
Bürgermeisterwahl in Lauterbach: Kandidaten beantworten Fragen – Teil 3Holger Marx: „Ich bin ein Mensch, der sorgfältig abwägt und zuhört“
LAUTERBACH (aep/jal). Bei den Kommunalwahlen am 15. März geht es für Lauterbach um mehr als um das Stadtparlament. Gesucht wird ein Nachfolger für Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller. Fünf Kandidaten gibt es bei der Wahl, die sich einer Reihe Fragen der OL-Redaktion stellen. Im dritten Teil antwortet Holger Marx.
Im Beruf ist er selbständiger Schornsteinfegermeister und Gebäudeenergieberater. In der Politik kennt man Holger Marx in Lauterbach als Stadtverordneten der CDU und seit 2021 als Ersten Stadtrat und damit Stellvertreter des Bürgermeisters. Die CDU unterstützt den zweifachen Familienvater bei der Kandidatur. Die Nähe zum langjährigen Amtsinhaber gilt als ein Vorzug des 51-jährigen Kandidaten, aber mitunter auch als Bürde: Er könnte ein Abziehbild von Rainer-Hans Vollmöller sein.
Was befähigt Sie zum Amt des Bürgermeisters?
Ich bringe Verwaltungserfahrung, politische Erfahrung und berufliche Praxis zusammen. Als Stadtverordneter und seit 2021 als Erster Stadtrat habe ich zentrale Projekte in Lauterbach begleitet, Entscheidungen vorbereitet und in Abwesenheit des Bürgermeisters die Verwaltung geführt. Dadurch kenne ich die Abläufe, die Herausforderungen und die Verantwortung des Amtes sehr genau.
Sind Sie impulsiv oder zurückhaltend reflektierend?
Ich bin ein Mensch, der sorgfältig abwägt und zuhört. Mir ist wichtig, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen. Wenn eine Entscheidung getroffen ist, setze ich sie aber klar und verlässlich um. Sachlichkeit geht für mich vor Schnellschüssen.
Ihr Verhältnis zur Stadtverordnetenversammlung – Motor oder Moderator?
Der Bürgermeister ist beides. Er muss Impulse geben, Themen voranbringen und Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig ist er Moderator zwischen Fraktionen, Verwaltung und Öffentlichkeit. Mir ist ein respektvolles, konstruktives Miteinander mit der Stadtverordnetenversammlung sehr wichtig.
Wie stehen Sie zur Digitalisierung der Verwaltung? Wie weit ist Lauterbach bei dem Thema?
Lauterbach ist auf einem guten Weg, aber noch nicht dort, wo wir sein müssen. Digitalisierung bedeutet für mich vor allem einfachere Abläufe, kürzere Wege und bessere Erreichbarkeit – für Bürger, Unternehmen und Mitarbeitende. Das Thema hat für mich hohe Priorität, weil es Effizienz schafft und Kosten senken kann. Ich möchte das Ratsinformationssystem für alle Bürgerinnen und Bürger öffnen, damit alle Dokumente zugänglich sind.
Was bedeutet für Sie Bürgernähe und Mitbestimmung?
Bürgernähe heißt für mich ansprechbar zu sein, zuzuhören und Entscheidungen nachvollziehbar zu erklären. Beteiligung der Bürger ist wichtig, gerade bei größeren Projekten. Gleichzeitig gehört Ehrlichkeit dazu: Nicht alles ist umsetzbar, aber jede Meinung verdient Gehör.
Lauterbach ist wieder sehr klamm in der Kasse. Wie wollen Sie den Haushalt sanieren? Wo fangen Sie an: weniger Ausgaben oder mehr Einnahmen?
Zunächst braucht es eine klare Priorisierung der Aufgaben. Wir müssen prüfen, was wirklich notwendig ist, Strukturen hinterfragen und effizienter werden. Parallel ist mir wichtig, die Einnahmeseite zu stärken – durch wirtschaftliche Entwicklung und stabile Rahmenbedingungen für Unternehmen.
Was sind Ihre drei Top-Prioritäten für Lauterbach?
Wirtschaft: Starke Betriebe sichern Arbeitsplätze, Ausbildung und kommunale Einnahmen.
Stadtteile: Regelmäßiger Austausch mit den Ortsbeiräten und ein fester Ansprechpartner in der Verwaltung.
Innenstadt: Städtebauliche Veränderungen für mehr Lebensqualität in der Innenstadt (Sitzgelegenheiten, Barrierearm, etc.) für alle Generationen.
Ihre langjährige Nähe zu Rainer-Hans Vollmöller: Ist das ein Vorteil oder Nachteil?
Ich habe großen Respekt vor seiner Leistung in den vergangenen 30 Jahren in Lauterbach. Ich bin jedoch ein anderer Mensch, auch eine andere Generation. Ich habe in den letzten fünf Jahren sehen können, was schon gut läuft und wo ich Dinge anders gestalten möchte. Ich stehe für neue Impulse und meinen eigenen Stil.
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In dieser Reihe beantworten auch weitere Kandidaten unsere Frage zu ihren Vorstellungen:
Daniel Schmidt finden Sie hier.
In einem Interview mit Oberhessen-live hat der scheidende Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller auf Erkenntnisse aus seiner langen Dienstzeit zurückgeblickt.
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