
Studie sieht hohen Sanierungsbedarf – Kritik an Ablehnung im KreistagGrüne im Vogelsbergkreis fordern kreiseigene Wohnungsbaugesellschaft
VOGELSBERGKREIS (ol). Die Grünen im Vogelsbergkreis sehen sich durch eine aktuelle Studie in ihrer Forderung nach einer kreiseigenen Wohnungsbaugesellschaft bestätigt. Der Energiebedarf der Wohngebäude liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Die Partei kritisiert die Ablehnung entsprechender Initiativen im Kreistag und fordert gemeinsames Handeln von Kreis und Kommunen. Ziel sind Sanierung, Leerstandsabbau und bezahlbarer Wohnraum.
Die Grünen im Vogelsbergkreis sehen sich durch eine Analyse des Pestel-Instituts (LA vom 07. Januar) in ihrer Forderung nach der Schaffung einer kreiseigenen Wohnungsbaugesellschaft bestätigt. Laut der Studie liegt der Energiebedarf der Wohngebäude im Vogelsbergkreis mit rund 8 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt – ein klarer Hinweis auf einen überdurchschnittlich hohen Sanierungsbedarf, so die Grünen in einer Pressemitteilung.
„Ich habe den Bericht mit Kopfschütteln gelesen“, erklärt Cornelia Bothe, Fraktionsmitglied und Spitzenkandidatin der Grünen. „Erst vor wenigen Tagen hat die große Koalition im Kreistag einen Antrag der Grünen abgelehnt, der genau diese Problemlage aufgreift und die Grundlagen für eine kommunale Wohnungsbau- und Sanierungsgenossenschaft schaffen sollte.“
Der Antrag sah vor, eine Genossenschaft in Zusammenarbeit zwischen Kreis, Gemeinden sowie privaten Bau- und Handwerksbetrieben zu gründen. Ziel wäre es gewesen, energetische Sanierungen zu unterstützen, Leerstände zu reduzieren und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.
„Es geht ausdrücklich nicht darum, im großen Stil neue Wohnblöcke zu errichten“, betont Bothe. „Vielmehr müssen die zahlreichen Leerstände im Kreis systematisch erfasst, in einem Kataster dokumentiert und dort saniert werden, wo es sinnvoll und möglich ist. Dazu gehört auch, gezielt Fördermittel einzuwerben.“ Auch der Verkauf von Immobilien zu symbolischen Preisen an bedürftige Bürgerinnen und Bürger mit verbindlicher Sanierungsauflage sei ein andernorts bereits erfolgreich beschrittener Weg.
Das Argument, hierfür stünden keine finanziellen Mittel zur Verfügung, weisen die Grünen zurück. „In anderen Landkreisen mit vergleichbarer finanzieller Situation wurden solche Modelle bereits erfolgreich umgesetzt – etwa im Landkreis Gießen oder im Wetteraukreis“, erklärt Dr. Udo Ornik, Fraktionsvorsitzender der Grünen Kreistagsfraktion.
Der im Vogelsbergkreis im Bundesvergleich um 7,7 Prozent höhere Energieverbrauch pro Quadratmeter unterstreiche den Handlungsdruck zusätzlich. „Der Kreis muss gemeinsam mit den Kommunen aktiv werden und Fördermittel strategisch bündeln“, so Ornik. „Wir Grünen werden hier konsequent dranbleiben.“
Auch Daniel Schmidt, Bürgermeisterkandidat der Grünen in Lauterbach, sieht in der Sanierung bestehender Gebäude große Chancen: „Die Umnutzung leerstehender Alt- und Hofgebäude in den Ortskernen kann nicht nur dringend benötigten Wohnraum schaffen, sondern zugleich Klimaschutz, Ortsbild, Innenentwicklung und Tourismus stärken. Kleinere, altengerechte Wohnungen ermöglichen zudem, dass größere Häuser für junge Familien frei werden – ein wichtiger Impuls für energetische Investitionen.“
Abschließend betont Ornik: „Umso wichtiger ist es jetzt, dass Kreis und Gemeinden gemeinsam handeln. Die Fakten liegen auf dem Tisch.“
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