Der Alsfelder Kirchplatz vor 1913/1914: Der Boden an der Walpurgiskriche war höher, es gab eine Baumreihe. Im Hintergrund links: das 1926 abgebrochene Spitzenhaus, ehemals Standort des Brauhaues, Veröffentlichungen mit freundlicher Genehmigung des Alsfelder Geschichts- und Museumsvereins.

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Serie: altes Alsfeld in Fotos, Teil 3 – Als die alten Krieger den Sieg feierten – Mit Foto-QuizVon Veteranen und Wiesen an Stelle von Straßen

ALSFELD (aep). Wer sich historische Fotos von Alsfeld anschaut, der staunt manchmal über die Veränderungen – besonders, wenn sie dokumentieren, wie die Stadt gewachsen ist, wie die Menschen sich wandelten. Man muss nicht 100 Jahre zurück gehen, um einen Rodenberg ohne Häuser und Straßen zu sehen. Aber auch in die andere Richtung der Altstadt hat sich viel getan. Das zeigen Ansichten, die der Geschichts- und Museumsverein in zwei Bänden sammelte, und die Oberhessen-live in einer Serie veröffentlicht – zusammen mit einem Bilder-Rätsel.

Alte Häuser und Straßenzüge sind das eine, aber auch Fotos von Menschen zeigen großen Wandel auf: in der Mode wie im Zeitgeist. Man stelle sich etwa das alte Schwarzweiß-Foto von 1895 aus der Hersfelder Straße vor – und dazu, dass die ganze Szene sich natürlich auch in Farbe unter blauem Himmel abspielte, damals also völlig anfassbare Realität war. Da versammelten sich 1895 Alsfelder Herren mit Zylindern und Fahnen vor dem Kreisamt, das es heute dort auch noch gibt, um in Gedenken an den Sieg über die Armee Napoleons III bei Sedan 25 Jahre zuvor einen Festzug zu starten. Die Schlacht fand im deutsch-französischen Krieg 1870/1871 statt, der der Reichsgründung voraus ging. Es waren die Mitglieder des Veteranen und Kriegesvereins Alsfeld. Frauen waren nur insofern beteiligt, als dass sie als Mitglieder die Ehrenschleife auf der Fahne gestiftet hatten. Eine aus heutiger Sicht – zwei von Deutschland angezettelte Weltkriege später – geradezu surreale Szene.

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1895: Der Alsfelder Veteranen- und Kriegerverein feiert den Sieg bei Sedan 1871. Das Bild entstand vor dem Kreishaus in der Hersfelder Straße. Foto: vermutlich Georg oder Otto Hölscher.

Vor 1915: als der Kirchplatz noch keine Mauer hatte

Anderes Bild: der Alsfelder Kirchplatz. Das ist auch heute noch ein schöner Platz, wenn er nicht gerade völlig zugeparkt ist – dominiert von einer mächtigen Kastanie. Vor dem Ersten Weltkrieg war die Kastanie erheblich kleiner, aber es gab dort eine ganze Reihe Bäume, von denen die meisten dann weichen mussten, als der Kirchplatz 1915 tiefer gelegt wurde. Das Erdreich durchfeuchtete die Mauer der Walpurgiskirche zu stark. Dabei entstand denn auch die heutige Mauer.

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Blick aus Richtung Süden auf Alsfeld: Das Foto entstand vor 1900. Links die Dreifaltigkeitskirche, rechts der Leonhardsturm, davor leere Hofwiesen, wo heute eine ganze Siedlung steht – und die Stadtschule.

Und wie verblüffend das Foto vom Ende des 19. Jahrhunderts aus Richtung Junkergarten/Wallgasse auf die Altstadt, links von der Dreifaltigkeitskirche und rechts vom Leonhardsturm begrenzt. Dazwischen vor allem: Wiesen, die Hofwiesen, an die heute eine Straße erinnert. Es gab noch keinen Junkergarten, keine Wallgasse und auch keine Volkmarstraße. Die soll offenbar gerade entstehen, weshalb am Spital die Reste der Stadtmauer durchbrochen wurden. Es sieht nach Baustelle aus. Dort wo das Bild links eine Wiese zeigt, wird 1912 ein großer Bau eingeweiht werden, der vor drei Jahren 100-jähriges Jubiläum feierte: die Stadtschule.

Rätsel: Wo entstand dieses historische Bild?

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Rätsel: Wo entstand dieses Foto von 1895?

Auch im dritten Teil unserer Serie gibt es ein historisches Bild, bei dem es zu raten gilt: Welche Straße/welchen Platz stellt es dar? Es zeigt eine feierliche Versammlung im Jahr 1895 – überliefert sind sogar das genaue Datum und die Uhrzeit: der 1. März 1895 um 16 Uhr. Zum 80. Geburtstag von Altkanzler Otto von Bismarck pflanzten Alsfelder eine Eiche mit einem kleinen Festakt. Aber wo? Wer genau hinschaut, kann es erraten. Ein Tipp: Die Eiche gibt es nicht mehr, sie musste nur wenige Jahrzehnte später weichen.

Zu gewinnen gibt es für dieses Rätsel wieder die Teilnahme an einer offenen Stadtführung des TouristCenter, das übrigens auch eine ganze Reihe themenorientierter Stadtführungen anbietet (siehe Teil zwei der Serie über historische Fotos aus Alsfeld). Aus allen richtigen Antworten bis zum nächsten Quiz-Bild aller Rätsel-Teile ziehen wir am Ende den Gewinner einer der beliebten Nachwächterführungen mit bis zu 15 Teilnehmern. Das ist die Gelegenheit mit Familie, Bekannten, Kollegen einen lustigen und informativen Abend in Alsfeld zu erleben. Antworten bitte per E-Mail an: redaktion@oberhessen-live.de.

Die Auflösung für das Rätselbild 2: Es stellt war das erste Kreiskrankenhaus in Alsfeld dar, das 1908 eingeweiht wurde – damals übrigens ein Stück vor den Toren der Stadt, die am Ludwigsplatz ihre Grenze hatte. Heute ist darin das Rambachhaus zu finden. Auf diese Lösung sind auch fast alle Teilnehmer gekommen. Was es nicht war: die Rückseite des Albert-Schweitzer-Gymnasiums. Gewinnerin bei dieser Frage ist Petra Biesenroth aus Alsfeld.

5 Gedanken zu “Von Veteranen und Wiesen an Stelle von Straßen

  1. Die Heizung wurde in der Kirche eingebaut, nicht auf dem Platz, aber die haben da ja alles aufgegraben.

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  2. Der Baum wurde gepflanzt auf dem hinteren Kirchplatz. In meiner Kindheit war da ein Sandkasten. Der Baum hatte eine Erhöhung, mit gepflastertem Rand. Im Mittelalter war dieser Platz , bis runter zum ev. Pfarrhaus der Friedhof der Stadt. Anfang bis Mitte der 50er Jahre wurde dort eine Heizung eingebaut. Die Bauarbeiter hatten die gefundenen Totenköpfe auf der heute noch existierenden Mauer aufgereit. Mit Zigarettenpapier als Zähne. Gruselig.

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