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Ausbildungsmesse mit über 1000 Besuchern – Nachwuchs wieder stärker gefragtJugendliche suchen, die Betriebe der Region auch

ALSFELD. 16 Jahre alt ist Felix Dzogovoc und zusammen mit seiner Klasse eigens aus Lauterbach gekommen. „Was mit Elektronik“, das ist es, was ihn interessiert. Und ja: Er sei zufrieden, nickt der junge Mann. Es gebe viel zu sehen, viele Informationen. So wie ihm wird es vielen Jugendlichen gegangen sein, die am Mittwoch in die Alsfelder Hessenhalle strömten: zum Marktplatz Ausbildung, zur großen Ausbildungsmesse der Kommunalen Vermittlungsagentur KVA. Dort herrschte den ganzen Tag über reges Treiben. Aber längst nicht alle junge Besucher waren schon so weit wie Felix. Das Motto: Beruf sucht Jugend, Jugend sucht Beruf.



 „Viele Jugendliche wissen noch gar nicht, was sie für einen Beruf haben wollen“, erklärt Caroly Greb am Stand des Bildungs- und Technology-Zentrums Lauterbach. Sie muss es wissen. Das BLZ vermittelt nämlich zwischen Interessenten und Anbietern von Ausbildungsstellen. An dem Stand füllen junge Leute einen Fragebogen aus, auf dem sie auch ihren Berufswunsch eintragen können. Eine Gruppe ist emsig dabei, unter ihnen auch Gina und Luka, beide 14 Jahre alt und aus Homberg/Ohm. Nein, sagen sie, bei der Frage nach dem Berufswunsch haben sie nichts eingetragen. Sie wissen halt noch nicht, in welche Richtung es gehen soll. „So geht es vielen Jugendlichen“, erklärt Caroly Greb. Genau dafür dient die Messe auch: als Informationsquelle über die Vielfalt der Berufe und Betriebe in der Region.

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Miteinander ins Gespräch kommen und Auszubildende finden: Dafür war auch der Alsfelder Metzgerbetrieb Koch mit einem Stand präsent.

 

84 Betriebe und Organisationen präsentierten ihre Ausbildungsmöglichkeiten in der Hessenhalle – und repräsentieren die rund 150 möglichen Berufe in der Region Vogelsberg. Diese gute Möglichkeit zur Information nutzten weit über 1000 Jugendliche, die zum Teil klassenweise per Bus aus den umliegenden Schulen angereist kamen. Diesen Marktplatz Ausbildung hatte einst die Kreisentwicklungsgesellschaft VogelsbergConsult gegründet, aber inzwischen hat die Kommunale Vermittlungsagentur in der Kreisverwaltung die Regie übernommen. Das Konzept kommt an, und der Trend geht mit dem demografischen Wandel eher in Richtung Ausweitung.

Görig: „Wir sind auf dem richtigen Weg“

Oder wie Landrat Manfred Görig bei der Eröffnung erklärte: „Mit dem was wir hier machen, sind wir auf dem richtigen Weg. Die Schulen haben sich dafür geöffnet, dass Unternehmen sich dort den Schülerinnen und Schülern vorstellen können. Und die Firmen haben inzwischen erkannt, dass sie nicht mehr darauf warten können, dass eine Bewerbung eingeht, sondern sich frühzeitig selbst nach Bewerberinnen und Bewerbern umschauen müssen.“

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An vielen Ständen lockten Betriebe mit Aktionen, wie hier bei dem Leiter-Hersteller Krause mit einem Quiz.

 

Das bestätigt zum Beispiel auch Alexander Neumann, Ausbildungsberater für den Vogelsbergkreis bei der Handwerkskammer Wiesbaden. „Die Betriebe setzen wieder mehr auf die eigene Ausbildung“, erklärt er am Stand der Handwerkskammer. Weil sie müssen, der Fachkräftemangel wird sichtbar. „Die Leute merken, dass ihre Fachkräfte älter werden, sie wollen für Nachwuchs sorgen.“ Eigene Ausbildung hat einen zweiten Vorteil: „Wenn der (Auszubildende) fertig ist, kennt der meinen Betrieb.“

In  die Richtung geht auch die Werbung für das Duale Studium, das zum Beispiel die heimischen Banken auf der Messe verstärkt anboten: Ausbildung mit Studium kombiniert. Damit ziehen die Unternehmen ihren eigenen Nachwuchs – und halten die Abiturienten in der Region.

