"Der elfte Gast": Um dieses Buch ging es beim Auftritt von Krimiautor Arne Dahl bei "Der Vulkan lässt lesen". Fotos: aep

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Krimiautor Arne Dahl zu Gast bei "Der Vulkan lässt lesen" – Über den Erfolg des Krimis„Im Leben gibt es nur wenige Antworten“

LAUTERBACH (aep). Wie er da so sitzt und erzählt, da käme man nicht drauf, dass der Mann sich auf Mord und Totschlag versteht. Das weiche Gesicht über dem ergrauenden Dreitagebart, die ruhigen, freundlichen Augen, die bedächtige Sprache könnten zu einem Germanistikprofessor gehören. Und etwas davon hat der schwedische Literaturwissenschaftler und Kritiker Jan Arnald ja auch, der am Montagabend als Krimiautor Arne Dahl die Aula der Sparkasse in Lauterbach füllte. Im Rahmen der Reihe „Der Vulkan lässt lesen“ stellte er sein Buch „Der elfte Gast“ vor – und dieser Abend war ein besonderer.

Im  neunten Jahr von „Der Vulkan lässt lesen“ gab es am Montag zum ersten Mal eine zweisprachige Lesung, erklärte in ihrer Begrüßung Gerlinde Becker, Inhaberin der Buchhandlung „Lesezeichen“, die die Lesereihe zusammen mit der Buchhandlung „Buch 2000“ und der OVAG veranstaltet. Das hieß: Arne Dahl gab dem knapp 100-köpfigen Publikum eine Kostprobe von „Der elfte Gast“ in schwedischer Sprache, ehe Erich Ruhl, Pressesprecher der Vogelsberger Kreisverwaltung, Passagen aus dem aktuell in Deutsch erschienenen Krimi vorlas.

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Arne Dahl im Gespräch mit OVAG-Pressesprecher Andreas Matlé.

 

Es war auch der Abend vielen Fragen, mit denen der OVAG-Pressesprecher Andreas Matlé als Moderator den berühmten Schriftsteller und seine bekannteste Krimi-Reihe sich vorstellen ließ.  Zum Beispiel nach dem elften Roman, mit dem das schwedische Ermittlerteam „A-Gruppe“ sich nach zehn Jahren verabschiedet. „Warum haben Sie die A-Gruppe sterben lassen?“, wollte Matlé wissen. Das sei von Anfang an so geplant gewesen, erzählt der Schriftsteller: zehn Jahre, zehn Romane. Aber dann habe er es gar nicht übers Herz gebracht, seine zehn Hauptdarsteller auszuradieren. Also inszenierte er im elften Buch eine besondere Geschichte um die einstige Sondereinheit im schwedischen Reichskriminalamt  – und lässt die meisten von ihnen inzwischen als Europol-Mitarbeiter in neuen, einander logisch folgenden Romanen weiter ermitteln.

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Erich Ruhl las Passagen aus dem Krimi „Der elfte Gast“ vor.

 

Und auch da geht es in der Erzählung nicht nur um Mörder und Motive, sondern auch um gesellschaftliche, politische und menschliche Hintergründe – was zu einem Markenzeichen für Arne Dahl geworden ist, dessen Protagonisten gerne seitenweise Seitenhiebe um reale und vermeintliche Schieflagen austeilen. Etwa, wenn es um Worte wie Klimaangst und Empathimangel geht, die „Krankheiten des Westens“, las Erich Ruhl mit akzentuierter, klarer Stimme. „Man muss schon ein gewisses Niveau an Lebensqualität erleben, um diese Angst zu spüren“, antwortet Arne Dahl diplomatisch auf die Frage nach seiner Motivation, Krimis mit Gesellschaftskritik zu spicken. Und Empathiemangel im Sinne von Egoismus habe in den letzten 20 Jahren spürbar zugenommen. Krimis, so stellte er dann fest, schreibe er gerne, weil sie guter Erzählstoff seien – über den ganz nebenbei gesellschaftskritische Botschaften gut transportiert werden könnten.

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Knapp 100 Besucher füllten die Aula der Sparkasse in Lauterbach.

 

Vor allem aber muss ein guter Krimi einen guten Plot haben, erklärte der 51-jährige Autor, befragt nach dem Geheimnis seines Erfolges: Die Geschichte muss stimmen, sie sei das Skelett. „Das Schreiben ist das Fleisch.“ Daher lasse er sich stets viel Zeit für Vorbereitungen und Recherchen zu seinem Stoff. Das sei die wahre Arbeit am Roman. „Schreiben kommt am Ende wie eine Belohnung für harte Arbeit.“

Und warum lesen Menschen überhaupt so gerne Krimis, wollte Andreas Matlé wissen, wenn es doch im wahren Leben so viel Schrecken gebe? Der Krimi enthält ein Versprechen, sagt der Fachmann aus dem Norden: „Am Ende wird alles gelöst. Im Leben gibt es nur wenige Antworten.“

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Fragen und Antworten: Andreas Matlé ließ den Schriftsteller sich und sein Werk vorstellen.

 

 

Ein Gedanke zu “„Im Leben gibt es nur wenige Antworten“

  1. Vielen Dank an den Verfasser des Artikels. Sie haben die Stimmung und Atmosphäre wunderbar wiedergegeben. Es war wirklich ein toller Abend!

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