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Senioren-Rosenmontag bringt Generationen zusammen – 100 Gäste feiern im MarktplatzKonfetti, Kölsche Töne und gelebte Teilhabe im Haus Stephanus

ALSFELD (ol). Beim Senioren-Rosenmontag im Haus Stephanus in Alsfeld feierten 51 Bewohnerinnen und Bewohner gemeinsam mit rund 50 externen Gästen. Die Veranstaltung war Teil des Projekts „Brücken aus Konfetti – Generationen feiern Leben“ und wurde vom Land Hessen gefördert. Mit Sketchen, Musik, Tanz und viel Humor stand die aktive Teilhabe älterer Menschen im Mittelpunkt.

51 Bewohnerinnen und Bewohner, rund 50 externe Gäste, zwei Stunden Programm: Beim Senioren-Rosenmontag 2026 im Haus Stephanus feierten Jung und Alt gemeinsam, eingebettet in das Projekt „Brücken aus Konfetti – Generationen feiern Leben“. Ziel ist es, Einsamkeit im Alter zu begegnen und Würde sichtbar zu machen, heißt es in der Pressemitteilung der Alsfelder Einrichtung.

Um 15.33 Uhr zog das Betreuungsdienstteam in den Marktplatz ein. Der Saal war gefüllt, Musik erklang, bunte Hüte setzten Farbakzente. Der Nachmittag war strukturiert geplant. Nervosität und Vorfreude waren spürbar. Der Rosenmontag war Teil des hausinternen Programms „Generationen-Gesundheitsnetzwerk: Gemeinschaftliche Bewältigungsstrategien gegen Einsamkeit im Alter“. Gefördert wurde es vom Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege im Rahmen der Initiative „Altenheim – Mitten im Leben“. Das Haus positionierte sich damit bewusst als Akteur im Sozialraum.

Projektkoordinatorin Minh Luis eröffnete mit einer Büttenrede. Ein Satz prägte den Nachmittag: „Unsere Bewohner sind nicht Zuschauer, sie sind der Star.“ Die älteren Menschen standen im Zentrum des Geschehens. Das Programm wurde maßgeblich vom eigenen Team getragen. Betreuungskräfte und Ergotherapeuten schrieben Sketche, probten Texte und traten selbst auf. Humor diente dabei nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der Beziehungsgestaltung.

Im Sketch „Einsparung in einer Senioren-Wohngemeinschaft“ karikierten Sabine Steuernagel, Claudia Fernandez Zwanziger, Diana Rabe, Elena Hahn und Silke Knöchel eine überzeichnete Sparpraxis. Ein Waschlappen wurde weitergereicht, Zahnbürsten geteilt, Toilettenpapier streng rationiert. Das Publikum reagierte mit lautem Lachen, erkannte jedoch den ernsten Unterton. Die Botschaft war klar: Wirtschaftlichkeit durfte nicht auf Kosten von Würde und Hygiene gehen. Pflege blieb Beziehungsarbeit.

Der Sketch „Was gibt’s Neues“ mit Inge Haber und Daniela Buchhammer setzte auf Wortspiel und Doppeldeutigkeit. Alltagsbegriffe kippten ins Komische, Redewendungen wurden wörtlich genommen. Der Humor entstand aus Sprache und Schlagfertigkeit.
In „Der Strohwitwer“ spielte Sabine Steuernagel einen Mann, der nach Abreise seiner Familie am Kochen scheiterte. Kartoffeln misslangen, Eier zerflossen, Pfannkuchen verbrannten. Am Ende blieben Haferflocken aus der Hand. Der Sketch nahm traditionelle Rollenbilder augenzwinkernd in den Blick.

Um 15.40 Uhr übernahm der Seniorenchor „Margot and Friends“ unter Leitung von Margot Naumann. Neun Sängerinnen und Sänger stimmten „Am Rosenmontag bin ich geboren“ und „So wunderschön wie heute“ an. Der Saal schunkelte geschlossen mit.
Ab 16 Uhr gehörte die Bühne dem Leuseler Carneval Club. Insgesamt 31 Kinder wirkten mit. Trainiert wurde seit August unter dem Motto „Festival“. Gezeigt wurden ein Kinder- und Märchenfestival, ein 80er-Jahre-Festival sowie das kölsche Format „Jeck im Sunnesching“.

Die Funkelminis eröffneten mit einem Showtanz. Es folgten die Tanzfunken und die Glitzergarde. Tanzmariechen Leonie Louis präsentierte einen Solotanz. Trainiert wurden die Gruppen von Cathrina Kristen, Emilia Schäfer und Rebecca Schwohl.
Die Resonanz war überwältigend. 51 Bewohnerinnen und Bewohner nahmen teil, mehr als bei vergleichbaren Veranstaltungen. Hinzu kamen rund 50 externe Gäste. Das Pflegeheim öffnete sich sichtbar nach außen.

Am Folgetag griffen Bewohnerinnen und Bewohner die Eindrücke im Backstübchen auf. Beim Apfelschälen für einen gedeckten Apfelkuchen sagte eine Stimme: „Gestern haben wir kaputtgelacht. Heute haben wir noch Bauchweh vom Lachen.“ Eine andere sagte: „Lachen ist die beste Medizin.“ Zudem fiel der Satz: „Das war wie Lach-Yoga, nur ganz natürlich.“

Auch das Team reflektierte. „Wir sind keine Profis, wir sind Laien, aber wir trauen uns“, sagte eine Betreuungskraft. Eine Bewohnerin ergänzte: „Das Wichtigste ist doch der Mut, es zu präsentieren.“ Die Atmosphäre wurde als „ganz natürlich, hausgemacht“ beschrieben. Authentizität zählte mehr als Perfektion.

Gegen 17.30 Uhr endete die Veranstaltung mit gemeinsamem Singen in guter Stimmung und einer Polonäse auf dem Weg nach Hause. Konfetti und Süßigkeiten setzten einen heiteren Schlusspunkt. Vereinsmitglieder und Ehrenamtliche erhielten Süßigkeiten, Kaffee, Kräppel, Getränke sowie eine kleine Gabe als Zeichen der Wertschätzung.

Der Rosenmontag zeigte, wie sich Pflegeeinrichtungen zunehmend als soziale Knotenpunkte verstanden. Sie öffneten sich für Vereine, Familien und Kindergruppen. Gemeinschaft wuchs dort, wo Begegnung gelang. Im Haus Stephanus wurde diese Idee sichtbar gelebt.

Fotos: Minh Luis/ GFDE Haus Stephanus

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