
Große Resonanz beim 32. Vortrag der Reihe „À propos Astronomie“ in Bad SalzschlirfSind wir allein im Kosmos?
BAD SALZSCHLIRF (ol). Rund 100 Zuhörerinnen und Zuhörer verfolgten im Kulturkessel Bad Salzschlirf den 32. Vortrag der Reihe „À propos Astronomie“. Referent Michael Passarge näherte sich der Frage nach außerirdischem Leben aus wissenschaftlicher Perspektive und erläuterte aktuelle Forschungsansätze. Dabei spannte er den Bogen von frühen Experimenten zur Entstehung organischer Moleküle bis hin zur modernen Exoplanetenforschung. Der Abend zeigte eindrucksvoll, wie komplex und zugleich faszinierend die Suche nach Leben im Universum ist.
So lautete der 32. Vortrag der Reihe „à propos Astronomie“, zu dem der „Freundeskreis der Himmelskunde Bad Salzschlirf e.V.“ und die Tourismus und Service GmbH laut einer gemeinsamen Pressemitteilung am Freitag, den 23. Januar um 19.30 Uhr in den Kulturkessel der Kurstadt eingeladen hatte. Die Frage nach außerirdischem Leben gehört zu den großen, interdisziplinären Forschungsfeldern der Gegenwart, denn sie berührt neben der Astronomie und Planetologie eine ganze Reihe naturwissenschaftlicher Fachbereiche wie Chemie, Biologie und Informatik, so der Referent Michael Passarge eingangs. Die zentrale Frage „Sind wir allein im Kosmos?“ ist wissenschaftlich nicht als Ja/Nein-These aufgebaut, sondern als Kette überprüfbarer Teilfragen: Unter welchen Bedingungen kann Leben entstehen? Welche Umgebungen gelten grundsätzlich als lebensfreundlich?
Welche messbaren Spuren könnte Leben – oder gar Technologie – hinterlassen?
Im Verlaufe seines Vortrages wies Passarge u. a. auf das schon 1953 von den beiden Wissenschaftlern Stanley Miller und Harold Urey durchgeführten Experiments, dem nach ihnen benannten Miller-Urey-Experiment, hin. Dieses Experiment demonstrierte, dass unter modellhaften Bedingungen einer frühen Erdatmosphäre organische Moleküle entstehen können. Der wissenschaftliche Wert dieser Arbeiten liegt nicht darin, „Leben im Labor“ erzeugt zu haben, sondern darin, dass zentrale Bausteine der organischen Chemie ohne biologische Prozesse entstehen können.
In der modernen Astronomie, besonders seit 1992, als der erste Exoplanet entdeckt wurde, hat sich die Diskussion verschoben: Nicht mehr „gibt es überhaupt andere Planeten“, sondern „welche Planeten kommen als Lebensräume in Frage“. Bei den bis dato entdeckten rund 6000 Exoplaneten ist entscheidend, welche Parameter sind belastbar: Bahn, Größe/Masse, Strahlungsumfeld des Sterns, Temperaturbereiche und – in wenigen Fällen – Hinweise auf Atmosphärenbestandteile.
Ein weiterer Fokus des Vortrages war das nach dem Italienischen Wissenschaftler Enrico Fermi und nach ihm benannte „Fermi-Paradoxon“ das die Frage aufwirft: Wenn das Universum sehr alt und sehr groß ist und es viele geeignete Umgebungen gibt, warum existieren dann keine eindeutigen Belege für außerirdische Zivilisationen oder technische Signale? Der wissenschaftlich saubere Umgang mit diesem Widerspruch besteht darin, mehrere Erklärungsklassen nebeneinander zu prüfen, ohne vorschnelle Schlussfolgerungen zu ziehen so der Referent.
In einem weiteren Vortrag zu dieser Thematik wird Michael Passarge im Herbst der Frage nachgehen: Welche Daten gibt es? Welche Tests sind möglich? Wo liegen Grenzen der Instrumente.
Die Veranstaltungsreihe „à propos Astronomie“ ist auf Einordnung und Verständlichkeit ausgerichtet – ohne den Anspruch, Komplexität wegzubügeln. Ziel ist es, den aktuellen Stand so zu vermitteln, dass interessierte Laien die Logik der Forschung nachvollziehen können und das konnte man nach Abschluss auch dieses Vortrages, zudem rund 100 Zuhörer kamen, mit Fug und Recht feststellen und ließ sich auch unschwer am reichhaltigen Applaus und den Fragen der Zuhörerschaft im Anschluss entnehmen.

Foto: Roland Leibold
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