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Uwe und Andrea Thöt beraten ehrenamtlich – erster Termin am 2. März um 16 UhrPeer-Beratung für an Multipler Sklerose erkrankte Menschen

ALSFELD/VOGELSBERG (ol). Mit Andrea und Uwe Thöt sind ab sofort zwei neue Peer-Berater in der EUTB im Vogelsberg am Start: Andrea und Uwe Thöt beraten in Sachen Multiple Sklerose.

Die Peer-Beratung, also beratende Gespräche unter Betroffenen, sind ein großes Standbein der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB). Ihr Ziel es ist, Menschen die von einer Behinderung betroffen oder bedroht sind, zu helfen, sich in dem System aus Hilfsangeboten und Rechtsansprüchen zurecht zu finden. Dass sich Betroffene oder Angehörige mit solch spezifischen Anliegen besonders gut auskennen, liegt auf der Hand. Die EUTB ist stets bestrebt, diese Experten mit den fragenden Menschen zu vernetzen und die Peer-Beratung in der Region weiter auszubauen.

Mit Uwe und Andrea Thöt kommen bei der EUTB Vogelsbergkreis laut Pressemitteilung nun zwei Personen in den Beraterkreis, die Hilfe und Rat für an Multipler Sklerose erkrankte Menschen anbieten. Sie qualifiziert zum einen die jahrzehntelange Erfahrung, die sie – Uwe Thöt als Betroffener und Andrea Thöt als Angehörige – mit der Erkrankung sammeln konnten, zum anderen haben sie sich auch als Berater bei der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) fortbilden lassen.

„Wir sind in dieser Hinsicht schon seit zwanzig Jahren in unserer Selbsthilfegruppe „Albatros“ aktiv, da wir von Betroffenen sehr oft nach unseren Erfahrungen gefragt werden“, so Andrea Thöt. „Mit unserer Fortbildung können wir die Beratungstätigkeit nun auf eine professionelle Basis stellen. Wir freuen uns, dass wir mit der EUTB hierfür eine Plattform gefunden haben, die es vielen Menschen ermöglicht, individuelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, ganz ohne irgendwelche Zugehörigkeiten zu Vereinen oder Organisationen.“ „Wir wissen, dass Betroffene einen ganz anderen Horizont haben und sich auf einer ganz anderen Ebene untereinander austauschen können“, unterstreicht Irina Janz, Teilhabeberaterin der EUTB, diesen Ansatz.

Uwe Thöt weiß dies aus eigener Erfahrung: „Als ich vor über zwanzig Jahren die Diagnose MS bekam, bin ich zuallererst zu einem anderen Erkrankten gegangen – ich hatte so viele Fragen und natürlich auch Ängste.“ Mit den Jahren haben sich viele Ängste gelegt und viele Fragen beantwortet, und genau mit diesem Wissen möchten er und seine Frau nun andere Menschen unterstützen. „Das Leben verändert sich mit dieser Diagnose, auch das der Familie und des weiteren Umfeldes. Und obwohl die Krankheit bei jeder Person anders verläuft, können wir mit unseren Erfahrungen sicher vielen Menschen weiterhelfen.“

Anlaufstelle für Fragen des täglichen Lebens

Uwe und Andrea Thöt sei es wichtig, aufzuzeigen, dass man auch mit MS ein erfülltes Leben führen kann, wenn man sich auf die Krankheit einlässt, sich einer Behandlung öffnet und akzeptiert, dass viele Dinge anders laufen werden. „Ein Leben mit MS verlangt einem je nach Verlauf einiges ab, aber es ist dennoch liebens- und lebenswert“, ist sich das Ehepaar sicher. Den Ratsuchenden, die sie ab März in regelmäßigen Sprechstunden in den Räumen der EUTB empfangen können, bieten sie einen Austausch auf Augenhöhe, teilen ihre Erfahrungen mit Ämtern und Anträgen unterschiedlichster Art und sprechen über Ängste und Möglichkeiten, welche die Krankheit mit sich bringt.

„In der Natur der Peer-Beratung liegt in erster Linie ein Erfahrungsaustausch, der in einem sehr geschützten Raum stattfindet“, erläutert Janz. „Was weder wir noch die Peer-Berater liefern, sind jedoch rechtliche oder medizinische Auskünfte. Dazu sind wir nicht befähigt, aber wir können auf entsprechende Stellen verweisen, eventuell Kontakte schaffen, beim Antragswesen helfen und Anlaufstelle für Fragen des täglichen Lebens mit einer Krankheit, Behinderung oder Einschränkung sein.“

Als solche Ansprechpartner sehen sich auch Uwe und Andrea Thöt: „Wir kennen diese Krankheit in ihren vielen Facetten“, so Uwe Thöt. Als bei ihm die MS-Erkrankung diagnostiziert wurde, hatte er schon Jahre vorher erste Symptome gehabt, die nicht zugeordnet wurden. Obwohl er mit den Jahren immer mehr unter Einschränkungen durch die Krankheit litt, konnte er seinen Beruf als Augenoptiker bis zum Erreichen der regulären Altersgrenze ausüben. „Das geht, und genau das gilt es, Neu-Erkrankten zu vermitteln: Das Leben wird anders mit MS, aber es ist nicht zu Ende.“

Niemand ist allein

Uwe und Andrea Thöt stehen in ihren Beratungen für alle Fragen rund um das Leben mit einer MS-Erkrankung zur Verfügung. „Wir stehen Ratsuchenden einzeln oder im Doppelpack zur Verfügung, je nachdem, welche Fragen man hat“, laden die beiden ein. Dass sie der Schweigepflicht unterliegen und keine Sitzungsprotokolle anfertigen, ist selbstverständlich: „Man kann bei uns sein, wie man ist. Mit jeglichen Fragen und Ängsten kommen. Wir haben viel davon selbst erlebt und unser großer Wunsch ist es, mit unseren Erfahrungen anderen zu helfen.“

Tipps und Tricks zur Krankheitsbewältigung, mentale Unterstützung, Vorbereitung auf Gespräche im Berufsleben oder mit Behörden – all das kann man mit Uwe und Andrea Thöt besprechen. In der Regel geht man gestärkt aus einem solchen Gespräch – und mit dem Wissen, nicht allein zu sein.

Die erste Peer-Beratung mit Uwe und Andrea Thöt findet am 2. März um 16 Uhr statt. Eine Anmeldung ist hierfür derzeit unbedingt erforderlich. Man kann sich bei beiden oder auch zur Einzelberatung anmelden unter info@eutb-vb.de. Fragen rund um die EUTB beantworten die Teilhabeberaterinnen Andrea Schmidt und Irina Janz (info@eutb-vb.de).

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