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Präsidentschaftswahl in den USA Anfang November: Was denken die Oberhessen?„Wahl in den USA wird uns mittelbar treffen“

VOGELSBERGKREIS. Am 8. November 2016 wird der oder die neue Präsident(in) der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. Seit Monaten berichten Zeitungen und Onlineportale über den Wahlkampf der beiden Kandidaten: Donald Trump und Hillary Clinton. Auch in Deutschland wird regelmäßig über Neuigkeiten informiert, fast tagtäglich tauchen im Internet News und aktuelle Umfragen auf. Doch welche Bedeutung hat die 58. Wahl des Staatsoberhaupts der USA für uns?

Große Worte und haarscharfe Äußerungen: Der Wahlkampf zwischen dem amerikanischen Unternehmer Donald Trump und der Politikerin Hillary Clinton sorgt für Furore, viele Länder richten ihren Blick auf das Geschehen. Vor allem auf den Vertreter der Republikanischen Partei: Mit seiner extrovertierten Art, zahlreichen sexistischen Kommentaren und grenzwertige Äußerungen, sehen viele Menschen in Donald Trump keinen geeigneten Kandidaten für das Amt des US-Präsidenten. Auch amerikanische Zeitungen und bekannte Persönlichkeiten äußerten sich vermehrt negativ über den 70-Jährigen und seine politischen Pläne.

Mann gegen Frau – Republikaner vs. Demokratin

Bei einem Teil der Bevölkerung kommt der in New York City geborene Trump mit seinem Leitsatz „Make America great again“ gut an. Dennoch liegt in fast allen Umfragen seine Gegnerin vorn: Die Demokratin Hillary Clinton ist die erste Frau, die jemals als Kandidatin für das Amt des amerikanischen Staatsoberhaupts aufgestellt wurde. Bereits im Jahr 2008 versuchte sie ihr Glück, verlor jedoch gegen Barack Obama in den Wahlen um den Präsidentschaftskandidaten der demokratischen Partei. Als US-Außenministerin und als First Lady des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton stand sie bereits im Blick der Öffentlichkeit. Der Vorwurf, die Kandidatin habe ihr privates E-Mail-Konto für dienstliche Zwecke genutzt, sowie der Gesundheitszustand der Ende 60-Jährigen sorgen jedoch für Gesprächsstoff. Viele befürchten, sie sei den Aufgaben einer Präsidentin nicht gewachsen. Von vielen wird Hillary Clinton nicht als optimale Nachfolgerin Barack Obamas gesehen, sondern als das „kleinere Übel“, das man statt Donald Trump „in Kauf nehmen müsse“.

Die Freiheitsstatue auf Liberty Island im New Yorker Hafen ist mit das berühmteste Wahrzeichen der Vereinigten Staaten.

Die Freiheitsstatue auf Liberty Island im New Yorker Hafen ist mit das berühmteste Wahrzeichen der Vereinigten Staaten. Foto: Gerbig

Ihre politischen Ziele orientieren der Republikaner und die demokratische Politikerin selbstredend an den Idealen ihrer Parteien. Starke Unterschiede in ihrer Auffasung spiegeln sich beispielsweise in Themen wie dem Zuwanderungsgesetz, dem Waffengebrauch in den USA, der Energiewende und der Ehe homosexueller Menschen wider. Um ihre Standpunkte und ihren Einfluss zu stärken, greifen beide Kandidaten tief in die Taschen: Experten erwarten, dass sich die Gesamtausgaben für den Wahlkampf beider auf circa fünf Milliarden Dollar belaufen wird, dies würde einen neuen Rekord aufstellen.

Starker Einfluss der „Großmacht“ auf Deutschland?

Anders als in Deutschland handelt es sich in Amerika um eine indirekte Wahl: Die Bürger wählen in jedem Bundesstaat zunächst eine bestimmte Anzahl an Wahlmännern. Der Kandidat mit der Mehrheit an Wahlmännern erhält automatisch alle Stimmen zugesprochen: „Winner takes all“. Dieses Wahlmännergremium wird dann am 18. Dezember formell den Präsidenten wählen. Die Vereidigung des neuen Staatsoberhauptes wird am 20. Januar 2017 stattfinden. Dann wird der- oder diejenige gemeinsam mit der Familie in das Weiße Haus einziehen. Zu den Aufgaben zählen dann die Position als Chef der Exekutiven, sowie als Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte. Auch die Außenpolitik fällt in den Zuständigkeitsbereich.

Folglich stellen sich auch in Deutschland viele die Frage: Welche außenpolitischen Auswirkungen hat die Wahl des neuen Staatsoberhauptes auf uns? Heutzutage sind Länder weltweit miteinander verknüpft, haben Auswirkungen aufeinander: Handelsbeziehungen, politische Interessen, der weltweit bedeutende Umweltschutz, wirtschaftliche Beziehungen. Auch der Kampf gegen den Terrorismus, insbesondere den IS, die Flüchtlingsbewegung, die Problematiken im nahen Osten und weitere Themen mit Konfliktpotential benötigen zwischenstaatliche Absprachen und Kooperation.

von Friederike Gerbig

New York City ist die bevölkerungsreichste Stadt der Vereinigten Staaten.

