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Evangelisches Dekanat Vogelsberg zeigt Impulse zur neuen Nutzung kirchlicher Gebäude in Homberg und HerbsteinAusstellung regt zur Mitgestaltung kirchlicher Veränderungsprozesse an

HOMBERG OHM (ol). Mit der Ausstellung „Vom heiligen Ort zum LebensRaum – Kirchliche Gebäude neu und anders nutzen“ lädt das Evangelische Dekanat Vogelsberg dazu ein, Veränderungsprozesse in der Kirche aktiv mitzugestalten. In der Evangelischen Stadtkirche Homberg (Ohm) wurden zwei Ausstellungen zusammengeführt, die Beispiele für neue Nutzungskonzepte kirchlicher Gebäude vorstellen. Rund 50 Gäste besuchten die Vernissage, die von Impulsen aus Kirche, Kommune und Zivilgesellschaft begleitet wurde.

Dass die Kirchen sich in einem riesigen Veränderungsprozess befinden, ist nicht neu. Dass die Gemeinden diesen – nicht immer leichten Prozess – jedoch mitgestallten können und sollten, das betonte Pfarrer Michael Koch vor wenigen Tagen in seiner Ansprache zur Eröffnung einer besonderen Präsentation in der Evangelischen Stadtkirche in Homberg (Ohm). Unter dem Titel „Vom heiligen Ort zum LebensRaum – Kirchliche Gebäude neu und anders nutzen“ hat das Evangelische Dekanat Vogelsberg unter der Federführung von Diakon Holger Schäddel zwei Ausstellungen zusammengeführt und regt damit zum Nachdenken, Ideensammeln und Mitgestalten an. Gut fünfzig Menschen waren der Einladung nach Homberg gefolgt. Die Vernissage wurde musikalische begleitet vom Posaunenchor Maulbach unter der Leitung von Frank Dörr, berichtet das Evangelische Dekanat in einer Pressemitteilung.

Eine Ausstellung, die unterschiedliche Gefühle hervorruft, wie Michael Koch betonte: Freude über gute Ideen und Zukunftsperspektiven auf der einen Seite, Sorge um das, was man aufgibt und verliert, auf der anderen. Die Veränderung könne man nicht ignorieren – wer sie nicht mitgestalte, laufe Gefahr von ihr überrollt zu werden. Dieser Realität trage das Projekt Rechnung. Bei aller Unsicherheit dürfe man nicht vergessen, dass die Evangelische Kirche stets eine Kirche in Veränderung war: „Kirche ist niemals fertig“, so Koch, sie reformiere sich mit den Inhalten und den Menschen. Allein der Zweck bleibe bestehen: die beste Botschaft von allen, nämlich von der Liebe Gottes, zu den Menschen zu bringen. Die Ausstellung könne helfen, ins Gespräch darüber zu kommen, wie Veränderung gestaltet werden könne. Im Nachbarschaftsraum Homberger Land beschäftigt sich bereits eine Laborgruppe genau damit – Gemeindeglieder experimentieren mit ihrem „Traum von einer Gemeinde“ und entwickeln Ideen für die Zukunft. Genau dazu seien alle Menschen eingeladen.

Holger Schäddel dankte allen, die zum Gelingen des Angebots sowohl in Homberg (Ohm) als auch im weiteren Verlauf in Herbstein beitragen. Die beiden Evangelischen Kirchen werden während der Ausstellungsdauer täglich öffnen und von Ehrenamtlichen besetzt sein. Begleitprogramme werden die Inhalte der Ausstellungen vertiefen. Diese setzen sich aus zwei verschiedenen Ausstellungen zusammen: Es werden Ausschnitte sowohl aus der Ausstellung „Land und Leute – Die Kirche in unserem Dorf“ der Wüstenrot Stiftung gezeigt als auch der Ausstellung „Heilige Räume – Neues Konzepte“ des Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen e.V.

Ein Beispiel für eine Inwertsetzung einer profanierten Kirche hatte Christoph Oberweis aus der Nähe von Trier dabei. Er ist Mitglieder der Dorfgemeinschaft Sirzenich e.V., der es vor einigen Jahren in Zusammenarbeit mit der Kommune und Vereinen gelungen ist, die Kirche wieder „in Wert zu setzen“, also, nachdem sie von dem Bistum außer Dienst gestellt wurde, sie zu beleben und auch wieder für Gottesdienste zu bespielen. In einem launigen Rückblick machte Oberweis deutlich, welche historische Bedeutung die Kirche in dem Ort an der luxemburgischen Grenze für die Menschen hatte und wie schmerzhaft der teilweise Abriss des Gotteshauses war. Umso glücklicher zeigt sich die Gemeinde heute. Ihr ist mit der Inwertsetzung eine Kombination gelungen aus Kirche und Dorftreff. Hier finden heute viele Begegnungen statt – nicht nur das kirchliche, sondern das Gemeindeleben an sich hat von dem Engagement profitiert, wie Oberweis eindrucksvoll darlegte.

Feierliche eröffnet wurde die Ausstellung von der stellvertretenden Dekanin Luise Berroth. Sie unterstrich die Bedeutung der kirchlichen Gebäude als „gebaute Symbole“. Kirchen vermittelten etwas, hätten etwas Lebendiges und Heiliges. Dennoch hätten sie sich auch schon immer verändert – mit den Menschen. Die Herausforderung anzunehmen und den Prozess mitzugestalten sei wichtig; die Ausstellung liefere dazu wertvolle Impulse, nicht nur, weil sie in der Zusammensetzung aus zwei Ausstellungen sowohl Beispiele für die Inwertsetzung von Kirchengebäuden als auch für die Nutzung als Wohnraum zeige, sondern weil gerade in Homberg auch ein Blick in die Vergangenheit und in die zukunftsorientierte Arbeit der Laborgruppe möglich sei.

Dass Veränderungen und Gebäudeprozesse keine rein kirchliche Angelegenheit seien, legte im Anschluss Hombergs Bürgermeisterin Simke Ried dar. Sie verwies in ihrem programmatischen Grußwort auf persönliche Eindrücke von einem hessischen Kongress in Wiesbaden zum Motto: Die Kirche bleibt im Dorf. Davon ausgehend betonte sie, dass die netzwerkartige Bezugnahme bei optionalen Mehrfachnutzungen von Gebäuden zwischen der Kommune, den vielfältigen Vereine und nicht zuletzt den Kirchen anzulegen sei – damit die Prozesse nicht losgelöst voneinander ins Leere laufen.

Im Rahmen der Ausstallung war auch eine Begegnung, speziell zum Thema „Wohnen im Wandel“ möglich. Ausstellungsmacherin Klara Franke und Dr. Carolin Braatz vom Evangelischen Dekanat lieferten dazu Impulse. Die Ausstellung in Homberg (Ohm) war bis zum 12. Februar zu sehen; danach zieht sie weiter nach Herbstein, wo sie vom 23. Februar bis 1. März, täglich von 16 bis 20 Uhr gezeigt wird. Dort wird eine Diskussionsveranstaltung am 24. Februar einen weiteren inhaltlichen Impuls liefern. Unterstützt wird die Ausstellung vom Zentrum für Bildung und Gesellschaft der EKHN, von der Wüstenrot Stiftung und aus Mitteln des Transformationsbudgets der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau sowie dem Paritätischen Verband Vogelsberg und der Glücksspirale.

Fotos: T. Schlitt

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