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Liedermacherin Nette produziert CD mit Liedern für trauernde Angehörige – Crowdfunding-Projekt bis MärzLieder in Zeiten der Trauer und des Schmerzes

REGION (ol). Einen geliebten Menschen, vielleicht sogar das Kind, durch eine unheilbare Krankheit zu verlieren, ist schwer. Unsagbar schwer. Und weil es so unsagbar schwer ist, wird oft nicht darüber gesprochen. Selbst Freunde finden keine Worte für einen solchen Verlust, wo gutgemeinte Ratschläge oder gar Floskeln nicht weiterhelfen können. Dieser Sprachlosigkeit setzt die Liedermacherin Nette, Annette Rudert, aus Wetzlar seit vielen Jahren ihre einfühlsamen Lieder entgegen.

Viele Jahre lang begleitete sie schwerkranke Kinder und ihre Familien auf der Kinderkrebsstation der Gießener Uniklinik. Sie brachte damit Spaß und Freude in schwere Zeiten und wurde für viele der Kinder zu einer Freundin. Einige von ihnen begleitete Nette auch auf ihrem letzten Weg; oft wurde sie dann von den Familien gebeten, auf der Beerdigung zu singen. Lieder zu diesem Thema hatte die Liedermacherin schon früh geschrieben. Für einzelne Kinder und ihre Familien. Besonders das Lied „Ein Licht“ wurde immer wieder gewünscht, spiegelt es doch die Verzweiflung der Eltern über einen unüberwindbaren Verlust wider, genauso wie die Hoffnung, dass es ein Wiedersehen geben könnte, dass der verstorbene Mensch irgendwo ein Licht sein könnte.

Inzwischen gibt es acht Lieder über den Tod, die Trauer und die Hoffnung erstmals auf CD. „Ein Licht“ wird sie heißen und neben dem titelgebenden Song sieben weitere nachdenkliche, fröhliche, traurige, hoffnungsstiftende, aufwühlende und beruhigende Lieder enthalten – alle aus der Feder Annette Ruderts, arrangiert von ihrem Sohn Marcel, der sie über viele Jahre bereits nicht nur musikalisch begleitet, sondern auch ihr Engagement auf der Kinderkrebsstation miterlebt hat.

Texte und Melodien schreibt die Liedermachen Nette selbst, ihr Sohn Marcel arrangiert alles und spielt viele Instrumente selbst ein. Foto: Traudi Schlitt

„Er weiß, wie es mir mit den Liedern geht, aus welcher Stimmung heraus sie entstanden sind, und für welches Kind sie vielleicht erstmals geschrieben wurden. So kann er die Musik zu meinen Texten so arrangieren, dass einfach alles passt. So wie Marcel könnte es niemand anders“, zeigt sich die Künstlerin froh, dass ihr Sohn ihr auch bei diesem ungewöhnlichen Projekt zur Seite steht.

CD-Produktion über Crowdfunding finanzieren

Häufig hätten Eltern oder Angehörige von Verstorbenen sie um die Lieder gebeten, die ihnen Trost spendeten, berichtet Nette, die drei dieser Songs auch auf ihrem YouTube-Kanal zur Verfügung stellt. Doch eine CD in Händen zu halten, sie hören zu können, wann und wo immer man sie dabeihat, sie jemandem schenken zu können – all das gibt ein Download nicht her, und so beschloss Nette, mit ihrer Trauer-CD ein bisher einzigartiges Projekt zu wagen. Die Finanzierung möchte sie teilweise über Crowdfunding realisieren. Für die gesamte Produktion rechnet sie mit Kosten von etwa 20.000 Euro. Dazu hat sie ihr Projekt auf der Crowdfunding-Plattform Startnext eingestellt.

„Wer will, kann dort direkt unter dem Stichwort ‚Trauer-CD‘ fündig werden – das gibt es nur einmal.“ Für kleine Dankeschöns – von einem Download bis hin zu einem Wohnzimmerkonzert – kann man sich an der Produktion der CD beteiligen. Auch der Verein „Whisper von Soul e.V.“, eine Organisation verwaister Eltern, unterstützt Nettes Arbeit. „Wer sich mit einer Spende beteiligten möchte und eine Quittung dafür braucht, kann das über den Verein tun“, ergänzt Nette. Bis Anfang März läuft die Crowdfunding-Aktion, zu Ostern soll die CD bereits fertig sein.

Lieder spiegeln die Gefühlswelt wider

Was Nettes Musik für Eltern, die ihr Kind verloren haben, bedeutet, erklären Jörg und Anke Claaßen. Ihre Tochter Sarah war vor sechs Jahren Patientin auf der Station Peiper in Gießen. Sie verstarb im Februar 2013 im Alter von drei Jahren. Während Sarahs Krankheit war Nette zu einer Freundin geworden, die auch in den letzten Tagen mit ihrer Musik Freude in das Leben des Mädchens brachte. „Nettes Lieder gehören für uns zu unserem Leben mit Sarah dazu“, erzählt Anke Claaßen, „Wir sind sehr dankbar für Nettes Unterstützung zu Sarahs Lebzeiten und auch bei ihrem Abschiedsgottesdienst, den Nette unter anderem mit „Ein Licht“ musikalisch begleitet hat. Das hat uns tief bewegt.“

Stücke wie „Ein Licht“, „Die Zeit heilt das nicht“ oder „Das Leben ist ein Arschloch“ spiegeln die Gefühlswelten wider, in denen sich Trauernde bewegen. „In den Liedern geht es um Trauer und Abschied, aber auch um Hoffnung, um die ganze Mischung an Gefühlen, über die viele kaum sprechen können. Aber mit Musik geht das. Sie geht direkt ins Herz“, beschreibt es Jörg Claaßen.

Jörg und Anke Claaßen (links) unterstützen das ungewöhnliche musikalische Projekt von Annette und Marcel Rudert. Foto: Traudi Schlitt

CD als Projekt, um über Tabuthema Tod zu sprechen

Wie viele andere Eltern, die Nette schon kennen, wünschen sie der Aktion viel Erfolg, denn sie sind sicher, dass auch andere Menschen etwas von den Liedern und den emotionalen Texten haben werden. Und dass sie Möglichkeiten zu Gesprächen geben. „Diese CD ist sicher kein leichtes, locker-flockiges Projekt“, ergänzt Nette, „aber neben allem hilft sie vielleicht auch, das Thema aus dem Tabubereich herauszubekommen und zu zeigen, dass man auch über Tod und Trauer mit den betroffenen Menschen sprechen kann.“

Weitere Infos zu Nette und dem Projekt gibt es auf folgenden Websites: www.liedermacherin-nette.de, http://whispervonsoul.blogspot.de/p/uber-den-verein.html und https://www.startnext.com/trauer-trost-hoffnung-cd.

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