Im Reaktor von Tschernobyl: Gerd Ludwig mit Schutzanzug – jetzt erhält er für sein journalistisches Werk eine hohe Auszeichnung. Fotoausschnitt © Gerd Ludwig/Institute.

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Der Alsfelder Top-Fotograf Gerd Ludwig erhält in den USA die Missouri Honor MedalEin großer Preis für den ganzen Journalisten

ALSFELD (aep). Er gehört international längst zu den führenden Vertretern seines Berufs, wird weltweit zu Vorträgen, Workshops und Ausstellungen eingeladen und heimste bereits verschiedene Preise ein. Aber über diese Auszeichnung freut Gerd Ludwig sich doch besonders: Der in Los Angeles lebende Fotograf mit Wurzeln in Alsfeld bekommt Ende Oktober in den USA die  Honor Medal for Distinguished Service in Journalism verliehen – eine Auszeichnung der School of Journalism an der University of Missouri. Das ist auch für den Träger des hoch angesehenen Erich-Salomon-Fotopreises noch einmal eine große Auszeichnung, denn diesmal geht es um sein journalistisches Werk.

 

Seit Jahrzehnten gehört der 66-jährige  zu den Top-Reportage-Fotografen der Welt. Der in Alsfeld geborene Gerd Ludwig fotografierte in über 70 Ländern für so bekannte Magazine wie Geo und Stern, gründete in Deutschland die eigene Foto-Agentur Visum und wanderte in den achtziger Jahren in die USA aus – der beruflichen Möglichkeiten wegen. Der Schritt sollte sich lohnen, denn seither fotografiert Gerd Ludwig hauptsächlich für das große Reportage-Magazin National Geografic, unternahm ausgedehnte Reportage-Reisen – immer wieder auch nach Russland, um die Veränderungen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion  zu dokumentieren.

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So war das im vergangenen Jahr: Gerd Ludwig (2.v.r.) wurde in Köln mit dem Erich Salomon-Preis ausgezeichent. Archivfoto: aep

Sein bislang letztes großes Projekt war ein Foto-Buch über den Unglücksreaktor von Tschernobyl, nachdem er das verstrahlte Gebiet mehrfach bereist und sich auch in den Reaktor selbst hinein gewagt hatte. Dieses Werk ist eigentlich mehr als ein  Foto-Buch, da es auch minutiös das katastrophale Geschehen aufarbeitet – und auch Einschätzungen großer Zeitgenossen enthält, unter anderem von niemand geringerem als Michail Gorbatschow und der gerade mit dem Literaturpreis ausgezeichneten Schriftstellerin Svetlana Alexievich. „Jetzt habe ich zwei Nobelpreisträger in meinem Buch“, freut sich darüber Gerd Ludwig. Dieses Werk mag den Ausschlag gegeben haben, dass Gerd Ludwig im vergangenen Jahr den deutschen „Oscar für Fotografie“, den Erich-Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Fotografie, verliehen bekam.

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Auch in Alsfeld häufig zu Gast: Gerd Ludwig in der Redaktion von Oberhessen-live (oben) und bei der Vorstellung seiner App zum Tschernobyl-Reaktor auf dem iPad im Arbeitszimmer. Archivfotos: aep

 

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Und nun die Medal of Honor der Journalismus-Schule in Missouri: Das freut den weltgereisten Fotografen mit deutschem und amerikanischem Pass um so mehr, da der Preis sein journalistisches und nicht nur sein fotografisches Werk honoriert. „Es geht um meinen Beitrag zum Journalismus!“ Das ist eine seit 1930 verliehene Ehrung für Einzelpersonen oder auch journalistische Institutionen, bei der sich Gerd Ludwig historisch betrachtet in einer Reihe mit so illustren Namen wie Winston Churchill, FAZ oder auch Süddeutsche Zeitung wiederfindet.

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Zwei Bilder aus dem Werk von Gerd Ludwig über die Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl: Kinder leiden unter den Spätfolgen der Strahlung, aber manche alte Menschen kehren auch in ihre Häuser in der Todeszone zurück. Fotos: Gerd Ludwig

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Zu den Preisträgern in diesem Jahr zählen auch die Online-Ausgabe von CNN – CNN digital – oder der White House correspondent Bill Plante senior des Nachrichtensenders CBS sowie die kubanische Journalistin Yoani Sánchez. Kein Wunder, das der mittlerweile mehrfach ausgezeichnete Ludwig, der häufiger in seiner Geburtsheimat zu finden ist und dieser Tage gerade in Alsfeld seine Mutter zu Grabe tragen musste, angesichts der neuerlichen Ehrung doch noch etwas Nervosität verspürt. Das hängt vielleicht auch etwas an einem mit der Überreichung verbundenen Brauch, erzählt der Fotograf: „Ich muss danach eine 50-minütige Ansprache halten. Da habe ich ein bisschen Bammel vor!“

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Ein trockenes Telex auf dem Cover: das Buch über Tschernobyl. Auch für dieses aufwendige Werk erhält Gerd Ludwig jetzt den Journalisten-Preis.

Ein Gedanke zu “Ein großer Preis für den ganzen Journalisten

  1. Hallo
    Kenne Gerd Ludwig persönlich.
    Freue mich über seine Erfolge. ER hats verdient und
    hart erarbeitet.
    Wilhelm Schmidt

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