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Traditionelles Seifenkistenrennen in Herbstein, Bayern-Fan-Klub gewinnt VereinswertungDas flotte Dutzend rauscht den Berg hinab

HERBSTEIN (awh). Fast wäre die schöne Tradition des Seifenkistenrennens in Herbstein, der „Stadt auf dem Berge“, in jüngster Vergangenheit mangels Teilnehmern eingeschlafen. Doch dank „himmlischen Beistands“ kamen dann doch wieder genügend kleine Rennfahrer dazu und sicherten der im heimischen Raum mittlerweile wohl einzigen Veranstaltung dieser Art ein Überleben zu. Der katholische Geistliche Winfried Disser schaltete sich seinerzeit ein und prompt waren rund zehn jugendliche „Formel 1″-Piloten und Pilotinnen bereit mitzumachen

Zwölf Teilnehmer waren es dieses Jahr in der Einzelwertung und damit auch genügend Starter, um das Seifenkistenrennen stattfinden zu lassen. Vier Mannschaften in der Vereinsrallye wagten sich am Sonntag trotz tropischer Temperaturen auf die Rennstrecke und sausten mit ihren Seifenkisten neben den Einzelfahrern die rund 280 Meter lange Rennstrecke „Zum Gallberg“ hinunter. Es war seit 1962 bereits das 47. Seifenkistenrennen in Herbstein und die neunte Vereins-Rallye. Veranstalter war in diesem Jahr die Stadt Herbstein.

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Mit Karacho ging es die Straße „Zum Gallberg“ hinunter.

Unter den jungen Rennfahrern waren auch Gastfahrer aus Ilbeshausen und Petersberg im Landkreis Fulda, bei der Vereinswertung gingen die Fastnachtsvereinigung, die Jugendfeuerwehr, der Bayern-Fan-Club (alle Herbstein-Mitte) und der Schützenverein Lanzenhain an den Start. Während in der Einzelwertung das Alter zwischen acht und 18 Jahren liegen musste, gab es bei den zwei Fahrern der einzelnen Vereine und bei der Prominenz keine Altersbegrenzung. Trotz der hohen Temperaturen waren auch etliche Zuschauer gekommen, die angesichts der Hitze entweder im Schatten der Häuser oder unter Sonnenschirmen Schutz suchten. Veranstalter war die Stadt Herbstein, unterstützt von der örtlichen Jungen Union und dem Malteser Hilfsdienst.

Ein geplatzter Reifen bei einer Seifenkiste führte glücklicherweise zu keinem Unfall und zu keinerlei Blessuren bei dem jungen Fahrer. Der Malteser Hilfsdienst Herbstein stand für alle Fälle als Sanitätsdienst mit drei Kräften Gewehr bei Fuss, um im Notfalle eingreifen zu können. Zwei leistungsstarke Oldtimer-Traktoren standen am Ziel bereit, um mit vereinten Kräften die kleinen „Rennwagen“ wieder den Berg hochzuziehen, wo von oben von einer Rampe aus der Start von jeweils zwei Seifenkisten erfolgte.

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Der Malteser Hilfsdienst war für den Sanitätsdienst verantwortlich.

Wie der rennerfahrene Michael Ruhl, der das Renngeschehen kommentierte, gegenüber Oberhessen-live berichtete, hat das Seifenkistenrennen in vielen Herbsteiner Familien Tradition. Die Seifenkisten würden von Generation zu Generation weitergegeben und immer wieder benutzt, gelegentlich komme auch mal eine neue Kiste hinzu.

Die kleinen Fahrerinnen und Fahrer, zum Schutz gegen Unfälle behelmt, sausten mit großer Begeisterung und einigem Enthusiasmus die Rennstrecke herunter, und manche rollten danach nach dem Durchfahren des Ziels noch fast bis zur nahegelegenen Bundesstraße aus. Besorgte Muttis und Pappis kamen ihnen dann zur Hilfe und zogen die fahrbaren Untersätze zu den bereitgestellten Traktoren zurück und versorgten ihre Sprößlinge mit kühlen Getränken. Das eine oder andere Fahrzeug wurde auch einer „technischen Wartung“ unterzogen und erhielt zwischen den einzelnen Rennen einen Schluck Öl auf die Achsen.

Damit es für jeden die gleiche Chance gab, waren bei den Kindern und Jugendlichen die Innen- und Außenbahn je zweimal zu durchfahren. Wie bei den „Großen“, stand vor dem Rennen eine technische Abnahme und ein Probetraining auf dem Programm. Gestartet wurde in insgesamt vier Klassen, lediglich in der „Phantasie leicht“ ging niemand an den Start.

In der Prominentenklasse wetteiferten die städtische Politik mit der katholischen Kirche miteinander. Robert Ruhl von der katholischen Kirchengemeinde fuhr in der Innenbahn und auch noch mit der schnelleren Kiste gegen den CDU-Politiker und Vertreter des Bürgermeisters, Stadrat Paul von Westerholt. Politischer Gast war die Kreisvorsitzende der Jungen Union Vogelsberg, Jennifer Giessler aus Rudlos.

Bayern-Fan-Club in der Vereinswertung vorne

Ergebnisse:

Vereinsrallye 1. Bayern-Fan-Club, 58,42; 2. Schützenverein Lanzenhain, 62,70; 3. Jugendfeuerwehr, 63,52 und 4. Fastnachtsvereinigung, 64,40 (vier Mannschaften)

Prominentenklasse 1. Robert Ruhl, 29,5 und 2. Paul von Westerholt, 32 (zwei Teilnehmer)

Phantasie mittel 1. Christina Staubach, 124,94, 2. Connan Lein, 133,81. (zwei Teilnehmer)
Phantasie schwer 1. Paul Fischer, 117,02, 2. Matthias Koch, 117,91, 3. Karl Erwin Ruhl, 117, 93 und 7. Hans-Laurin von Schönfels, 123,99 (sieben Teilnehmer).

Opel-Klasse 1. Stefan Staubach, 129,48, 2. Tim Staubach, 130,97 und 3. Maximilian Laksy, 144,08 (drei Teilnehmer).