
Neujahrsempfang verbindet Musik, Jahreslosung und GenerationenprojektInnehalten, zuhören und dazugehören im Haus Stephanus
ALSFELD (ol). Gemeinschaft statt großer Worte: Beim Neujahrsempfang im Haus Stephanus wurden Musik, Jahreslosung und ein langfristiges Generationenprojekt Menschen aller Altersgruppen miteinander verbunden. Der Shantychor „Blaue Jungs“ macht das Miteinander hörbar.
Der Neujahrsempfang im Haus Stephanus stand im Zeichen von Gemeinschaft, Musik und Zuversicht. Bewohnerinnen und Bewohner, Angehörige, Mitarbeitende und Gäste kamen im Multifunktionsraum zusammen, begleitet vom Shantychor Blaue Jungs. Die Veranstaltung verband Begrüßung, Gottesdienst und Konzert zu einem gemeinsamen Innehalten zu Beginn des Jahres, heißt es in der Pressemitteilung der Alsfelder Einrichtung.
Minh Luis, Leitung des Betreuungsdienstes, eröffnete den Nachmittag mit einem Dank an alle Anwesenden. Gemeinschaft sei kein Selbstläufer, betonte sie, sondern entstehe durch bewusste Begegnung. Das Haus verstand sich als Ort, an dem Beziehungen im Alltag wachsen durften und getragen wurden.
Der Rückblick auf 2025 ordnete zentrale Entwicklungen ein. Im Fokus stand das Projekt „Generationen Gesundheitsnetzwerk: Gemeinschaftliche Bewältigungsstrategien gegen Einsamkeit im Alter“. Gefördert wurde es im Landesprogramm „Pflegeheim – Mitten im Leben“ durch das Hessisches Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege. Das Projekt lief von September 2024 bis September 2027 und war als langfristige Strukturmaßnahme angelegt. Ziel war nachhaltige Teilhabe im Alltag, im Haus und im Quartier.
Das Netzwerk brachte ältere Menschen, Angehörige, Ehrenamtliche, Vereine, Schulen und Akteure der Stadtgesellschaft zusammen. Einsamkeit wurde konkret adressiert, durch Begegnung und gemeinsame Aktivitäten. Zu den Meilensteinen zählte das abgeschlossene Kunstprojekt „Steffi – Skulptur der Lebensfreude“. Parallel lief das kulturpädagogische Modul „Märchen verbinden, Märchen erleben mit allen Sinnen“. Wöchentlich trafen sich Generationen zum Erzählen, Musizieren und Singen. Auch Menschen mit Demenz oder eingeschränkter Mobilität wurden einbezogen, im Gemeinschaftsraum ebenso wie im eigenen Zimmer.
Im Anschluss folgte der Neujahrsgottesdienst. Pfarrerin Anke Göltenboth stellte die Jahreslosung 2026 in den Mittelpunkt, „Siehe, ich mache alles neu“. Ihre Predigt spannte den Bogen zwischen Hoffnung und Skepsis angesichts aktueller Krisen. Die Bibel erzähle von Momenten des Heilwerdens, sagte sie, vom Hören, Trösten und Aufrichten. Wer diese Zeichen wahrnehme, gehe zuversichtlicher ins neue Jahr.
Musikalisch gestalteten die „Blauen Jungs“ den Gottesdienst ausschließlich mit Männerstimmen. Der Verzicht auf instrumentale Begleitung verlieh dem Gesang eine direkte, klare Präsenz. Lieder wie „Großer Gott, wir loben dich“ und „Komm, Herr, segne uns“ trugen den Raum und wurden zum gemeinsamen Atem.
Nach dem Gottesdienst begann der Konzertteil. Wilfried Geißler, Chorleiter des Vereins, begrüßte die Gäste und skizzierte kurz Geschichte und Ausrichtung des Chors. Unter der Leitung von Dirigent Rolf Horten entfaltete sich ein Programm zwischen Seefahrerromantik, Heimatlied und Wunschkonzert. Gitarren, Akkordeon und Gesang nahmen das Publikum mit auf imaginäre Reisen, etwa mit „Der weiße Mond von Maratonga“ oder dem Medley „Eine Reise ins Glück“.
Mit Stücken wie „Die Wolken, der Wind und das weite Meer“ wurde das raue Leben der Seeleute besungen, später schlugen Volkslieder eine Brücke in biografische Erinnerungsräume. Spätestens beim gemeinsamen Singen verschwammen die Grenzen zwischen Chor und Publikum. Bewohnerinnen und Bewohner stimmten ein, manche leise, manche textsicher. Auch Menschen mit Demenz sangen mit, getragen von Melodie und Rhythmus. Kurze Reaktionen aus dem Publikum fassten die Stimmung zusammen. „Das war schön.“ „Kräftige Stimmen.“ „Das ist Heimat.“
Bei Kaffee, Kuchen und Cocktail Mixgetränken klang der Nachmittag aus. Gespräche zogen sich durch den Raum, Verabschiedungen wurden zu neuen Verabredungen. Der Wunsch nach Wiederkehr wurde mehrfach geäußert.
Der Neujahrsempfang im Haus Stephanus zeigte, wie die Jahreslosung konkret wurde. „Siehe, ich mache alles neu“ blieb kein fernes Versprechen, sondern wurde erfahrbar im gemeinsamen Singen, Zuhören und Dazugehören. Musik wirkte als verbindendes Element, über Generationen und Lebensgeschichten hinweg, als leiser, tragfähiger Beginn eines neuen Jahres.
Fotos: MinhLuis/GFDE Haus Stephanus
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