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Trotz hoher Niederschläge sieht die SGV keine EntspannungSchutzgemeinschaft Vogelsberg warnt vor anhaltenden Problemen bei der Grundwasserbildung

VOGELSBERGKREIS (ol). Trotz voller Bäche und Flüsse nach Niederschlägen und Schneeschmelze im Februar warnt die Schutzgemeinschaft Vogelsberg e. V. vor einer trügerischen Entspannung. Nach Einschätzung des Vereins bleibt die Grundwasserneubildung weiterhin unzureichend. Die SGV fordert unter anderem mehr dezentrale Regenrückhaltung, eine stärkere Trinkwassereigenversorgung im Rhein-Main-Gebiet sowie die Wiedereinführung eines Wasserentnahmeentgelts in Hessen.

Nach den aktuellen Niederschlägen und der Schneeschmelze im Februar sind viele Gräben, Bäche und Flüsse gut mit Wasser gefüllt. Häufig treten die Fließgewässer über ihre Ufer und überschwemmen die schöne Vogelsberg-Landschaft. Mithin könnte man meinen, dass es dadurch mit der Grundwasserbildung, den Grundwasserständen und mit der Trinkwasserversorgung keine Probleme gibt. Doch weit gefehlt, heißt es in der Pressemitteilung der Schutzgemeinschaft Vogelsberg e. V.

Foto: sgv

Der Tiefbauer Wolfgang Schleich aus Gedern, der engagiertes Mitglied in der sgv ist, hat Mitte Februar, anlässlich der Anlage von Biotopen am Hillersbach zwischen Burkhards und Glashütten, festgestellt, dass das Erdreich eben nicht durchfeuchtet beziehungsweise nass ist. Er hat im Zuge der Biotopanlage mit seinem Bagger circa 200 Meter vom Bach entfernt Erdarbeiten durchgeführt. Das Erdreich, das er zum Vorschein gebracht hat, war nicht, wie man vermuten könnte, nass und feucht, sondern völlig trocken. In der ausgehobenen Grube hat sich auch, kein Wasser gesammelt. Noch vor zehn Jahren wäre das Loch schnell bis zur Hälfte mit Wasser vollgelaufen, so der erfahrene Bauunternehmer, der sich der Anlage von Biotopen zur Wasserrückhaltung und Wasserversickerung angenommen hat.

Die Auswirkungen der vergangenen Trockenjahre auf Struktur der vorherrschenden Lehmböden sind fatal. Auch der fehlende Frost im Winter trägt dazu bei, dass die Böden kaum Regenwasser in die Grundwasser führenden Schichten abgeben. Das meiste Tauwasser aus den Hochlagen des Vogelsberges landet auch derzeit wieder viel zu schnell in den Bächen und Flüssen, heißt es. Wir brauchen zur Stabilisierung der Grundwasserstände ein Vielfaches an dezentralen Regenrückhalteeinrichtungen, so Schleich weiter.

Deshalb sind die Forderungen der sgv noch genauso aktuell wie vor Jahren. Wir müssen
weiter sehr sparsam mit der kostbaren und nicht unendlich zur Verfügung stehenden Res-
source „Wasser“ umgehen. Gerade die Politik und die Menschen im Rhein-Main-Gebiet, die fast 40 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr aus dem Vogelsberg beziehen, müssen endlich verstehen, dass der Klimawandel voranschreitet und dass künftig nur noch weniger Wasser aus den Gewinnungsgebieten in Richtung der Metropole gefördert werden kann.

Das Rhein-Main-Gebiet muss vermehrt auf die Trinkwassereigenversorgung setzen und
endlich die schon von der sgv seit Jahren geforderte Brauchwasserleitung in Neubauten
und Bebauungsgebieten verpflichtend umsetzen.

Auch die Landesregierung ist gefordert und muss die Erhebung des Wasserentnahmeent-
geltes, nachdem dies in den 1990er Jahren abgeschafft wurde, wieder einführen. Die Ab-
gabe soll externe Kosten der Wassernutzung internalisieren, um die Wasserbewirtschaf-
tung zu finanzieren und Anreize für die Nachhaltigkeit zu setzen.

Das Land Hessen lehnt die Einführung des Wassercents in dieser Wahlperiode weiter ab.
13 von 16 Bundesländern haben die Abgabe schon länger eingeführt; auch das Land Bay-
ern will ab Juli dieses Jahres nachziehen. Die Landeshauptstadt Wiesbaden hat eine
Wasserverbrauchssteuer ab dem 01 Januar 2024 eingeführt. Der vom hessischen Innenministerium ausgerufene „Stopp“ dieser Abgabe, wurde durch das Verwaltungsgericht Wiesbaden im letzten Jahr aufgehoben. Die Stadt Frankfurt wehrt sich weiterhin eine solche Abgabe, die zu einem bewussteren Umgang mit Trinkwasser führen würde, einzuführen.

Eine weitere Forderung der sgv an die Landesregierung ist, die Förderung von kommuna-
len und teilräumlichen Wasserkonzepten, die bis zum Ende des Jahres befristet ist, weiter
zu gewähren. Damit wird den Städten und Gemeinden sowie den Zweckverbänden und
kommunalen Unternehmen in Hessen die Möglichkeit gewährt, Konzepte zur nachhalti-
gen, klimaanpassungsfähigen öffentlichen Wasserversorgung und die Potenzialanalyse
zur Nutzung von Betriebswasser zu erstellen.

Die Schutzgemeinschaft Vogelsberg e.V. wurde in 1989 gegründet und setzt sich für den Grundwasserschutz im Einzugsgebiet des Vogelsberges und gegen den Wasserraubbau
in Richtung Rhein-Main ein. Die sgv hat aktuell als Mitglieder 3 Landkreise, 26 Kommu-
nen, 78 Vereine und Verbände sowie 190 Einzelpersonen. Damit ist der Verein einer der
größten klageberechtigten Umweltverbände in Hessen. Weitere Infos unter www.sgv-ev.de.

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