
Biologiekurs der ASS besucht das anatomische Institut der Uni MarburgAnschauung an realen Organen
ALSFELD (pm). Deformierte Schädel, Organe in Alkohol, Skelette: Es klingt nur nach einem Gruselkabinett, das Schüler der Albert-Schweitzer-Schule in Marburg besuchten. Tatsächlich ging es um besonderen Anschauungsunterricht für den Biologie-Vertiefungskurs „Mensch-Körper-Krankheit“ in der Oberstufen-Einführungsphase der Albert-Schweitzer-Schule. Unter der Leitung von Dr. Ulrike Laube gab es für die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, Anschauungsunterricht direkt am menschlichen Präparat zu erhalten.
Seit 2010 werden an der Albert-Schweitzer-Schule in der Einführungsphase sogenannte KOP (Kompensations-, Orientierungs,- und Profilbildungs)-kurse angeboten. Ziel dieser Kurse ist es, den Schülern die Möglichkeit zu geben, Kurse nach ihren individuellen Interessen und Neigungen anzubieten, vor allem vor dem Hintergrund, dass sie sich im kommenden Jahr für zwei Leistungskurse entscheiden müssen. Neben vielen Fächern wie beispielsweise Mathematik, Erdkunde oder Spanisch, wird auch der Vertiefungskurs Biologie angeboten, der sich schwerpunktmäßig mit der Humanbiologie beschäftigt. Nachdem im Unterricht jede Menge Stoff rund um den Menschen und dessen Erkrankungen erarbeitet wurde, durften 23 Schülerinnen und Schüler am vergangenen Dienstag nach Marburg fahren, um sich dort im anatomischen Institut am echten Präparat direkt ein Bild von den Körperstrukturen zu machen.
Zunächst kamen die Schüler in den Genuss einer Führung durch das musuem anatomicum, welches sich direkt am anatomischen Institut befindet. Das Museum ist eine Marburger Besonderheit und besteht aus Sammlungsstücken des Gründers Christian Heinrich Bünger (1782-1842). Bünger besaß zu seiner Zeit eine große Sammelleidenschaft für menschliche und tierische Präparate und hatte ein außerordentliches präparatorisches Geschick. So wurde er beispielsweise für seine Gefäßdarstellungen am Kopf bekannt und seine Präparate waren weit über die Landesgrenzen begehrt.
Skelette und das Marburger Lenchen
Im Museum wurden einige Attraktionen gezeigt, wie zum Beispiel das Skelett des 2,44m „langen Antons“, welcher um 1650 an einem Hypophysentumor litt und deshalb nicht aufhörte zu wachsen. Das Marburger Lenchen ist ebenfalls legendär: sie wurde im 17.Jahrhundert als Wasserleiche schwanger aus der Lahn gefischt und ist heute als Präparat zu besichtigen. Hinzu kommen zahlreiche Exponate, wie z.B. in Alkohol eingelegte Körperteile, deformierte Schädel, Tierskelette mit fünf Beinen oder zwei Köpfen, sowie eine gut 1000-jährige Mumie aus Peru mit Grabbeigaben.
Mit diesen Eindrücken ging es weiter in das anatomische Institut, wo echte menschliche Präparate von Medizinstudenten zum Zwecke ihrer Ausbildung seziert werden. Viele Schüler hatten sich den Anblick einer „Leiche“ schlimmer vorgestellt, als er dann wirklich war. Am meisten musste man sich an den Geruch der Konservierungschemikalien gewöhnen, aber dann überwog die Neugier. Motivierte Medizinstudenten zeigten den Schülern die inneren Organe, die Nervenverbindungen, die prominenten Gefäße und zum Teil auch pathologische Besonderheiten, wie z.B. eine durch Alkohol stark vergrößerte Leber.
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