
Diskussion um gerechte Arbeit, starke Ausbildung und zukunftsfähige Wirtschaft bei Kaffee und KuchenAlsfelder Grüne setzen Stammtisch-Tour fort
ALSFELD (ol). Beim zweiten Stammtisch des Alsfelder Ortsverbands von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN standen gerechte Arbeitsverhältnisse, Mitbestimmung und Ausbildung im Fokus. Gemeinsam mit Gästen aus Betriebsrat und Landespolitik diskutierten Teilnehmende über Herausforderungen in der Arbeitswelt, Rentengerechtigkeit und den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Deutlich wurde die Bedeutung von Solidarität, klaren rechtlichen Rahmenbedingungen und hochwertiger Bildung.
Beim zweiten Stammtisch des Alsfelder Ortsverbands von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN am 1. Februar im Parkcafé Rambachhaus stand das Thema „Gerechte Arbeitsverhältnisse und eine menschenfreundliche heimische Wirtschaft“ im Mittelpunkt, berichtet die Partei in einer Pressemitteilung. In entspannter Atmosphäre diskutierten Mitglieder, Interessierte und die eingeladenen Gäste Adem Maden, Betriebsratsvorsitzender der CEKA PRO GmbH, sowie Felix Martin, Landtagsabgeordneter und Sprecher für Arbeit und Ausbildung von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, über aktuelle Herausforderungen der Arbeitswelt.
Adem Maden schilderte eindrücklich die schwierige Stellung von Beschäftigten und Betriebsräten, insbesondere in Insolvenzsituationen. Insolvenzverwalter und deren juristische Vertreter würden Verhandlungen häufig dominieren oder nahezu unterbinden. Kritisch merkte er an, dass auch Gewerkschaften in solchen Situationen nicht immer die erhoffte Unterstützung leisteten. Viele Fragen aus dem Publikum zeigten das große Interesse an der Arbeit von Betriebsräten, etwa zur gesetzlichen Verankerung und zu ihren tatsächlichen Handlungsmöglichkeiten.
Maden machte zudem deutlich, dass Unternehmen zwar formal gesetzeskonform handelten, bestehende Regelungen jedoch oft zu unklar seien. Diese Grauzonen würden genutzt, um die Gründung von Betriebsräten zu erschweren – etwa indem Beschäftigte durch unterschiedliche Löhne gegeneinander ausgespielt würden. Die Folge sei, dass Forderungen nach fairen Tarifentgelten gar nicht erst gemeinsam artikuliert würden. Er beklagte außerdem die geringe Bereitschaft vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, sich gewerkschaftlich oder im Betriebsrat zu engagieren. Ursache seien häufig Ängste vor Nachteilen, insbesondere in kleineren Betrieben, die Mitbestimmung skeptisch gegenüberstünden.
Als Gegenstrategie plädierte Maden für einen stärkeren Zusammenschluss und Austausch von Betriebsräten untereinander. Gemeinsame Plattformen und Veranstaltungen könnten helfen, den Rückhalt zu stärken, Gewerkschaften wieder stärker einzubinden und Arbeitgebern geschlossen gegenüberzutreten. Die Grünen sieht er dabei als wichtige Unterstützer. Felix Martin unterstützte die Idee, das Gespräch mit den Betriebsräten zu suchen und empfahl als Grüne organisatorisch zu unterstützen. Ähnliches versuche auch die Landtagsfraktion, um den Kontakt zu Gewerkschaften zu stärken.
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die Rentengerechtigkeit. Einigkeit bestand darüber, dass eine grundlegende Reform notwendig sei, bei der alle – auch Politiker und Beamte – in ein gemeinsames System einzahlen. Ergänzend wurden betriebliche Altersvorsorgemodelle erörtert, die Beschäftigten zusätzliche Sicherheit bieten und Unternehmen durch steuerliche Vorteile und geringere Lohnnebenkosten entlasten können.
Auch die Rolle Künstlicher Intelligenz in der Arbeitswelt wurde diskutiert. Felix Martin betonte, dass KI zwar Arbeitsprozesse verändern werde, den Menschen jedoch nicht überflüssig mache. Vielmehr entstünden neue Tätigkeitsfelder und Chancen, Produktivität mit weniger Arbeitsaufwand zu steigern.
Breiten Raum nahm schließlich das Thema Ausbildung ein. Angesichts des Fachkräftemangels sei eine qualitativ hochwertige Ausbildung zentral – für Beschäftigte wie für Unternehmen. Kritisiert wurde, dass Ausbildungen, etwa in der Pflege, durch Kosten für Auszubildende abschreckend wirkten. Weiterhin kam der Einwurf, dass bundesweit mehr freie Ausbildungsplätze als interessierte Bewerber zu verzeichnen seien und die Qualität der Qualifikation von Bewerbern stark abgenommen habe. Das hessische Landesprogramm „Zukunftsfähige Berufsschulen“ soll hier gegensteuern, indem es die duale Ausbildung stärkt, die Qualität der Berufsschulen verbessert und wohnortnahe Angebote sichert. In diesem Zusammenhang wurde auch die Bedeutung von frühkindlicher Bildung, schulischer Förderung sowie von Kitas für Sprachkompetenz, soziale Fähigkeiten und grundlegende Werte hervorgehoben.
Fazit
Gerechte und gute Arbeits- und Ausbildungsverhältnisse entstehen nur im Zusammenspiel vieler Akteure. Beschäftigte können durch Solidarität, Engagement in Betriebsräten und Gewerkschaften ihre Interessen stärken. Unternehmen sind gefordert, Mitbestimmung nicht als Bedrohung, sondern als Chance für faire, stabile und produktive Arbeitsverhältnisse zu begreifen und Ausbildung als Investition in die eigene Zukunft zu sehen. Die Gesellschaft und Politik wiederum müssen klare rechtliche Rahmenbedingungen schaffen, Bildung von der Kita bis zur Berufsschule stärken und soziale Sicherungssysteme gerecht weiterentwickeln. Nur so lässt sich eine Arbeitswelt gestalten, die wirtschaftlich leistungsfähig und zugleich menschlich fair ist. Denn das ist das schöne an unserer Demokratie: Dass wir sie aktiv mitgestalten können und sie uns Mittel an die Hand gibt, die es uns unter anderem auch ermöglichen, für gerechtere Arbeitsverhältnisse einzutreten.
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