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Inbetriebnahme eines neuartigen Warnsystems für die Bevölkerung per App oder SMSKatwarn ist die „Sirene für die Tasche“

LAUTERBACH (aep). Zum Beispiel der „Bücking-Brand“ vor zwei Jahren wäre so ein Fall gewesen: Riesige Rauchschwaden ziehen über das Land, Verkehr muss umgeleitet werden, Kilometer Schlauchleitungen durchschneiden die Stadt – und die Bevölkerung muss informiert werden. Dann würde ab sofort ein aufdringlicher Brummton aus dem Handy warnen. Das System dafür ist am Montagmittag offiziell in Betrieb gegangen: „Katwarn“ heißt es und soll die Fortsetzung der alten Feuerwehrsirene mit modernen Mitteln sein – weit vielfältiger.

 

„Die Warnung ist ein wichtiger Baustein im Katastrophenschutz“, erläuterte Kreisbrandinspektor Dr. Sven Holland bei einer Vorstellung des Systems in den Räumen der Einsatzstelle. „Katwarn“ sei dabei ein Mittel, „dem Trend der Zeit gerecht zu werden“, nämlich die Warnung der Bevölkerung auf dem elektronischen Weg via Handy beziehungsweise Smartphone. „Damit können wir die Bevölkerung in der Breite erreichen“, stellte auch Landrat Manfred Görig fest. Gerade in Flächenkreisen wie dem Vogelsbergkreis sei eine solche Einrichtung von Nutzen.

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„Keine Kinkerlitzchen“: Ortwin Neuschwander erläutert die Funktionsweise des Systems.

Wie das Ganze im einzelnen funktioniert, stellte Ortwin Neuschwander als Vertreter des Frauenhofer-Instituts „Fokus“ vor – das hat „Katwarn“ nämlich entwickelt und ist dabei, es deutschlandweit einzurichten. In ganz Deutschland sei die dazugehörige App bereits auf einer Million Smartphones installiert, erläuterte er. Im Vogelsberg bisher auf rund 1000 Geräten.

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Weitere Informationen auch über die Inbetriebnahme gibt es auf der Website des Systems Katwarn oder auf der Website des Vogelsbergkreises.

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So sieht die Bildschirm-Seite für Alsfeld aus.

Smartphone-Besitzer können die „Katwarn“-App im App-Store herunter laden und sich registrieren lassen. Besitzer einfacher Handys können sich auch bei einem SMS-Dienst einwählen (SMS an 0163-755 8842). Dann bekommen sie ortsabhängige Warnungen bei Vorfällen, die als Katastrophen oder dringlich eingestuft werden: Großbränden, Unwetter, Trinkwasser-Verunreinigungen, Industrie-Unfällen, Bombenblindgängern oder auch einer Pandamie. „Es geht nicht um kleine Kinkerlitzchen“, stellte Neuschwander fest. Aber das System bietet auch die Möglichkeit der „Schutzengelfunktion“: Auf Reisen durch angeschlossene Gebiete warnt das Handy automatisch vor örtlichen Gefahren. Warnungen aus bis zu sieben Regionen können Smartphone-Nutzer anfordern.

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„Bevölkerung in der Breite erreichen“: Landrat Görig erklärt die Intention des Systems. Neben ihm Kreisbrandinspektor Holland (l.) und Arno Vetter (r.)

„Es ist die Sirene in der Tasche“, fasste Arno Vetter als Vertreter der Sparkassen-Versicherungen zusammen – ls ein Finanzier des Ganzen. 18.000 Euro für die Inbetriebnahme gibt auch das Land hinzu, erläuterte Landrat Görig. Die öffentlichen Versicherungen, so Arno Vetter, erhofften sich damit einen Langzeit-Effekt: dass die Kosten über geringere Schäden bei Vorfällen wieder reinkommen.

Damit das Warnsystem funktioniert, so erklärte Kreisbrandinspektor Holland, müssen es möglichst viele Einwohner installieren: „Je mehr es runterladen, umso besser!“ Und dann hoffen die Katastrophenschützer auf den Schneeball-Effekt: Wer eine Warnung erhält, der gibt sie an Nachbarn und Bekannte weiter. Das ist ganz einfach: Die Meldungen lassen sich in sozialen Netzwerken teilen.