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Fraktion Die Linke sieht Informationsdefizite, Kostenrisiken und strukturelle Probleme bei StadtwerkenKritik am Glasfaserausbau in Lauterbach wird lauter

LAUTERBACH (ol). Die Fraktion Die Linke im Lauterbacher Stadtparlament übt deutliche Kritik am bisherigen Verlauf des Glasfaserausbaus. Nach ihrer Darstellung seien Kosten, Verzögerungen und Risiken lange nicht transparent kommuniziert worden. Die jüngsten Informationen der Stadt und der Stadtwerke würden mehr Fragen aufwerfen als beantworten. Die Linke fordert personelle und strukturelle Konsequenzen bei den Stadtwerken.

Die Stadt Lauterbach und ihre Stadtwerke haben nach Auffassung der Fraktion Die Linke in den vergangenen Jahren kaum öffentlich über den Fortschritt des Glasfaserausbaus und die damit verbundenen steigenden Kosten informiert, heißt es in einer Pressemitteilung der Fraktion Die Linke im Stadtparlament Lauterbach. Vor dem Hintergrund immer neuer Bürgschaften, die die Stadtparlamentsmehrheit mehrfach jährlich für das Projekt beschlossen habe, stellte die Fraktion im April 2025 den Antrag, dass Stadt und Stadtwerke in einer Ausschusssitzung ausführlich über das Projekt berichten sollten.

Diese Information habe zwar stattgefunden, jedoch ausschließlich nicht öffentlich und nur für das Parlament. „Schon diese Sitzung ließ nichts Gutes für die Zukunft des Projektes erwarten“, wird Stadtverordneter Winfried König zitiert.

Inzwischen habe das offensichtliche Ruhen des Ausbaus sowie der hohe Verlust im laufenden Betrieb dazu geführt, dass Stadt und Stadtwerke in einem Pressebericht Stellung genommen hätten. „Doch auch diese Presseveröffentlichung wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet“, erklärt Katharina Jacob, Bürgermeisterkandidatin der Linken für Lauterbach. So stelle sich unter anderem die Frage, warum erst nach drei Jahren konsequent gegen die beauftragte Firma vorgegangen worden sei. Wenn in diesem Zeitraum statt der geplanten 3000 lediglich rund 600 Haushalte angeschlossen worden seien, hätte nach ihrer Auffassung frühzeitig erkannt werden müssen, dass grundlegende Probleme vorlägen.

Unklar sei zudem, welcher finanzielle Schaden der Stadt dadurch entstanden sei und wie dieser ausgeglichen werden solle. Bereits im ursprünglich geplanten Ablauf seien die Kosten laut Pressebericht von rund 20 Millionen Euro auf etwa 30 Millionen Euro gestiegen. Da bislang erst ein Viertel der geplanten Haushalte angeschlossen sei und nun eine neue Firma beauftragt werden müsse, befürchtet die Fraktion weitere Kosten in zweistelliger Millionenhöhe für Stadtwerke und Stadt.

Schadenersatz vom ursprünglich beauftragten Unternehmen sei aus Sicht der Fraktion kaum zu erwarten. Wie aus der Pressemitteilung hervorgehe, habe die Firma bereits während der Bauphase ihren Namen gewechselt. Selbst im Falle einer Klage bestehe die Gefahr, dass sich das Unternehmen einer Haftung entziehe, so König.

Grundsätzlich sieht Die Linke auch strukturelle Probleme im Verbund von Stadt und Stadtwerken. Dieser habe in der Vergangenheit bei überschaubaren Aufgabenbereichen funktioniert, etwa beim Ausgleich von Verlusten des Freizeitbades. „Heute führt dieser Verbund dazu, dass ein Aufsichtsrat aus Magistratsmitgliedern ohne ausreichende fachliche Qualifikation die Geschicke der Stadtwerke negativ beeinflusst“, erklärt König.

Andere Städte und Gemeinden im Vogelsbergkreis hätten sich für Kooperationen mit spezialisierten Unternehmen entschieden und könnten so die notwendige Daseinsvorsorge sicherstellen, ohne sich finanziell zu überlasten, so Jacob. Vor diesem Hintergrund fordert die Fraktion Die Linke den Rücktritt des Aufsichtsrates der Stadtwerke und die Einsetzung eines fachlich qualifizierten Gremiums.

Kritisch bewertet die Fraktion zudem die Pläne zur Gründung eines neuen Geschäftsfeldes der Stadtwerke in Form einer Energie Lauterbach GmbH. Die Ankündigung, der Stadt werde damit ermöglicht, unternehmerisch zu denken und zu handeln, lasse angesichts der bisherigen Akteure Schlimmes befürchten, so König abschließend.

Zeichnung: Katharina Jacob

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