Viel Weiß und ein Menschen: Schnee, Reif und Nebel schaffen dieses Übermaß an Weiß am hohen Vogelsberg. Fotos: aep

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Unten Schmuddellandschaft, aber am Berg lockt fast perfekter Bilderbuch-WinterEin Winterwald wie kitschig dekoriert

SCHOTTEN-HOHERODSKOPF. Man konnte am Sonntag in den tieferen Lagen des Vogelsbergs auf eine vernieselt graue Landschaft voller verharschter Schneereste schauen, schaudern und sich denken: „Ich bleib daheim!“ Man musste man aber nicht. Man konnte auch dem Winter etwas entgegenkommen, zum Beispiel zum Hoherodskopf fahren – und sich an einer Winter-Wunderlandschaft wie aus dem Katalog erfreuen. Zeit für einen erhellenden Spaziergang!

 

In der Tat: Was sich „unten“ als Schmuddelwinter ausgab, zeigte sich oben am Berg als Januar, wie er gehört: mit Weiß und Frost so weit das Auge reicht. Das reichte oben am Hoherodskopf allerdings nicht sehr weit, denn Nebel war der einzige Wermutstropfen in der verschneiten Idylle. Aber auch ohne Sonne am Himmel leuchten tagsüber die Wälder im Licht des Schnee. Die feuchte Luft schafft in Zusammenarbeit mit Schnee, Wind und Frost faszinierende Glitzerschichten auf Baumstämmen, Ästen und Zweigen – viel besser, als jeder normale Schneefall es kann.

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So viel Winterweiß wie geht findet sich in deen Wäldern – und zwischendurch ein Farbtupfer.

Der besorgte aber den knirschenden Untergrund auf dem Weg vom Parkplatz Niddaquelle zum Rodelgipfel. Gut fünf Kilometer sind das hin und zurück – gerade richtig für einen Sonntagnachmittag zur Gemütsaufhellung. Da stehen Tannen, die von Schnee bedeckt sind, als wären sie gemalt. Hier haben Schnee und Reif auf den kahlen Ästen eines Baumes einen glitzernden Winterdom geschaffen. Baumstämme haben ein weiß leuchtendes Kleid bekommen, und der Kontrast hebt ihre Ansammlung plastisch hervor. Der ganze Wald wirkt wie winterlich dekoriert, gerade zu kitschig verzuckert. Spaziergänger bleiben stehen, lassen die Szene verzückt auf sich wirken. So etwas kennen Stadtkinder nur noch aus Malbüchern.

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„Überzuckerte“ Baumriesen laden in ihre Schneehöhlen.

Das Weiß von Schnee und Eis verbündet sich mit dem hellen Nebel zu einer Landschaftsleinwand zur großen Leere: eine Leinwand von Landschaft, die noch bemalt werden will.

Ungewöhnlich das Szenario auch am großen Hang des Hoherodskopf. Die Kuppe wird erst bei der Annäherung sichtbar – und dann tauchen auch die vielen Rodler auf: Ganze Familien rutschen den Berg hinab. Das ist nicht ungewöhnlich – aber die Szene mit den im Dunst verschwindenden Silhouetten hat etwas Geisterhaftes. Es ist auch viel zu still für so viele Menschen: Schnee und Nebel dämpfen den Schall. Im Hintergrund bilden die dicht mit Schnee bedeckten Tannen eine weiße Wand. Wenn dazu noch Sonne scheinen würde – das wäre fast zu viel des Guten.

Wenn kommendes Wochenende ähnliches Wetter herrscht: Ein Ausflug lohnt sich.

von Axel Pries

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Viele Menschen rodeln am Hang des Hoherodskopf – aber es fast gespenstig still. Schnee und Nebel schlucken Schall und Silhouetten.

Eindrücke von einem Sonntagsspaziergang:

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2 Gedanken zu “Ein Winterwald wie kitschig dekoriert

  1. Ein Bericht mit wunderschönen Fotos, die einen bereuen lassen, nicht auch den „inneren Schweinehund“ überwunden zu haben und einfach raus-/losgefahren zu sein *seufz*

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