
Jugendbeteiligung und altersgerechtes Wohnen im Fokus beim dritten Treffen im Lokal „Zum Kotte“.Stammtisch der Alsfelder Grünen: Zukunft der Heimat im Blick
ALSFELD (ol). Beim dritten Stammtisch der Alsfelder Grünen diskutierten Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit Fachreferentinnen über die Zukunft der Stadt. Themen waren die Beteiligung von Jugendlichen, inklusive Projekte wie Skatepark und Jugendparlament, sowie altersgerechtes Wohnen, das Selbstständigkeit fördert und Einsamkeit verhindert.
Am 11. Februar hatte der Alsfelder Ortsverband der Grünen zum dritten Stammtisch ins Lokal „Zum Kotte“ eingeladen. Unter dem Leitgedanken „Lebenswerte Heimat für alle, die in Alsfeld wohnen oder hier wohnen wollen“ diskutierten Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit zwei Fachreferentinnen zentrale Zukunftsfragen: gute Rahmenbedingungen für junge Menschen – und würdiges, selbstbestimmtes Wohnen im Alter, so heißt es in der Pressemitteilung der Grünen Alsfeld.
Jugendbeteiligung zwischen Engagement und Gegenwind
Maria Hoyer vom evangelischen Dekanat gab Einblicke in die kommunale Jugendarbeit. Deren Angebote stehen allen Jugendlichen offen – unabhängig von Herkunft, Religion oder sexueller Orientierung. Ein zentrales Instrument der Mitbestimmung ist das Kinder- und Jugendparlament. Hier können junge Menschen eigene Themen einbringen, sich anmelden und regelmäßig mit dem Stadtparlament zusammentreffen. Fragen wie „Hass und Hetze im Netz“, Schule, ÖPNV, Freizeitangebote oder Vereinsleben stehen dabei auf der Agenda.
Die Jugendlichen verfügen über Rederecht in politischen Ausschüssen und werden durch Seminare etwa zu Rhetorik oder Selbstwahrnehmung auf ihre Auftritte vorbereitet. Zweimal jährlich üben sie in öffentlichen Sitzungen des Jugendparlaments, bevor sie in Stadt- oder Kreisverordnetenversammlungen auftreten. Dort erfahren sie politische Debatten in aller Schärfe – inklusive Anfeindungen im realen und virtuellen Raum, die zunehmend zur Belastung werden.
Mit fünf bis neun aktiven Vertreterinnen und Vertretern bildet das Jugendparlament eine konstante Basis. Ein eigener Etat sowie zusätzliche Förderprogramme ermöglichen konkrete Projekte. Als Leuchtturm gilt der Alsfelder Skatepark, der damals von Jugendlichen mitgeplant und gestaltet wurde. Neben Parlament und Projekten existieren Begegnungsräume wie ein Vereinsheim und Jugendraum, Jugendfreizeiten sowie ein queerer Jugendtreff (mittlerweile in Lauterbach angesiedelt). Kritisch bewertet wurde die personelle Ausstattung: Für die kommunale Jugendarbeit steht lediglich eine halbe Stelle zur Verfügung – deutlich zu wenig angesichts des Bedarfs.
Wohnen im Alter: Gemeinschaft statt Einsamkeit
Im zweiten Teil des Abends rückte das Thema „Wohnen im Alter“ in den Fokus. Sigi Platschka vom evangelischen Dekanat berichtete von einem Projekt, das vor drei Jahren aus Gesprächen über Einsamkeit im Alter entstand. Eine daraus resultierende Befragung älterer Menschen in der Region zeigte deutlich: Gewünscht werden zentrale Wohnlagen mit guter Mobilität, Einkaufsmöglichkeiten und ärztlicher Versorgung – also Rahmenbedingungen, die ein selbstständiges Leben ermöglichen. Für die Region bedeutet das vor allem Standorte wie Alsfeld oder Lauterbach.
Als geeignetes Objekt wurde das ehemalige LEZ-Gebäude in Lauterbach ins Auge gefasst, das Aufzüge, eine Dachterrasse und Erweiterungsmöglichkeiten in modularer Bauweise bot. Doch die Finanzierung erwies sich als große Hürde. Diskutiert wurden Modelle wie Mehrgenerationenwohnen, Genossenschaftsgründungen und Finanzierung durch KfW-Förderung oder private Investoren. Trotz Engagement stockte das Projekt zunächst. Erst mit der Einrichtung einer vollen Projektstelle im Vogelsbergkreis im Frühjahr 2025 gibt es nun neue Perspektiven.
Im Mittelpunkt von „Wohnen im Alter“ steht nicht der Neubau, sondern die Umnutzung bestehender Gebäude – etwa leerstehender Gewerbeimmobilien. Förderprogramme des Bundes könnten hier unterstützen. Gleichzeitig wurden Herausforderungen benannt: Junge Familien zieht es häufig in Ballungsräume, wodurch Mehrgenerationenkonzepte im ländlichen Raum schwer umzusetzen sind. Denkbar wäre auch, Dörfer mit Leerstand gezielt als Altenwohnsiedlungen zu entwickeln – mit gebündelter Versorgung, etwa durch einen zentralen Fahrservice oder Lebensmittel-Lieferdienste. Problematisch bleibt die ärztliche Versorgung, die im ländlichen Raum generell unter Druck steht. Programme zur Förderung von Landärzten gelten als wichtiger Ansatz.
Eine weitere Informationsveranstaltung zum Thema „Wohnen im Alter“ ist für März im Freiwilligenzentrum Alsfeld geplant.
Fazit
Der Stammtisch machte deutlich: Eine lebenswerte Heimat entsteht durch Beteiligung, Gemeinschaft und tragfähige Strukturen. Jugendliche brauchen echte Mitspracherechte, Schutz vor Anfeindungen und ausreichend personelle Unterstützung. Ältere Menschen benötigen Wohnformen, die Selbstständigkeit fördern und Einsamkeit verhindern. Politik, Zivilgesellschaft und engagierte Bürgerinnen und Bürger sind gleichermaßen gefordert, innovative Modelle voranzubringen – pragmatisch, finanziell solide und mit langem Atem. Nur so kann Alsfeld für alle Generationen attraktiv bleiben.
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