New York City ist die bevölkerungsreichste Stadt der Vereinigten Staaten. Foto: Gerbig

„Es betrifft uns ganz klar“ – Das denken die Oberhessen

Was denken Sie? Betrifft auch uns in Deutschland die Wahl in den USA am 8. November? Und inwieweit könnte der Ausgang uns beeinflussen? Teile Sie es uns mit: Einfach via Facebook mithilfe der Kommentarfunktion oder hinterlassen Sie direkt auf unserer Website am Ende dieses Artikels Ihre Meinung.

Der Alsfelder Bürgermeister Stephan Paule, sein Feldataler Amtskollege Dietmar Schlosser und weitere oberhessische Bürger haben berichtet, was sie über die Situation in Amerika denken.

Stephan Paule, Bürgermeister von Alsfeld
Foto: Archiv.

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„Der Ausgang dieser Wahl wird Deutschland in jedem Fall beeinflussen. Die Vereinigten Staaten sind Deutschlands wichtigster Bündnis- und Handelspartner außerhalb Europas. Auch hier in Alsfeld unterhalten zahlreiche mittelständische Unternehmen Geschäftsbeziehungen in die USA. Innerhalb des NATO-Bündnisses sind die USA die wichtigste politische und militärische Macht. Rund 35.000 US-Soldaten in Deutschland sind Bestandteil der Sicherheitsarchitektur unseres Landes. Außerdem bestehen zwischen keinen anderen Kulturräumen der Welt so enge Beziehungen wie zwischen den USA und Europa.

Die Entscheidung hat daher zwingend Auswirkungen auf das Leben in Deutschland: Werden die deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen weiterhin so eng sein wie bisher? Werden die USA ihr internationales Engagement verändern und sich ggf. anderen Weltregionen wie Asien stärker zuwenden? Wird der Austausch in den Bereichen Kultur und Wissenschaft so eng bleiben wie bisher? Auf all diese Fragen hat die Wahlentscheidung unmittelbaren Einfluss. Dies gilt insbesondere, da neben der Präsidentschaftswahl auch Kongresswahlen stattfinden. Hier werden die Gesetze gemacht, auf deren Grundlage der/die künftige Präsident/in politisch handeln kann.

Politikverdrossenheit bei konservativen Wählerschichten hat dazu geführt, dass bei den tendenziell eher konservativen Republikanern mit Donald Trump ein „Quereinsteiger“ als Präsidentschaftskandidat nominiert wurde. Bei den eher linksliberalen Demokraten hat mit Hillary Clinton eine Politikerin, die schon lange im Politikbetrieb zu Hause ist, die Nominierung geschafft. Ich glaube, dass Clinton eher als Trump für eine Kontinuität in den deutsch-amerikanischen Beziehungen steht und dass mit ihr als Präsidentin die deutsch-amerikanischen Beziehungen positiv weiterentwickelt werden könnten.“

Dietmar Schlosser, Bürgermeister von Feldatal
Foto: Archiv.

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„Die Wahl in den USA wird Deutschland und Europa mittelbar betreffen, da die USA ein enger Partner der Europäer ist und vielfältige wirtschaftliche, soziale und militärische Bindungen bestehen. Eine grundlegende Neuausrichtung amerikanischer Politik würde die Beziehungen verändern.“

Dominik Papsch (22) aus Hartmannshain
Foto: privat.

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„Die Präsidentschaftswahl betrifft uns natürlich: Die USA sind einer unserer wichtigsten Handelspartner. Zum Anderen als diplomatischer Verbündeter im Kampf für den Weltfrieden, wie beispielsweise den Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“.

Aus den zwei politischen Lagern der USA werden sehr unterschiedliche Meinungen zu politischen Themen vertreten. Deshalb werden auch durch die Präsidentschaftskandidaten unterschiedliche Ziele verfolgt. Trump will den amerikanischen Binnenmarkt stärken und Strafzölle gegen Importe aus China und Firmen, die ihre Arbeitsplätze ins Ausland verlagern, einführen. Clinton möchte die von Obama eingeführten Sozialsysteme stärken und vor allem in Infrastruktur und erneuerbare Energien investieren. Trump möchte radikal die Steuern für Unternehmen und Privatpersonen senken. Clinton möchte hingegen die Steuern für Reiche erhöhen und die Mittelschicht stärken. Während die Republikaner für die Liberalisierung stehen, setzen sich die Demokraten für ein „sozialeres“ Amerika ein.

Ich denke, dass es allerdings auch ein großes Tamtam nun vor den Wahlen gibt, wie bei Obama damals. Wenn man sieht, was dieser tatsächlich umgesetzt hat von dem was er angepriesen hat, würde ich sogar unterstellen, dass es gar nicht so viele Änderungen an der Einstellung in Amerika geben wird, egal wer gewählt wird. Meiner Meinung nach wird sich durch die Präsidentschaftswahl 2016 in den USA nicht viel verändern, da beide politischen Lager keine radikale Umsetzung ihres Walhkampf-Programms ohne Zustimmung der Opposition durchsetzen können.“

Fred Dähne (21) aus Schotten/Rainrod
Foto: privat.

