
Pfarrei Heilige Drei Könige am Vogelsberg stellt Einsparpläne vorSechs Kirchen sollen weichen
VOGELSBERGKREIS (ol). Die katholische Pfarrei Heilige Drei Könige am Vogelsberg plant aus Kostengründen die Profanierung von sechs Kirchen in der Region. Hintergrund sind sinkende Kirchensteuereinnahmen und deutlich reduzierte Zuweisungen aus dem Bistum Mainz. Die Entscheidung ist Teil eines umfassenden Sparprozesses, der alle Kirchengemeinden betrifft.
Dass die Kirchen sparen müssen, ist schon lange kein Geheimnis mehr: Mitgliederschwund machen den Institutionen zu schaffen; damit einher gehen sinkende Einnahmen an Kirchensteuern. Bei den katholischen Kirchengemeinden führt dies zu geringeren Zuweisungen aus den Bistümern – auch die aus den drei katholischen Gemeinden St. Christophorus Alsfeld, Johannes Paul II. Homberg und St. Michael Ruhlkirchen im vergangenen Jahr gegründete Pfarrei Heilige Drei Könige am Vogelsberg ist davon betroffen, wie diese in einer Pressemitteilung berichtet.
„Alle Kirchengemeinden sind von unserem Bistum in Mainz beauftragt worden, eine Reduzierung der Kosten für die Instandhaltung der Kirchen und Gemeindehäuser um fünfzig Prozent zwingend anzustreben“, berichtet Verwaltungsleiterin Monika Erzgräber. Für dieses anspruchsvolle Unterfangen wurde schon im Vorfeld der Pfarreigründung eine Projektgruppe gebildet. Fast ein Jahr lang beriet das Gremium darüber, welche Einsparvorschläge man dem Bistum präsentieren könne und gab die Entscheidung dann zur Abstimmung in die Pastoralraumkonferenz der zukünftigen Pfarrei. In drei Gemeindeversammlungen wurde anschließend über die Entscheidung informiert. Nun gibt es eine Liste – abgestimmt mit allen Beteiligten und dennoch schmerzhaft, denn sechs katholische Gotteshäuser sollen auf mittlere Sicht profaniert werden, d. h. ihre sakrale Nutzung verlieren und weltlichen Zwecken zugeführt werden. Um den Prozess zu begleiten, weitere Schritte zu planen und Überlegungen für die Zukunft dieser Kirchen zu treffen, lud die Pfarrei im vergangenen Jahr interessierte Gemeindemitglieder zur Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe zum Thema Gebäude ein.
„Für uns alle ist dies ein schmerzhafter Prozess, insbesondere für die Menschen in den betroffenen Gemeinden“, sagt Gemeindereferentin und Koordinatorin Sonja Hiebing, „doch wir sehen ja, wie der Gottesdienstbesuch zurückgegangen ist, was uns die Erhaltung der Gebäude kostet und wie letztendlich auch die Einnahmen schrumpfen.“ Sie weiß, dass mit den Kirchen viele Erinnerungen und Emotionen verbunden sind. Besonders Kirchen, die nach dem Krieg von Heimatvertriebenen hier in der Region oftmals mit eigenen Händen errichtet wurden, liegen den Menschen am Herzen. In den katholischen Dörfern im Katzenberg prägen die Kirchen seit Jahrhunderten das Ortsbild, sind identitätsstiftend und Ausdruck gelebten Glaubens. Letzteres jedoch für immer weniger katholische Christen und Christinnen. Pfarrer Jozef Madloch ergänzt: „Viele Kosten rund um die Erhaltung der Gebäude bleiben auch bei geringer Nutzung bestehen, sodass wir nun gezwungen sind, die vorgeschriebenen Maßnahmen aus dem Bistum umzusetzen.“
Für die Profanierung vorgesehen sind die Kirchen in den Orten Brauerschwend, Grebenau, Groß-Felda, Kirtorf, Nieder-Gemünden und Vockenrod. Sie sind bei der Bewertung in der Kategorie 4 gelandet. „Hier sind die Anzahl der Gottesdienstbesucher, der Zustand der Gebäude und die anfallenden Kosten für die Unterhaltung eingeflossen“, erläutert Verwaltungsratsmitglied Godehard Scheer und Mitglied der Projektgruppe aus Burg-Gemünden. Für diese sechs von insgesamt zwölf Kirchen in der Pfarrei soll es ab dem kommenden Jahr keine finanziellen Zuweisungen mehr aus dem Bistum geben. Die Erhaltung der Kirchen in Ohmes und Seibelsdorf wird noch mit 16,5 Prozent bezuschusst, die Kirche in Romrod mit 33 Prozent und die 1-kategorisierten Gebäude in Alsfeld, Homberg und Ruhlkirchen wie bisher mit 50 Prozent. „Und das auch nur, wenn wir für die sechs Kirchen in der schlechten Kategorie bis zum Jahresende ein schlüssiges Verwendungskonzept vorlegen“, fügt Michael Krummeich, Mitglied des Pfarreirats aus Brauerschwend und der Arbeitsgruppe Gebäude, an; dem Bistum ist es also sehr ernst mit der Umsetzung.
