
Bürgermeisterwahl in Lauterbach – Kandidaten stehen Rede und Antwort – Teil 2Albert Krumm: „Lauterbach braucht Klarheit und Verlässlichkeit“
LAUTERBACH (aep/jal). Bei den Kommunalwahlen am 15. März geht es für Lauterbach um mehr als um das Stadtparlament. Gesucht wird ein Nachfolger für Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller. Fünf Kandidaten gibt es bei der Wahl, die sich einer Reihe Fragen der OL-Redaktion stellen. Im zweiten Teil antwortet Albert Krumm.
Der 41-jährige Polizeioberkommissar Albert Krumm wohnt in Lauterbach und arbeitet seit über 20 Jahren als Polizeibeamter im Rhein-Main-Gebiet, lässt sich auf seiner Website nachlesen. Er tritt als parteiloser Kandidat an.
Was glauben Sie, befähigt Sie zum Amt des Bürgermeisters in Lauterbach?
Was mich befähigt? Ich bin bereit, Verantwortung wirklich zu übernehmen, nicht nur zu verwalten.
Lauterbach steht vor wichtigen Entscheidungen. Dafür braucht es keinen Verwalter des Status quo, sondern jemanden mit Haltung, Entscheidungsstärke und dem Mut, auch unbequeme Themen offen anzusprechen. Ich bringe Führungserfahrung, strategisches Denken und die Bereitschaft mit, klare Prioritäten zu setzen.
Ich weiß: Man kann es nicht allen recht machen. Aber man kann transparent, ehrlich und konsequent handeln. Genau das erwarte ich selbst von politischer Führung und genau dafür stehe ich. Diese Stadt ist mir zu wichtig, um nur zuzusehen. Deshalb trete ich an.
Sind Sie eher impulsiv oder zurückhaltend reflektierend?
Ich bin ein entschlossener Mensch. Wenn ich von einer Sache überzeugt bin, vertrete ich sie klar und ohne Umwege.
Gleichzeitig weiß ich, dass politische Verantwortung mehr verlangt als spontane Reaktionen. Ich nehme mir die Zeit, hinzuhören, Argumente sorgfältig abzuwägen und Entscheidungen fundiert vorzubereiten. Aber wenn der Moment gekommen ist, dann handle ich und verstecke mich nicht hinter endlosen Diskussionen. Wer mich kennt, weiß: Ich sage offen, was ich denke. Aber ich höre genauso aufmerksam hin. Gerade dieser offene Austausch ist für mich Grundlage guter Entscheidungen.
Ich bin überzeugt: Lauterbach braucht Klarheit und Verlässlichkeit, keinen Zauderer, aber auch keinen Hitzkopf. Diese Balance bringe ich mit.
Wie wollen Sie Bürgernähe herstellen?
Ich werde kein Bürgermeister sein, der nur im Rathaus sitzt. Bürgernähe bedeutet für mich, sichtbar und ansprechbar zu sein, in den Stadtteilen, bei Vereinen, auf Veranstaltungen und im direkten Gespräch. Politik darf nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden.
Ich will Entscheidungen transparent erklären, auch dann, wenn sie nicht jedem gefallen. Wer Verantwortung übernimmt, muss bereit sein, sich der Diskussion zu stellen, offen und auf Augenhöhe.
Bürgernähe heißt für mich aber nicht, jedem Wunsch sofort nachzugeben. Sie heißt, hinzuhören, ernst zu nehmen und dann verantwortungsvoll zu entscheiden. Klar, nachvollziehbar und ehrlich. Nur so entsteht Vertrauen, nicht durch Versprechen, sondern durch Haltung.
Die Digitalisierung der Verwaltung – innen wie nach außen – gilt als ein großes Ziel jeder Kommune. Wie weit sehen Sie dabei Lauterbach, und wie wichtig ist Ihnen dieser Fortschritt?
Digitalisierung darf kein Schlagwort und kein reines Fördermittelprojekt sein. Sie muss im Alltag spürbar werden.
Lauterbach hat Schritte unternommen, aber wir sind, wie viele Kommunen, noch nicht am Ziel. Eine moderne Verwaltung erkennt man nicht an einer neuen Website, sondern daran, dass Abläufe wirklich einfacher, schneller und transparenter werden,für Bürgerinnen und Bürger ebenso wie für die Mitarbeitenden im Rathaus.
Mir ist dieser Fortschritt sehr wichtig, weil er Servicequalität und Effizienz verbessert. Wer heute einen Antrag stellt, erwartet zu Recht eine unkomplizierte, möglichst digitale und schnelle Lösung. Gleichzeitig dürfen wir den persönlichen Kontakt nicht abschaffen. Digitalisierung soll ergänzen, nicht ersetzen.
Mein Anspruch ist klar: Prozesse kritisch prüfen, Doppelstrukturen abbauen und Digitalisierung strategisch vorantreiben nicht aus Imagegründen, sondern weil sie unsere Stadt leistungsfähiger macht
Wie sehen Sie ihr Verhältnis zur Stadtverordnetenversammlung? Sind Sie als Bürgermeister mehr Motor oder Moderator für politische Prozesse?
Die Stadtverordnetenversammlung ist das höchste Beschlussorgan, das ist für mich selbstverständlich. Demokratie lebt vom Austausch und von Mehrheiten. Aber ich trete nicht an, um Sitzungen zu verwalten. Ich will gestalten.
Ich sehe mich klar als Motor für politische Prozesse. Eine Stadt braucht Impulse, klare Ziele und jemanden, der Verantwortung übernimmt. Wenn niemand vorangeht, entsteht Stillstand. Und Stillstand können wir uns nicht leisten.