Foto: privat

„Es betrifft uns ganz klar: Da die Politik heute so vernetzt ist, dass alles was man macht, irgendwelche Auswirkungen auf andere Länder hat, wirtschaftlich, politisch, militärisch, etc. Die USA haben dabei noch eine besondere Stellung, da sie ja als die Großmacht des Westens gelten und vieles durch ihre Politik bestimmen. Dazu kommt noch, dass die USA unser Bündnispartner sind und wir, zum Beispiel in der Nato, zusammen arbeiten und kämpfen. Auch gibt es wirtschaftliche Verträge zwischen den USA und Europa, beziehungsweise Deutschland gibt. Daher spielt es durchaus eine große Rolle, wer der „mächtigste Mann oder die mächtigste Frau der Welt“ wird. Denn viele Entscheidungen die im Weißen Haus getroffen werden, haben früher oder später auch Auswirkungen auf uns.“

Sören Eidt (22) aus Schwarz
Foto: privat.

Foto: privat

„Sicher betrifft auch uns der Ausgang der Wahl. Je nachdem ob Trump aus dem republikanischen Lager oder Hilton von den Demokraten gewinnt, werden deren differierenden Interessen politischer und wirtschaftlicher Hinsicht am globalen Weltgeschehen vertreten sein. Da die USA unser wichtigster Handelspartner ist, werden wir uns mit dem zukünftigen amerikanischen Kurs auseinandersetzen müssen.“

Orry Semmler (24) aus Groß Felda

„Ich sehe dem Ganzen sehr skeptisch entgegen. Ich finde, dass US-Präsidenten schon immer auch großen Einfluss auf uns, also Europa und Deutschland haben! Das war bisher bei so gut wie jedem US-Präsidenten so! Jedoch war der Einfluss eher selten positiv. Ich denke, dass er durch beide Kandidaten auch nicht positiver wird. Hierbei sehe ich das Problem darin, dass in den USA derzeit nur Personen an die Macht kommen, welche bereits schon zu viel Macht aufgrund ihres eigenen Vermögens haben. Ich hoffe nur für uns und die restliche Welt, dass beide Kandidaten, im Besonderen Trump, nur heiße Luft erzählen! Ansonsten könnte es schlecht aussehen für die Offenheit der derzeitigen Welt. Oder die USA wirtschaftet sich einfach weiter in den Bankrott, was jedoch unwahrscheinlich ist, da der Dollar die Weltwährung darstellt.“

Joanna (20) aus Lich
Foto: privat.

Foto: privat

„Ich habe das Gefühl, dass viele die Wahl in Amerika als ein Spektakel sehen, das weit von unserer deutschen Realität entfernt ist. Allerdings sind wir, egal wer Präsident wird, von der amerikanischen Außenpolitik betroffen und ihre Auswirkungen werden auch Auswirkungen auf unsere Realität haben. Auf die Flüchtlingspolitik, die Beziehung Deutschlands zu Amerika und anderen Staaten – in dem Zuge auch mögliche Freihandelsabkommen, die unsere Umwelt-, Sozial-, Wirtschaftsstandards angleichen oder verändern könnten. In der globalisierten Welt, in der wir nun mal leben, muss man immer davon ausgehen, dass Staaten und deren Politik eng an uns gekoppelt sind und dass Veränderungen, die noch so fern scheinen, uns betreffen – deshalb verfolge ich den Wahlkampf momentan sehr kritisch, weil ich mir Gedanken mache, welche Folgen ein Wahlsieg von Trump oder Clinton auf uns hätte.“

Uwe Helm (53) aus Alsfeld
Foto: privat.

Foto: privat

„Ich kann über den Wahlkampf in den USA nur den Kopf schütteln. Ich kann nur aufgrund des Auftretens von Trump und Clinton meine Menschenkenntnis zu Rate ziehen. Die Medien sind für mich unbedeutend. Diese berichten für mich nicht (mehr) objektiv und sind teilweise gesteuert. Seine Meinung muss sich jeder selbst aus dem Wirrwarr bilden.
Ich habe Angst vor einem eventuellen Krieg. Trump ist für mich unberechenbar, und aufgrund seiner unsachlichen, aufbrausenden Art unsympathisch und nicht geeignet. Ich habe bedenken, dass er als Präsident der Vereinigten Staaten sehr viel „kaputt“ machen wird. Ein Politiker im herkömmlichen Stil ist er für mich nicht. Er stellt für mich ein „Alphatier“ dar, welches niemanden neben sich duldet und zu emotional Probleme angehen wird. Frau Clinton ist für mich eine reine „Wundertüte“! Sie wäre für mich nur die bessere Wahl, da ich Trump für noch ungeeigneter halte. Eine „Kröte“ wird man schlucken müssen. Ganz ehrlich: Ich habe ein sehr ungutes Gefühl vor dem was kommen wird und das, obwohl ich vom Naturell her ein positiv gestimmter Mensch bin.“