Neue Verwendung – dies könnten Konzepte für eine andere Nutzung – in Krummeichs Heimatort vielleicht als regelmäßiger Treffpunkt für Heimatvertriebenenverbände – sein, in deren Ideen Kommunen, bestehende Vereine und neu zu gründende Fördervereine eingebunden werden können. Hier ist die Pfarrei mancherorts bereits im Austausch mit den Rathäusern und gesellschaftlichen Akteuren der betroffenen Orte. Wenn all dies nichts bringt, es keine Konzepte gibt oder die vorgeschlagenen von den entsprechenden Stellen im Bistum nicht als zukunftstauglich erachtet werden, dann werden auch Verkäufe der Kirchen angestrebt – Verkehrswertgutachten für alle in Betracht kommenden Gebäude liegen vor. Bei sakralen Bauwerken wie der Kirche in Grebenau ist ein Verkauf oder eine Vermietung aufgrund der modernen Architektur und Gebäudestruktur durchaus denkbar, bei einem historischen Bau wie der Kirche in Vockenrod allerdings kaum vorstellbar. Auch für die Menschen vor Ort nicht, wie Martina Mest und Susanne Botthof-Schlitt betonen. „Außerdem wollen und dürfen wir auch nicht jedem Nutzungszweck eines neuen Besitzers der Kirche zustimmen“, gibt Monika Erzgräber zu bedenken. Und so bleiben in diesem Prozess derzeit auch noch viele Fragen offen: Was, wenn es weder ein neues Nutzungskonzept noch einen Käufer gibt? Werden die Kirchen dann nicht mehr unterstützt und profaniert, um leer zu stehen und nicht mehr als sakrale Gebäude genutzt zu werden, oder dürfen sie weiter als Kirchen genutzt werden? Welche Beratung und Unterstützungen sind von Seiten des Bistums zu erwarten? Und wie kann man die Menschen in ihren Sorgen und Ängsten überhaupt mitnehmen in diesem schwierigen Prozess? Fragen, die man sich auch in der Pfarrei rund um Alsfeld, Homberg und Ruhlkirchen stellt, und die viele Menschen, auch die Mitglieder des Verwaltungsrates und der Arbeitsgruppe, umtreibt. Und nicht nur sie: Gerade das Thema der Gebäude ist omnipräsent – es bewegt die Menschen beider großer Konfessionen in Deutschland und strahlt auch in die Politik. Auf diese Weise können in der Krise auch neue Verbindungen entstehen, mit den Kommunen, den Vereinen und auch der evangelischen Kirche, die ihre Gotteshäuser bei Bedarf auch für katholische Gottesdienste öffnen könnte.
Sonja Hiebing sagt dazu: „Es ist nicht einfach, dass wir uns, nachdem wir vor einem Jahr fusioniert sind, um das Gemeindeleben neu zu gestalten, nun auch mit diesem traurigen Thema beschäftigen müssen, aber dennoch: Dass sich so viele Menschen in unserer Pfarrei mit dem Thema beschäftigen, zeigt, dass sie bereit sind, den Prozess mitzugestalten.“
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