaktion zwischen Jung und Alt. Gemeinsames Austauschen, Lernen und Wachsen“. Die Teilnahme der Siebtklässlerinnen und Siebtklässler der Erich-Kästner-Schule bildet den Auftakt des neuen Jahresmottos der Einrichtung. Ziel ist es, generationenübergreifende Begegnungen zu ermöglichen und soziale Kompetenzen auf beiden Seiten zu stärken.

Der Einstieg fällt nicht allen Beteiligten leicht. Namen werden vorgestellt, Herkunftsländer genannt. Stimmen bleiben zunächst leise. Dann entstehen erste Gespräche. Einige Schülerinnen und Schüler berichten von Familiengeschichten aus Italien, Afghanistan oder Eritrea. Die Jugendlichen erklären Spielregeln, begleiten Bewohner an den Tisch und helfen bei Unsicherheiten.

Berührungsängste lösen sich nicht durch Geschwindigkeit, sondern durch Geduld. Mit jedem Spiel wächst das Vertrauen. Zwischen Spielzügen entstehen Gespräche über Kindheit, über Gärten und Sommer, über Flüsse, über Brüche im Leben und über stille Dankbarkeit. „Am Anfang war es komisch“, sagt eine Bewohnerin. „Jetzt kommunizieren wir richtig gut.“ Eine Schülerin formuliert ihre Erfahrung deutlich kürzer. „Cool.“

Auch die Einrichtungsleitung bewertet das Projekt positiv. Manuel Jöckel sieht im Care Table eine sinnvolle und zeitgemäße Ergänzung für den Alltag im Altenheim. Er biete den Bewohnerinnen und Bewohnern einen niedrigschwelligen Zugang zu Aktivierung, Kommunikation und Teilhabe ganz ohne technische Hürden.

Besonders wertvoll sei aus seiner Sicht, dass der Care Table sowohl kognitive Fähigkeiten fördere als auch soziale Begegnungen unterstütze. Im Zusammenspiel mit den Schülerinnen und Schülern der Erich-Kästner-Schule könnten die Bewohner gemeinsam spielen, Erinnerungen teilen oder einfach Freude an interaktiven Inhalten erleben. Das stärke nicht nur das Gemeinschaftsgefühl, sondern wirke sich auch positiv auf das Wohlbefinden aus. Insgesamt handele es sich aus seiner Sicht um ein gelungenes Konzept.

Das Projekt folgt einer klaren Leitidee. Digitale Angebote sollen klassische Formen der Aktivierung nicht ersetzen, sondern erweitern. Gesellschaftsspiele, Bewegung, Gesang und Gespräche bleiben feste Bestandteile der Betreuung. Der Care Table ergänzt diese Methoden und senkt Hürden für Menschen mit eingeschränkter Motorik oder Sehvermögen.

Die Entscheidung für das System fiel bewusst erst nach einer längeren Beobachtungsphase. „Wir wollten sicher sein, dass die Technik wirklich zu unseren Bewohnerinnen und Bewohnern passt“, erklärt Projektkoordinatorin Minh Luis. „Erst als wir gesehen haben, wie sich die Bedürfnisse entwickeln, haben wir uns entschieden.“

Am Ende des Nachmittags hat sich die anfängliche Zurückhaltung meist aufgelöst. Gelächter erfüllt den Raum, Lieder werden angestimmt, kleine Erfolge gemeinsam gefeiert. Bewohner wünschen sich eine Fortsetzung. Auch viele Schülerinnen und Schüler wollen wiederkommen. Weitere Treffen sind bereits geplant. Neben den Spielnachmittagen sollen Reflexionsrunden stattfinden. Außerdem ist vorgesehen, digitale und klassische Angebote bewusst zu kombinieren.

Was bleibt, ist mehr als ein gelungenes Freizeitangebot. Das Projekt zeigt, wie Begegnung zwischen Generationen gelingen kann. Nicht durch große Programme, sondern durch gemeinsames Tun. Zukunft beginnt manchmal dort, wo Menschen sich einfach an einen Tisch setzen.

Fotos: MinhLuis/GFDE Haus Stephanus

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