Moderator zu sein gehört dazu aber nur moderieren reicht nicht. Ich werde Themen auf den Tisch legen, Position beziehen und Entscheidungen voranbringen. Gleichzeitig ist mir wichtig, dass Diskussionen offen und respektvoll geführt werden. Am Ende zählt das Ergebnis für Lauterbach, nicht das politische Taktieren. Ich stehe für Zusammenarbeit und nicht für Beliebigkeit.
Die Stadt Lauterbach ist finanziell wieder in einer schwierigen Lage mit einem wachsenden Defizit. Wo wäre ihr erster Ansatzpunkt, um den Haushalt zu sanieren: mehr beim Sparen oder eher bei einer Einnahme-Vergößerung? Und wie?
Ein Defizit löst man nicht mit Symbolpolitik. Und schon gar nicht mit der Rasenmäher-Methode.
Mein erster Schritt wäre ein ehrlicher Kassensturz, transparent, nachvollziehbar und ohne Tabus. Wir müssen wissen, wo Geld gebunden ist, was Pflicht ist und wo wir uns Strukturen leisten, die wir uns eigentlich nicht mehr leisten können.
Ich werde nicht antreten, um Lauterbach kaputtzusparen. Aber ich werde auch kein „Weiter so“ akzeptieren. Jede Ausgabe muss begründbar sein. Jeder Euro braucht Wirkung.
Sparen? Ja,aber intelligent. Nicht bei Zukunft, Bildung oder Infrastruktur, sondern bei Ineffizienz, Doppelstrukturen und fehlender Priorisierung.
Einnahmen erhöhen? Wenn möglich durch Wachstum, nicht durch Belastung. Mehr Gewerbe, bessere Nutzung von Fördermitteln und eine strategische Entwicklung unserer städtischen Potenziale. Steuererhöhungen wären für mich das letzte Mittel und nur dann vertretbar, wenn vorher alles andere ehrlich geprüft wurde.Haushaltssanierung bedeutet für mich: früh handeln statt später gezwungen werden. Lieber treffe ich heute klare Entscheidungen, als morgen von außen verwaltet zu werden.
Ordnen Sie Lauterbacher Themen in die Reihenfolge der Wichtigkeit: Finanzen / Verkehrsprobleme / Wohnungen / Vereine, Ehrenamt / Kinderbetreuung / Wirtschaft / Stadtteile / Jugend / Kultur. Oder wie würden Sie die Stichworte kombinieren?
Ich halte wenig davon, kommunale Themen gegeneinander auszuspielen. Eine Stadt funktioniert als Ganzes. Trotzdem braucht Führung klare Prioritäten.
Für mich stehen drei zentrale Handlungsfelder im Mittelpunkt:
1. Finanzielle Stabilität und wirtschaftliche Stärke
Ohne solide Finanzen sind alle anderen Ziele schwer umsetzbar. Deshalb gehören Finanzen und Wirtschaft für mich zusammen. Wir müssen den Haushalt stabilisieren und gleichzeitig Wachstum ermöglichen.
2. Lebensqualität für Familien und junge Menschen
Dazu zählen Kinderbetreuung, bezahlbarer Wohnraum und eine starke Jugendarbeit. Wer junge Familien halten und gewinnen will, muss hier investieren.
3. Zusammenhalt und Identität unserer Stadt
Vereine, Ehrenamt, Kultur und starke Stadtteile sind kein „weicher Faktor“. Sie sind das Fundament unseres gesellschaftlichen Lebens. Lauterbach lebt vom Engagement seiner Menschen.
Verkehrsfragen sehe ich dabei als Querschnittsthema, sie betreffen Wirtschaft, Wohnqualität und Alltag gleichermaßen und müssen pragmatisch gelöst werden.
Ich werde keine Rangliste erstellen, die Themen kleinredet. Aber ich werde klar priorisieren:
Erst Stabilität sichern, dann gezielt Zukunft gestalten und dabei den sozialen Zusammenhalt stärken.
Was immer Sie anfassen wollen, brauchen Sie die Unterstützung der Politik. Sie treten als unabhängiger Kandidat an, sind politisch bislang nicht aktiv. Wie wollen Sie sich Mehrheiten in der Stadtverordnetenversammlung sichern?
Ja, Mehrheiten sind notwendig. Und genau deshalb trete ich unabhängig an.
Ich bin keinem parteipolitischen Lager verpflichtet, sondern ausschließlich den Interessen unserer Stadt. Das gibt mir die Freiheit, mit allen Fraktionen sachlich und konstruktiv zu arbeiten ohne Vorbedingungen und ohne parteitaktische Rücksichtnahmen.
Mehrheiten entstehen nicht durch ein Parteibuch, sondern durch Vertrauen, Transparenz und überzeugende Inhalte. Ich werde frühzeitig das Gespräch suchen, Projekte nachvollziehbar vorbereiten und klare Verantwortung übernehmen. Wer gut argumentiert, hinhört und verlässlich handelt, findet auch Partner.
Unabhängigkeit bedeutet für mich nicht Alleingang, sondern Brücken bauen. Am Ende geht es nicht darum, wer einen Antrag einbringt, sondern ob er gut für Lauterbach ist. Meine Fraktion heißt Lauterbach.
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Weitere Beiträge zur Bürgermeisterwahl
Im ersten Teil der Serie hat Daniel Schmidt die Fragen zu seiner Kandidatur beantwortet.
Der ausscheidende Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller hat in einem Interview bei Oberhessen-live auf seine lange Karriere zurückgeblickt.
Auch interessant:



Schreibe einen Kommentar
Bitte logge Dich ein, um als registrierter Leser zu kommentieren.
Einloggen Anonym kommentieren