Viele Handwerker suchen dringend Nachwuchs

Viele unter den 1500 Handwerksbetrieben im Vogelsbergkreis suchen dringend Nachwuchs, erläuterte unlängst Edwin Giese, Vorsitzender der Kreishandwerkerschaft, gegenüber Oberhessen-live. Neben dem demografischen Wandel stellte der Alsfelder einen zweiten Trend fest, der es Betrieben erschwere, geeigneten Nachwuchs zu finden: Die Ausbildungsfähigkeit der jungen Leute sei zurück gegangen. Und: „Die geänderten Ansprüche spielen eine große Rolle.“ Fast 590 Lehrlinge gab es in der ersten Hälfte des Jahres im  Kreis, aber um den Stand zu halten, müssen manche Betriebe sich mühen: Man wirbt in Schulen – und eben auf der Ausbildungsmesse. Giese kennt die Probleme: „Die Lebensmittel-Handwerke haben es ganz schwer“.

Zu denen gehören auch Fleischer wie der Alsfelder Werner Koch, der auf der Messe selbst am Stand zu finden ist. Gerade waren bei ihm zwei junge Damen, die sich sichtlich interessiert nach einer Ausbildung zur Fleischereifachverkäuferin erkundigten. Fleischermeister Koch freut sich darüber, er kennt die Probleme mit der Nachwuchswerbung: „Leicht ist das nicht.“ Umso mehr ist er von der Ausbildungsmesse 2014 angetan: „Das Interesse ist ungleich größer als bei den bisherigen Messen.“

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84 Betriebe und Organisationen füllten die Hessenhalle.

 

Auf der anderen Seite der Halle müht sich Elisabeth Flegar mit ihrem Team um das Interesse der jungen Leute. Sie vertritt die Altenpflegefachschule in Alsfeld – ein Berufsfeld, das immer wichtiger wird und doch nicht die entsprechende Anerkennung hat. Zum Start des neuen Schuljahres im Oktober habe sie noch Plätze frei, erklärt Elisabeth Flegar und freut sich über die Nachfrage bei ihr am Stand: „Junge Leute kommen und fragen zum Beispiel nach dem Unterschied zwischen der Altenpflege und der Krankenpflege.“

Um Nachwuchs wirbt auch Jutta Hoffmann für das Optikerhandwerk am Stand von Neusehland. Sie ist Ausbildungsmeisterin bei der Optikerkette und erlebt überraschte Gesichter: „Viele wissen nicht, was sie sich unter einem Augen-Optiker vorstellen können.“ Das hat etwas mit Brennweiten-Berechnung und Physik zu tun – aber auch mit Gefühl für Mode und Design, bekommen überraschte junge Leute erklärt. Manchmal bleibt dann auch etwas hängen – so wie die Mitarbeiterin Eliane Schuster an dem Stand: „Ich bin selbst durch eine Ausbildungsmesse darauf gekommen“, sagt sie und lacht.

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Über unerwartetes Interesse von weiblicher Seite freute sich der Kunstschlosser Rüdiger Greb. Bei ihm konnte man aus Rohlingen metallene Rosen herstellen.

 

Mitten zwischen den Präsentationen großer und kleiner Betriebe hat einer einen Stand aufgebaut, der zu den absolut kleinsten zählen dürfte: die Alsfelder Kunstschlosserei Rüdiger Greb. Aber er ist umlagert, es hämmert und klopft unablässig bei ihm – und das Interesse kommt von eher unerwarteter Seite: Es sind weit überwiegend Mädchen und junge Frauen, die auf dem Metall herumklopfen, als machten sie ein Praktikum in dem Beruf. Greb hat sie mit einem charmanten Trick angelockt. „Wir mussten ja was machen“, erklärt er schmunzelnd. So stellte er Rohlinge bereit, und die Schülerinnen hatten Spaß daran, sich daraus eine eigene, metallene Rose zu zimmern. Acht bis zehn Minuten Klopf- und Biegearbeit braucht es dazu, ein junger Mitarbeiter der Schlosserei schweißt den Stengel dazu an. Und Greb freut sich: „Ob wohl eine Auszubildende für mich dabei herauskommt?“

Von Axel Pries

Weitere Eindrücke von der Ausbildungsmesse in Alsfeld:

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Ein Gedanke zu “Jugendliche suchen, die Betriebe der Region auch

  1. Leider war gerade für angehende Azubis der dort angebotene Kaffee „etwas“ zu teuer. 2,- € für einen halbvollen 0,2 Ltr Pappbecher sind m.E. n’büschn überteuert.

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